Aachen - Grenzlandtheater: „Die Wunderübung“ feiert Premiere

Grenzlandtheater: „Die Wunderübung“ feiert Premiere

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Beziehungsmüll-Deponie oder Therapie? Im neuen Stück des Grenzlandtheaters „Die Wunderübung“ geht es nicht nur um eine eingefahrene Zweierbeziehung. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „In der Polemik sind Sie ein eingespieltes Team“, stellt der Therapeut fast bewundernd fest. Joana und Valentin werfen sich in der Tat die rhetorischen Bälle gekonnt zu – den Partner sehen sie dabei aber eher als Gegner.

Wenn sich für „Die Wunderübung“ – das neueste Stück von Daniel Glattauer – am Donnerstag, 12. März, der imaginäre Vorhang des Grenzlandtheaters zum ersten Mal hebt, bekommen die Zuschauer die ganz normalen Probleme und den grauen Alltag vieler langjähriger Paare auf der Bühne präsentiert: skurril, bitter-komisch, und bei allen gewollten Klischees so realistisch, dass es schon ein bisschen wehtut.

Joana (Regina Stötzel) und Valentin (Carsten Klemm) suchen Hilfe und Unterstützung bei einem Paartherapeuten (David Allers). Nach 20 Jahren Ehe und dem Großziehen zweier Kinder ist nicht einmal mehr liebevoller Umgang zu spüren, geschweige denn Leidenschaft, wie sich beim Öffne-die-Faust-Experiment unmissverständlich feststellen lässt. Beide Ehepartner hegen aber die Hoffnung, mit professioneller Hilfe die Störungen zu beseitigen und zumindest wieder eine Ahnung von den anfänglichen Gefühlen zu bekommen.

Joana hat ihren Beruf als Historikerin für die Familie aufgegeben. „Sie fühlt sich dafür aber nicht annähernd entschädigt“, skizziert Regisseur Jens Pesel Joanas Gemütszustand. Valentin hat Karriere gemacht, ernährt die Familie und sieht auch diese Leistung nicht gerecht beurteilt: „Mir gehören die Pflichten, ihr die Neigungen – auch meine.“ Pesel charakterisiert ihn so: „Er neigt zu kalorienarmen Lösungen und geht lieber den Weg des geringsten Widerstands.“ Insgesamt hat sich bei beiden viel Aufmerksamkeitsschuld eingestellt.

Und der Therapeut? Er benutzt Sätze wie „Es gibt kein Richtig und kein Falsch“, lässt Joana und Valentin Übungen machen, um ihren Standort in der Ehe zu bestimmen, wirkt freundlich-bestimmt. Doch frei von Problemen ist auch er nicht. Ist er Beziehungsmüll-Deponie oder Therapeut seiner eigenen Untiefen? „Natürlich werde ich die Pointe nicht verraten, aber es dreht sich etwas in der Beziehung von Therapeut zu Klienten“, meint Pesel vielsagend.

Für Pesel ist Glattauers Komödie aber nicht nur eine intime Draufsicht auf ganz persönliche Probleme. Er sieht durchaus auch Bezüge zum großen Ganzen: Die immer narzisstischer werdende Gesellschaft, schwindende Leidensbereitschaft und die in den gleichen Klischees verhafteten Automatismen von politischen Auseinandersetzungen. In jedem Fall erwartet die Zuschauer aber eine Draufsicht auf einen intimen Prozess, der zwar tausendfach täglich geschieht, normalerweise aber im Verborgenen bleibt.

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