Aachen - Gregoriushaus: Projektplaner müssen vor Protest kapitulieren

Gregoriushaus: Projektplaner müssen vor Protest kapitulieren

Von: Stephan Mohne
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Steine des Anstoßes: Das Süd
Steine des Anstoßes: Das Südflügeldach des ehemaligen Gregoriushauses am Lousberg steht im Mittelpunkt eines heftigen Streits zwischen Anwohnern und Projektentwicklern. Diese wollten das Dach wegnehmen und stattdessen Wohnungen dort bauen. Das wäre aber nur mit Zustimmung der Nachbarn möglich gewesen. Nun wird diese „Zielplanung” (r.) gekippt. Die anderen 37 Wohnungen des 15-Millionen-Projekts werden bald gebaut.

Aachen. Am Ende hat Christoph Irmisch kapituliert. Der Senior-Projektentwickler der Ratinger Firma „Interboden” räumt ein: „Mit derart heftigem Widerstand hatten wir nicht gerechnet.” Mit dem Widerstand ist der massive Protest von Anwohnern der ehemaligen Kirchenmusikhochschule Gregoriushaus an der Weyhestraße zwischen Ludwigs- und Nizzaallee gemeint.

Unter anderem mit einem Bürgerantrag an die Stadt und einer Petition an den Landtag gingen sie gegen das zu Werke, was auf Verkaufs- und Projektbildern von „Interboden” zu sehen ist - vor allem Wohnungen auf dem Südflügel des Gebäudeensembles, wo heute noch ein normales Dach ist.

Genau von diesen beiden Penthouse-Wohnungen haben sich die Projektentwickler Mitte August verabschiedet. Schweren Herzens, wie Irmisch sagt. Denn dies sei eine qualitativ sehr hochwertige Architektur, die gut ins Umfeld gepasst hätte. So werde nun eine Chance vertan.

Mehrere Anwohner sehen das völlig anders. „Wenn es dort noch mehr in die Höhe geht, würde uns das erdrücken”, sagt eine Anwohnerin der Ludwigsallee, deren Garten an den Südbau der ehemaligen Musikhochschule grenzt.

Als die Projektbilder vor einigen Wochen in Verkaufsanzeigen auftauchten, war der Ärger groß. Christoph Irmisch betont allerdings, dass es sich bei diesen Abbildungen um „Zielvorstellungen” gehandelt habe. Mit der dort gezeigten architektonischen Qualität haben man gehofft, auch Zweifler überzeugen zu können. „Doch das ist nicht eingetreten”, so Irmisch, dessen Firma erst im vergangenen Herbst das Projekt von einem anderen Investor übernahm. „Die schwierige Historie dieses Projekts kannte ich nicht. Deswegen war ich vom Widerstand überrascht”, erklärt der Projektentwickler. Er habe noch „Vorstöße bei den Nachbarn” gemacht, doch letztlich sei da eine Mauer der Ablehnung gewesen. Besagte Nachbarn bekundeten gegenüber unserer Zeitung, dass sie sich bereits seit zweieinhalb Jahren von den Bauherren bedrängt fühlen und sich „jegliche weitere Kontaktaufnahme verbitten”. Die Fronten sind extrem verhärtet.

„Interboden” baut das Gregoriushaus zu einem Gebäude mit 37 hochwertigen Eigentumswohnungen zwischen 65 und 197 Quadratmeter Wohnfläche um. Es wird dann „Redarius-Quartier” heißen. Investitionssumme: rund 15 Millionen Euro.

Für den allergrößten Teil gibt es längst eine Baugenehmigung. Nicht aber für die zusammen 250 Quadratmeter großen Penthouse-Wohnungen auf dem Südflügel. Dafür sei bisher auch gar kein Bauantrag gestellt worden, sagt Irmisch. Denn die Stadt hat unmissverständlich klargemacht: So etwas könnte nur genehmigt werden, wenn die Nachbarn ausdrücklich zustimmen. Aber davon sind viele Nachbarn weit entfernt. Und so wird das Dach nicht bebaut. Ob man es nun so lässt wie es ist oder aber „flachlegt” und begrünt, ist noch nicht ganz entschieden.

Die Abrissarbeiten an anderen Gebäudeteilen haben indes begonnen. Mitte 2013 sollen die Wohnungen fertig sein. Gebaut wird auch eine Tiefgarage mit 51 Stellplätzen. Dafür muss eine große Zeder im Innenhof weichen. Auch dagegen hatte es Protest gegeben, doch die Stadt stimmte den Planern zu, die im Gegenzug 20.000 Euro zahlen müssen. Kritik der Anwohner, die ohnehin prekäre Parkplatzsituation im Umfeld werde sich durch das Projekt noch verschärfen, kann er angesichts der 51 neuen Stellplätze nicht nachvollziehen.

Am kommenden Dienstag wird der Bürgerantrag im Bürgerforum diskutiert. Ob angesichts des Rückzugs von „Interboden” in Sachen Südflügel im Sinne der Anwohner der Dampf nun aus dem Kessel entweicht, bleibt allerdings abzuwarten.
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