Götz‘ erster Schüler sorgt für heitere Momente

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
7211658.jpg
Mit Humor und Kultur zum 100. Geburtstag von Karl Otto Götz: Jörg Eberhard, Annette Schmidt, Heribert Leuchter und Dr. Adam Öllers im Suermondt-Ludwig-Museum. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Dass das Geburtstagskind an seinem Jubeltage hoch gelobt wird – selbstverständlich. Dass dabei auch noch Größen der internationalen Kunstszene wie Joseph Beuys oder Gerhard Richter durch den Kakao gezogen werden – das sorgte für Unterhaltung.

Besonders HA Schult holte bei der Feier zu Karl Otto Götz‘ hundertstem Geburtstag im Suermondt-Ludwig-Museum zum Rundumschlag aus – und hatte die Lacher dabei meistens auf seiner Seite.

Am 22. Februar 1914 – „noch kurz vor dem ersten Weltkrieg“, wie K. O. Götz in einem kleinen Film selbst erzählte – wurde der wichtigste Vertreter der „informellen Kunst“ in Aachen geboren. Heute lebt er mit seiner Frau Rissa im Westerwald und hat auch dort seinen Geburtstag gefeiert. Seine Heimatstadt wollte ihn aber dennoch, wenn auch ohne lokalpolitische Prominenz, hochleben lassen.

Der Kurator der derzeitigen Götz-Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum und Götz-Freund Adam C. Oellers hatte zwei seiner Schüler eingeladen, damit sie aus dem Nähkästchen plaudern. HA Schult, der nach eigenen Angaben erste Schüler, und Jörg Eberhard, einer der letzten an der Düsseldorfer Akademie.

Beide waren sich in Götz‘ Bedeutung einig. Schult: „Er hat die Schallmauer der Malerei durchbrochen. Er ist der Hemingway am Rakel.“ Und auch in seiner Bedeutung für die eigene Entwicklung: „Er hat jedem seinen eigenen Stil gelassen. Wir sollten unsere Individualität entwickeln“, meinte Eberhard Und Schult ergänzte: „Er hat extreme Auseinanderdriftungen ertragen. Beuys‘ Schüler waren alles kleine Beuys. So ist Götz nicht.“

Wie politisch ihr künstlerischer Ziehvater war und ist, darüber waren sich die beiden Götz-Schüler allerdings uneinig: „Das Politische ist in seinen Bildern eher symbolisch, verschlüsselt“, erklärte Eberhard. Schult: „Er war der einzige, der verstanden hat, dass Freiraum in der 1940er und -50er Jahren auf einmal möglich war. Durch ihn sind wir frei geworden.“

Der Künstler und das Rührei

Wie K. O. Götz tickt, davon konnten sich die Geburtstagsgäste in dem schmalen räumlichen Überbleibsel der Ausstellung, der zum Feiersaal erklärt wurde, allerdings auch durch einige seiner Gedichte überzeugen. Von Annette Schmidt sprachlich und Heribert Leuchter musikalisch mit dem Saxofon brillant interpretiert, folgten sie Götz‘ Gedanken zur Bombennacht von Dresden, seinem satirischen Blick auf den Kunstbetrieb und den Beschreibungen einiger Künstlerkollegen.

Was „informelle Kunst“ übrigens ist, erklärte das Geburtstagskind ebenfalls mit einem Augenzwinkern: „Ein Spiegelei hat eine klassische Kompositionsform. Rührei ist informell.“ Am Ende gab‘s Sekt und „informelle“ Torte. Ohne Rührei.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert