„Goldene Momente“ in bewegten Szenen festgehalten

Von: Silvia Möller
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Sind stolz auf ihren Film: Karin Kobus ihr Mann Jan (hinten Mitte) haben einen Film mit der Seniorengruppe und den Betreuern von „Haus Drimborn“ gedreht. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Bis nächsten Dienstag!“, ruft Willem Jan Kobus den Bewohnern des Wohnheims Haus Drimborn von seinem Fahrrad aus zu. Damit nennt er gleich den Namen des Films, in dem er gerade zu sehen ist – ein Film über seine ehrenamtliche Arbeit mit der Tagesgruppe der Rentner in der Einrichtung.

Seit fünf Jahren fährt Jan Kobus jeden Dienstag zum Haus Drimborn. Hier leben 24 Menschen mit geistiger Behinderung – einige davon sind im Rentenalter. Da sie nicht mehr täglich zur Arbeit gehen, aber dennoch etwas unternehmen möchten, gibt es bei der Lebenshilfe eine Tagesgruppe für ältere Bewohner, in der verschiedene Projekte und Unternehmungen angeboten werden. Jan Kobus zum Beispiel geht regelmäßig mit der Gruppe einkaufen. „Dort ist es schön zu sehen, dass uns die Leute mit Verständnis begegnen, obwohl es oft an der Kasse sehr lange dauert“, freut sich Kobus.

„Zu Hause erzählt er immer ganz begeistert von dem, was ihm in der Gruppe passiert ist“, sagt Karin Kobus, seine Frau. Damit kam ihr der Gedanke, dass die Arbeit und das Leben in der Tagesgruppe an die Öffentlichkeit gebracht werden sollte. „Als ich dann von der Familiale gehört und ‚Amateurfilm‘ gelesen habe, da dachte ich: Das kann ich auch“, beschreibt sie die Entstehung der Filmidee.

Die Familiale ist ein Wettbewerb für zwölfminütige Filme, die sich mit dem Themenbereich „Familie und Inklusion“ beschäftigen. Da Jan Kobus die Tagesgruppe auch als „eine große Familie“ ansieht, passte alles zusammen und die beiden machten sechs Termine aus, an denen die Kamera zu den Ausflügen der Rentner mitgenommen wurde. „Ich kannte die Bewohner irgendwie schon, da Jan immer so lebhaft von ihnen erzählt“, sagt Karin Kobus lachend. Die Nähe und Vertrautheit der Rentner war für sie ein großes Glück. Dank der langen Zusammenarbeit ihres Mannes mit den Menschen war es möglich, den Alltag genauso zu zeigen, wie er ist.

„Wir konnten einige goldene Momente einfangen“, freut sich das Ehepaar Kobus, das aus mehreren Stunden Filmmaterial die aussagekräftigsten und schönsten Szenen zu einem Kurzfilm zusammenfügen musste. Das Ergebnis „wirkt authentisch und leicht“, findet Hilde Orfeld, zuständig für Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und Ehrenamt bei der Lebenshilfe Aachen. Sie ist glücklich über die Aufmerksamkeit, die das Wohnheim Haus Drimborn durch das Projekt bekommt. „Die Welt wird durch die Menschen mit Behinderung entschleunigt“, sagt sie und weiß, dass dieses Gefühl an den Zuschauer des Films übermittelt wird.

Bis Ende Mai konnten Kurzfilme bei der Jury eingereicht werden. 105 sind es geworden, von denen fünf nominiert und am 15. September einem großen Publikum gezeigt werden. Ob „Bis nächsten Dienstag“ dazugehört, das erfahren Jan und Karin Kobus Mitte Juli. Doch selbst wenn nicht, hat ihnen das Projekt auch so viel gegeben. „Man kann immer noch was Neues lernen“, findet Jan Kobus und seine Frau nickt zustimmend.

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