Gratis-Busfahrt: Rot-Rot-Grün auf einer Linie

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Was es hier eigentlich zu beschließen gebe, wollte Renate Coracino wissen. Auslöser der Verwunderung bei der mittlerweile partei- und fraktionslosen Ex-SPD-Ratsfrau: SPD und Grüne hatten das Thema „ÖPNV-Attraktivierung” per Tagesordnungsantrag in den Stadtrat gehievt.

Dahinter verbirgt sich unter anderem das Ansinnen von Rot-Grün, Busfahren in der City demnächst kostenlos anzubieten. Die Verwaltung hatte dazu schriftlich kundgetan, dass Aseag und AVV dazu wie auch zu anderen Vorschlägen aus dem Paket - elektronische Tickets und Fahrgastinformation, Überarbeitung des Liniennetzes, Einführung einer „wandernden Kurzstrecke” - kurzfristig zu Abstimmungsgesprächen über das weitere Vorgehen eingeladen worden sind.

De facto also liegt noch nichts Konkretes vor, über das man abstimmen könnte. SPD und Grüne aber hegen den Plan, das Ganze bereits zum Fahrplanwechsel am 1. Juni am Start zu haben - und wollten nun ihren Antrag gleich mit abgestimmt wissen.

So wurde die Debatte zu einer grundsätzlichen Willensbekundung - für oder gegen das kostenlose Cityticket. Denn bei allen anderen Punkten sind sich die Parteien einig, dass derlei Attraktivitätssteigerung dem Bussystem durchaus gut tun kann. Aber wird die ehemalige Ratsmehrheit - seit dem Austritt Coracinos ist sie dahin - genügend Stimmen einsammeln können? Sie wird. Denn diesmal kommt es zur rot-rot-grünen Allianz. Die Linken bekundeten, dass der Vorschlag „auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung ist”. Wobei die Linkspartei das Ganze noch um eine soziale Komponente - ein Ticket vor allem für Bezieher von Arbeitslosengeld - ergänzt wissen will.

Grünen-Ratsherr Roland Jahn bekundete, nach Bekanntwerden der Pläne habe man „sehr viele positive Rückmeldungen” bekommen. Schließlich sei in Sachen Qualität und Attraktivität des ÖPNV in Aachen noch vieles zu tun. Und die Luft soll durch mehr Busnutzer ein ganzes Stück sauberer werden.

Wulf Pabst, Verkehrsexperte der FDP, vermutet aufgrund der Eile, die SPD und Grüne an den Tag legen, allerdings durchaus ein wahltaktisches Manöver. Viel zu unausgereift seien die Pläne, viel zu viele Fragen seien unbeantwortet. Etwa jene, wie denn die Gratisfahrten bei Dauerkarten oder Semestertickets angerechnet würden. So sprach er denn auch von einer „Schnapsidee” und einem „Wahlkampfgag”.

CDU-Fraktionschef Harald Baal bekannte, dass Rot-Grün mit dem Vorstoß durchaus für „Kanonendonner” gesorgt hätten. Das Ganze bedürfe aber einer intensiven Diskussion. Schließlich könne es nicht sein, „dass der Wohnort entscheidet, wer kostenlos Busfahren darf”. Ein Großteil der Bürger - von Burtscheid über Haaren, Eilendorf, Rothe Erde und viele andere Bezirke - bleibe außen vor.

Karl Schultheis bekundete für die SPD schließlich, dass vieles von weiteren Prüfungen abhänge. Es müsse klar sein, dass solche Maßnahmen mehr Leute in die Busse holen und dass sie „einen deutlichen Beitrag zur Luftreinhaltung” leisten. Von einer Entscheidung jedenfalls, das wurde klar, ist der Rat noch ein paar Haltestellen entfernt.
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