Graue Verteilerkästen als Leinwände für Hobbykünstler

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Kunst im Straßenbild: Verteilerkästen wie der am Friedrich-Wilhelm-Platz dürfen offiziell bemalt werden. Foto: Michael Jaspers
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Was daraus werden kann, zeigt ein Beispiel aus Köln. Foto: Telekom

Aachen. Grau, beschmiert oder beklebt. Verteilerkästen sind in den seltensten Fällen schön anzusehen. Dabei können die sogenannten Multifunktionsgehäuse richtige Kunstwerke sein – und das sogar mit Erlaubnis des Telekommunikationsriesen.

Das Unternehmen hat jetzt einen Flyer unter dem Motto „Aus Grau wird Bunt“ veröffentlicht, der die Anwohner und Hobbykünstler zum „Akzente setzen“ auffordert. Das heißt, sie dürfen die Kästen nach Herzenslust bemalen. Dieser Aufforderung sind in Köln auch schon viele Menschen nachgekommen und haben einige der bundesweit 100.000 Kästen verschönert. Insgesamt 50 Anfragen sind nach Angaben der Telekom bislang eingegangen.

Die meisten Künstler spielen bei den Motiven mit der Umgebung und bemalen die Kästen so, dass sie oft erst auf den zweiten Blick als solche erkennbar sind. Andere, die in der Nähe von Kindertagesstätten und Schulen stehen, wurden an Projekttagen von den Kindern selbst bemalt.

Für die Auswahl und Ausgestaltung der Bilder gibt es nur wenige Vorgaben: Sie dürfen keine kommerzielle Werbung enthalten, keine politischen, ethischen und religiösen Darstellungen sein. Auch bei der Farbwahl sind ein paar Dinge zu beachten. Die Farben sollten wetterfest und auf Wasserbasis hergestellt sein. Das sind in der Regel Dispersionsfarben für den Außenbereich. Auch großflächige Motive in schwarz sind eher ungeeignet, weil die Gefahr besteht, dass die Gehäuse im Sommer überhitzen und dadurch die Technik im Inneren beschädigt wird. Aus dem gleichen Grund sollten auch Lüftungsschächte, Schlösser oder Scharniere weder lackiert noch bemalt werden.

Das Angebot, die hässlichen Verteiler zu bemalen, gibt es zwar schon länger, genutzt wurde es aber selten, weil das Verfahren zu kompliziert war. Das Verfahren soll ab jetzt „deutlich vereinfacht“ werden, sagt Telekom-Pressesprecher George-Stephen McKinney. In Zukunft müssen Hobbykünstler nur noch eine formlose E-Mail mit dem Standort und ein aktuelles Foto des Verteilers an produktion@telekom.de schicken. Dazu noch eine kurze Skizze des geplanten Motivs. Die Erlaubnis erfolgt ebenfalls per E-Mail.

Eine wichtige Vorraussetzung für die Erlaubnis ist, dass es sich um einen Verteilerkasten der Telekom handelt. Das lässt sich unter anderem daran erkennen, dass das Kürzel „BK“ nicht auf den Kästen zu finden ist. Es steht für Breitbandkabelverstärkerstelle. Solche Kästen werden vom Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland unterhalten. Für diese Anlagen kann die Telekom keine Erlaubnis erteilen.

Für die Verteilerkästen von NetAachen ist eine künstlerische Verzierung grundsätzlich möglich, aber mit Aufwand verbunden. Andreas Schneider, Geschäftsführer von NetAachen sagt, dass die Kommunen „Hoheit haben über die Gestaltung solcher Flächen im öffentlichen Bereich“. Daher sei das Einverständis der jeweiligen Kommune notwendig, das vom Künstler eingeholt werden müsse. Außerdem muss bei diesen Kästen eine spezielle Farbe genutzt werden, weil sie standardmäßig mit einer Anti-Graffiti-Beschichtung versehen sind, um Schmierereien abwischen zu können.

Die Bemalerlaubnis gilt für die 350 Kästen der Stawag und die städtischen Kästen für Ampelanlagen bislang nicht. Stawag-Sprecherin Eva Wußing sagt: „Das ist noch nicht entschieden.“ Das liegt daran, dass viele Kästen schon seit 2010 als Werbeflächen vergeben sind. Petra Klösges, Sprecherin der Stadt Aachen, findet die Ideen nicht schlecht, weil sie „den Gedanken der Sauberkeit unterstützen“. Darüber müsse erst abgestimmt werden, sagt sie.

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