„Gottes Schöpfung“ oder ein Gotteshaus?

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
11803571.jpg
Einsamer Protest: Eine Baumschützerin stellt sich vor einen Baum, den der Bagger ins Visier nimmt. Foto: Michael Jaspers
11803020.jpg
Am Montag haben auf dem Grundstück an der Vaalser Straße die Rodungsarbeiten begonnen. Der evangelische Kirchenkreis will dort eine neue Kirche bauen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Bewahret Gottes Schöpfung“ steht auf dem Protestplakat an der Vaalser Straße. Befestigt ist der Appell an einem winzigen Teil besagter Schöpfung – das Banner ist zwischen zwei Bäumen aufgespannt. Doch bewahrt werden diese wohl nicht.

An diesem Montagmorgen wird auf dem Grundstück zwischen dem Westfriedhof und Steppenberg mit den Rodungsarbeiten begonnen. Bereitet wird der Boden dort nun für einen Kirchenneubau, was den religiösen Bezug der Protestnote der Baumschützer erklärt.

Die evangelische Kirche will dort ein Gotteshaus samt Gemeindezentrum errichten, in dem die Gemeindearbeit im Aachener Westen zusammengeführt wird, die bisher in der Arche in Kullen und im Dietrich-Bonhoeffer-Haus geleistet wird.

Seit Jahren in der Kritik

Der Protest der Baumschützer kommt alles andere als überraschend. Seit die Pläne für den Kirchenneubau vor Jahren publik wurden, entzündet sich an der Standortwahl Kritik. Das liegt unter anderem daran, dass das Areal einst im Zuge der Erweiterung der Justizvollzugsanstalt in der Soers als ökologische Ausgleichsfläche deklariert wurde. Solche Flächen zu bebauen, ist in der Tat ungewöhnlich. Für Hans Falk, Sprecher des Aachener Baumschutzbündnisses, ist es sogar ein „Skandal“.

Auch in der Politik ist das Projekt umstritten. Grüne und Linke lehnen es ab, obgleich die ursprünglichen Pläne des Büros „Weinmiller Architekten“ kräftig abgespeckt wurden und man nun mehr Rücksicht auf ökologische Belange, etwa den Schutz des nahe gelegenen Dorbachs, nimmt. Während der Flächennutzungsplan im Dezember per Ratsbeschluss geändert wurde, damit das Grundstück überhaupt bebaut werden darf, ist der notwendige Bebauungsplan noch nicht in trockenen Tüchern. Dass die Stadt trotzdem schon grünes Licht für Rodungsarbeiten gibt, hält Baumschützer Falk für „sehr merkwürdig“ und hegt den Verdacht, dass dort „mit allen Mitteln getrickst“ werde.

Harald Beckers vom städtischen Presseamt weist dies zurück. Die Situation sei „rechtssicher“ genug, um die Genehmigung zu erteilen. Dies nicht zu tun, hätte das Projekt erheblich verzögert. Vom 1. März bis zum 30. September verbietet der Vogelschutz Rodungsarbeiten. Dass der Bebauungsplan noch nicht beschlossen ist, liege daran, dass die „komplizierten Verhandlungen“ über die neue Ausgleichsfläche – also der ökologische Ausgleich für die jetzt zu bebauende einstige Ausgleichsfläche – im Dezember noch nicht beendet gewesen seien.

Diese stünden jetzt aber vor dem Abschluss, wobei die ins Auge gefasste Ökofläche in Verlautenheide „fast doppelt so wertvoll ist“, wie Beckers betont. Ins gleiche Horn stößt auch Redmer Studemund, der neue Vorsitzende des Gesamtpresbyteriums des evangelischen Kirchenkreises Aachen. „Das ist eine ehrenwerte Maxime“, würdigt der Pfarrer zwar den Appell der Baumschützer, „aber in der Summe steht Aachen in der Ökobilanz danach besser da als vorher.“

Studemund hofft nun, mit den richtigen Bauarbeiten für die neue Kirche, die für Veranstaltungen mit bis zu 300 Menschen ausgelegt werden soll, „im Spätsommer beginnen“ zu können. Im Idealfall wäre der Bau, für den die Kirche rund vier Millionen Euro an Kosten veranschlagt, schon im Herbst kommenden Jahres fertig. „Ein sportliches Ziel“, weiß Studemund, aber im Blick hat man ein für die evangelische Kirche bedeutsames Datum: den 31. Oktober. „Am schönsten wäre es, am Reformationstag in der neuen Kirche den Eröffnungsgottesdienst feiern zu können.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert