„Goldener Schwan“ gerät ins Schwimmen

Von: Robert Esser
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Der Kapitän geht von Bord: „Schwan“-Wirt Matthias Erforth streicht nach fast zwei Jahrzehnten am Markt die Segel. Über 30 Jahre lang betrieb der bekannte Gastronom verschiedene Szene-Lokale in Aachen. Foto: Michael Jaspers
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Der Kapitän geht von Bord: „Schwan“-Wirt Matthias Erforth streicht nach fast zwei Jahrzehnten am Markt die Segel. Über 30 Jahre lang betrieb der bekannte Gastronom verschiedene Szene-Lokale in Aachen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Fast 600 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung geht im Wirtshaus „Goldener Schwan“ am Aachener Markt eine Ära zu Ende. Pächter Matthias Erforth (59) hat – vorläufig – Insolvenz angemeldet. „Der Schritt ist schmerzhaft, aber wohl unvermeidlich“, sagt Erforth.

Der bekannte Gastronom will sich nach fast 18 Jahren aus dem Traditionshaus vis à vis zum Aachener Rathaus zurückziehen.

Maßstäbe gesetzt

Obwohl Restaurant und Kneipe jedes Jahr bessere Umsätze machten und die Kundschaft strömte, hätten unterm Strich zuletzt immer häufiger rote Zahlen gestanden, erläutert er. „Das geht teilweise zu meinen Lasten, teilweise haben es mir einzelne Behörden und vor allem die tariflichen Rahmenbedingungen aber auch immer schwerer gemacht“, bilanziert Erforth.

Dabei hat der 59-Jährige in der Kaiserstadt in seinem Berufsleben Maßstäbe gesetzt – und einige stadtbekannte Gastronomiebetriebe ins Leben gerufen: Alles begann 1985 mit „Der Biergarten“. Es folgten – unter anderem – „Pompös“, „Hollywood“, „P. Cutters“ sowie „Mexi & Co“. Er gehört zu den Erfindern des Partytreffpunkts „Soerser Winkel“ im Rahmen des Reitturniers CHIO. Er stellte der Oecher Penn sein Hauptquartier, war bei Stadtfesten mit seinem Imbiss auf dem Katschhof und beim Weihnachtsmarkt zuletzt auch als Glühwein-Anbieter vertreten.

„Ich liebe diese Stadt, ich liebe den Aachener Markt. Er ist der schönste Platz der Welt. Letztlich muss man dennoch sehen, dass die Zeiten für Gastronomiebetriebe wie den Goldenen Schwan immer problematischer wurden – zu groß um zu sterben, zu klein um zu leben.“

Die historische Immobilie am Karlsbrunnen gilt seit Hunderten Jahren als gastronomisches Schmuckstück. Im 15. Jahrhundert befand sich der „Goldene Schwan“ im Besitz der Familie „Swane“. Die Namensgeber besaßen mehrere Häuser im Stadtzentrum. In den Unterlagen des Aachener Stadtarchivs wird der „Schwan“ erstmals im Jahr 1438 als „Weinschenke“ erwähnt. „Vermutlich diente er jedoch zwischenzeitlich auch als Poststation, in der Pferde gewechselt wurden und in der Reisende Unterkunft und Wegzehrung erhielten“, schildert Erforth.

Demnach wurde das Haus „Zum Schwan“ vom damaligen Bürgermeister Stefan von Roide für 17 Gulden Jahreszins an Johann von Ameln verkauft. Mehrere Eigentümer folgten: „Bis zum 18. Jahrhundert war der Schwan zentraler Ort der Geselligkeit und Kommunikation, im 19. und 20 Jahrhundert Hausbrauerei und Schlemmerlokal“, sagt der Wirt.

Oecher Penn neben Touristen

Ab 1960 entwickelte sich die Gastronomie zum Öcher Szenetreff, zur Studenten-Kultkneipe und nicht zuletzt auch zu einem Touristenmagneten. Hier sitzen Penn-Soldaten in jecker Montur regelmäßig neben japanischen Touristengruppen an der Theke. „Hier passte einfach alles zusammen“, sagt Erforth.

Durchaus beschwerlich sei dabei die historische Baustruktur des pittoresken Gebäudes, in dessen Instandhaltung der aktuelle Eigentümer – eine Aachener Familie – immer wieder hohe Summen investierte. „Wer eine Gastronomie über drei Etagen betreibt, muss lange und anstrengende Wege gehen. Ich habe mal ausgerechnet, dass ich in meinen fast zwei Jahrzehnten im Schwan die Treppen 21 666 mal rauf- und heruntergelaufen bin. Das entspricht 2,6 Millionen Stufen“, erklärt Erforth. Nicht selten mussten Kellner mit einem einzelnen Bier von der Theke bis zum äußersten Rand der Marktterrasse über 200 Meter zurücklegen. „Der Schwan hat einem alles abverlangt“, sagt Erforth.

Wie es weitergeht? Der beliebte Gastronom will sein Geschäft geordnet übergeben. Einfach alles laufen lassen – das ist nicht sein Ding. Erforth steht dazu. Dem Vernehmen nach hat die Bitburger Braugruppe als Pächterin bereits einen neuen Wirt aus der Aachener Nachbarschaft gefunden. Konkretes will man dazu in einigen Wochen veröffentlichen. Wobei es auch um die Frage geht, in welchem Gewand der „Goldene Schwan“ dann künftig Gäste empfängt – und ob vorher umfangreiche Umbauarbeiten anstehen.

Nur eines ist laut Matthias Erforth sicher: „Der Kapitän geht von Bord. Aber der Schwan existiert seit 600 Jahren, und er wird auch nach weiteren 600 Jahren nicht untergehen...“

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