Gospelmusik der Extraklasse: Geprobt wird per E-Mail

Von: ths
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Aachen. Vielleicht ist es der „Spirit” des Gospels, der Richard Narh und Nico Duodu so entspannt erscheinen lässt. Lachend und offensichtlich sehr gut gelaunt erwarten der Pastor der Internationalen Christlichen Freikirche Aachen und deren Gospelchorleiter die 300 Gäste, die das Space des Ludwig Forum an diesem Abend in einen Tanzsaal verwandeln werden.

Nichts kann Narh und Duodu die gute Laune trüben, auch nicht der Anruf der Fluggesellschaft vor wenigen Stunden: Die Orchesterposaune des New Yorker Gastchors ist im Gepäckgetümmel verschwunden, Lieferung direkt aus Frankfurt am Main voraussichtlich in ein, zwei Stunden. Doch dann hat das Osterkonzert bereits begonnen, „naja, dann muss es eben auch ohne Posaune gehen”, lacht Pastor Narh.

Lautstarke Unterstützung vom Publikum, das bereits die ersten Stücke durch Klatschen und zunächst zaghaftes, dann immer sicherer werdenden Rhythmen unterstützt, gibt es in jedem Fall. Und die Beteiligung der Zuschauer ist durchaus gewollt: Eine Leinwand zeigt die jeweils aktuellen Textzeilen an und fordert die Menschen zum Mitmachen auf. „Das ist Absicht”, sagt Narh, „am schönsten ist es, wenn die Musik die Menschen von ihren Stühlen reißt und alle gemeinsam singen und tanzen.” Und so kommt es auch, dass nicht nur die 30 Aachener Chormitglieder und deren 50 Kollegen der State University of New York College at Cortland die Akteure des Konzerts sind, sondern auch die Zuschauer.

Bewegend sind vor allem auch die Solostücke der international bekannten Gospelinterpretin Christine Johnson Sinclair. Für die Amerikanerin ist es die Gospelmusik, die es ihr ermöglicht, die Menschen zu berühren, „und zwar auf eine Weise, zu der das gesprochene Wort niemals fähig sein könnte.” Mit der gefühlsvollen Interpretation ihres Lieblingsstücks „Amazing Grace” berührt sie dann auch das Aachener Publikum tief. „Das ist ja gerade das Schöne”, freut sich Nico Duodu, „mit Gospels erreicht man alle Menschen, egal welcher Kultur oder Nation.”

Die gemeinsamen Proben der beiden Chören verliefen übrigens eher ungewöhnlich: „Wegen der räumlichen Distanz haben wir unsere Stücke aufgenommen und dem anderen Chor per E-Mail geschickt. Und andersherum haben wir Musik-Mails aus New York bekommen”, sagt Duodu, „die wurden analysiert und adaptiert.” Und zwar einwandfrei, wie auch eine Zuschauerin fand: „Ich kenne Gospels von kleinauf und habe schon viele Konzerte gehört. Das heute war wirklich einzigartig.” Und irgendwann an diesem Abend taucht tatsächlich auch die verschollene Posaune auf - doch Richard Narh hatte Recht behalten: Es ging auch ohne sie, und das sogar ziemlich gut.
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