„Grautvornix“: 30 Jahre auf dem Buckel

Von: Valerie Barsig
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Vorfahrt für Rollatoren: „Grautvornix“ kennt bei der Geburtstagsgala in der Kappertz-Hölle kaum ein Tabu – das Publikum liebt die Kabarettisten dafür. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wer bereits seit 30 Jahren auf der Bühne steht, der muss sich selbst nicht mehr allzu ernst nehmen. „Viel Spaß mit den alten Säcken!“ ertönt es daher auch in der Kappertz-Hölle, und das Publikum johlt: „Grautvornix“ macht mit seinen Geburtstagsgästen eine Reise durch die besten Sketche, den besten Gesang und durch den allerfeinsten satirischen Klamauk der letzten Jahre.

Die sieben Grautvornixe Gaby Dufern, Eva Vleek, Manfred Grouls, Norbert Becker, Krenne Aymans, Dieter Große-Heilmann und Stefan Huppertz ziehen sich zunächst einmal selbst herrlich durch den Kakao und starten ihre Geburtstagsgala mit einem Einführungskurs im Schließmuskeltraining im Altenheim Haus Gnadental, gefolgt von Bettpfannenpolo und Tablettenschach – „Na gut, so alt sind wir wirklich noch nicht, aber immerhin haben wir jetzt 30 Jahre auf dem Buckel“, geben sie zu.

Zeit also, nach 30 Jahren mal einen Blick auf den ganzen „neumodernen Quatsch“ zu werfen, von Navigationsgerät bis Polkappenschmelze, die Probleme der Gegenwart lassen auch die Grautvornixe nicht in Ruhe. Wie wäre es denn, wenn Aachen am Meer läge? Früher brauchte man drei Stunden bis Domburg, heute liegt man direkt am Strand in der Stadt. Sehenswürdigkeiten: Das Unterwasserklinikum, das neue Tivoli-Delphinarium; und nicht zu vergessen: der weltberühmte „SHIO“ – das Seepferdchen-Turnier, alles zu sehen im Venedig des Westens.

Auch lokalpolitische Themen wie die ständige Parkplatznot in der Stadt finden Einzug ins Geburtstagsprogramm, und auch der Aachener Karnevalsverein (AKV) bekommt sein Fett weg – inszeniert in einer kurzen Musicaleinlage à la Leonhard Bernsteins „Westside Story“: Was ist, wenn sich das AKV-Funkenmariechen in einen vom alternativen Karneval verliebt, der am Mariechen gern „ma riechen“ würde? Auf jeden Fall endet die Geschichte im Gegensatz zur „Westside Story“ nicht tragisch...

Kaum noch auf den Stühlen halten kann sich das Publikum dann bei Klassikern wie dem Kampf um das richtige Frühstücksei und bei der Bauarbeiter-Klangholz-Combo, wenn Gaby Duffern und Eva Vleek ins Herrenmodengeschäft gehen, um sich am Grabbeltisch den richtigen Mann zu suchen – oder wenn die ganze Truppe im Büro-Outfit eine erotische Email an Frau Doktor Peters verfasst.

Kurzum: Wenn die Grautvornixe ihre Geburtstagsgala feiern, ist das ein Abend voller Nostalgie, Musik, Klamauk und nicht allzu ernst gemeinter Seitenhiebe auf die aktuellen lokalen Themen. Zum Schluss bleibt den glorreichen Sieben nur noch eines, nämlich mal „Danke“ zu sagen zu ihrem Publikum für 30 Jahre Treue; und „Danke“ zu sagen zum ganzen Team, denn schließlich haben die Sieben hinter der Bühne massenhaft helfende Hände, die einen Geburtstagsabend – und alle Abende zuvor – zu dem gemacht haben, was sie sind.

Die Aussage „Gut, dass der Strunx vorbei ist“ kann da nur mit einem Augenzwinkern gesehen werden, denn so kann es auch noch mal 30 Jahre weitergehen...

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