Grabeskirche St. Josef: Lose Steine sorgen für turmhohe Kosten

Von: Thorsten Karbach
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Sanierungsfall: Der Turm der Grabeskirche St. Josef verschwindet hinter einem Gerüst. Foto: Jaspers

Aachen. Aus heiterem Himmel steht der Grabeskirche St. Josef eine 800.000-Euro-Baustelle ins Haus. Natursteinbrocken hatten sich am Turm gelöst, stürzten zu Boden. Gottseidank gab es keine Verletzten, ein schützender Bauzaun wurde schon vor Monaten errichtet.

Nun wird ein Gerüst montiert, um den Schaden an Steinen und Fugen zu reparieren und in einem nächsten Schritt das Dach des Turmes neu zu Decken – bevor auch hier Sturzschäden verzeichnet werden.

„Die Sanierung ist absolut notwendig, dass Steine zu Boden fielen, hat uns sofort alarmiert“, berichtet Pfarrer Markus Frohn, der seit seit 2007 in der Pfarre St. Josef und Fronleichnam wirkt und damit auch für die 2006 in Betrieb gegangene Grabeskirche verantwortlich ist.

Mit dem Aachener Architekturbüro Hahn Helten, das schon den preisgekrönten Umbau der Josefskirche verantwortete, wurde die Baustelle geplant. „Den genauen Schaden können wir aber erst erfassen, wenn das gesamte Gerüst steht“, sagt Frohn. Erst dann ist klar, ob die kalkulierten 800.000 Euro ausreichen, um alle abgeplatzten Steine zu überarbeiten und alle Fugen zu schließen.

Klar ist, dass die Grabeskirche – anders als bei der Gewölbesanierung – diesmal ohne Bundes- und Landesmittel bauen muss. Das Bistum hat zwar laut Frohn eine Bezuschussung zugestanden, doch ohne Spenden (Pax Bank, BLZ 370 601 93, Kontonummer 100 061 5125) lassen sich die turmhohen Kosten kaum stemmen. „Natürlich gibt es durch die Verkäufe der Grabstätten Einnahmen, aber bei dieser Summe sind wir auf Hilfe angewiesen“, sagt Frohn. Aktuell sind übrigens rund 1200 der 2144 Beisetzungsplätze (zwischen 2190 und 8200 Euro)belegt oder reserviert. 200 kommen jährlich hinzu.

Mehr als Flickarbeiten hat es am Turm der 1894 bis 1898 gebauten Kirche in den letzten 50 Jahren nicht nicht gegeben. Bis Ende Herbst soll die umfangreiche Sanierung hinter dem beeindruckenden Gerüst über die Bühne gegangen sein. Deutlich kleiner, aber im pastoralen Sinne nicht weniger bedeutend, fallen die Arbeiten im Innern aus. „Trauer braucht einen Ort“, sagt die Theologin Gabriele Eichelmann, die seit Ende 2010 als Referentin für Bestattungskultur und Trauerpastoral an der Grabeskirche arbeitet.

Immer wieder war sie in dieser Funktion Menschen begegnet, die dort keinen Angehörigen oder Freund bestattet wussten sondern nach einer Raum für Ruhe und Andacht suchten. Etwa der älteren Polin, für die klar war, dass sie das Familiengrab in der Heimat nie wieder sehen würde. Ein Platz des Gedenkens für diese Menschen wird nun direkt neben der Figur des Heiligen Josef geschaffen – Steintafeln mit den Namen Gestorbener, die nicht in der Grabeskirche beigesetzt sind, werden an der Wand der Kapelle montiert. So eine Tafel kostet 140 Euro, eingeweiht wird die Gedenkwand am 19. März bei einer Vesper um 17 Uhr zu Ehren des Heiligen Josef. Aus heiterem Himmel werden diese Steine ganz gewiss nicht das Bild der Kirche verändern.

<i>Immer mehr Fälle: Wenn das Ordnungsamt beerdigen lässt

Hinter den Kulissen der Grabeskirche arbeitet Pastoralreferentin Gabriele Eichelmann (rechts, mit Pfarrer Markus Frohn) mit dem Ordnungsamt an einem würdigen Andenken für Menschen, die mangels (auffindbarer) Angehöriger vom Ordnungsamt auf dem Friedhof Hüls bestattet werden müssen. „Die Zahl nimmt erschreckend zu“, sagt Eichelmann. Tatsächlich liegen für Januar und Februar nach Angaben des städtischen Presseamtes 23 Fälle vor. Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres waren es 18. Das Ordnungsamt bestattet immer dann, wenn binnen acht Tagen kein Angehöriger gefunden wird und sich das Sozialamt nicht zuständig fühlt. Eine Gedenkfeier für die unbekannten Toten wird am 26. Mai um 18 Uhr stattfinden.

Neben den freitäglichen 9-Uhr-Gottesdiensten in der Grabeskirche wird es weitere Veranstaltungen geben, darunter ab dem 24. Mai, 19 Uhr, eine Reihe zum Triptychon „Alle an einem Tisch“ von Rita Lausberg. Beim ersten Termin wird Regens Peter Blättler unter dem Titel „Mensch Klaus!“ über Bischof Klaus Hemmerle sprechen. Infos zum Programm gibt es unter 51001503.</i>

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