Aachen - Glühweintest entlarvt die Kalorienbombe

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Glühweintest entlarvt die Kalorienbombe

Von: Robert Esser
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glühwein hicks
Ein Glühwein mit Kollegen, eine Betriebsfeier, ein Weihnachtsmarkt: Schön und gut, viel Spaß dabei, sagt die Polizei, aber: Wer Alkohol trinkt, sollte den Wagen stehen lassen. Das wird nun vermehrt kontrolliert. Foto: dadp

Aachen. Mehr Aufmerksamkeit als dem Weihnachtsmann schenkt man Professor Andreas Pfennig auf dem Aachener Weihnachtsmarkt.

Im weißen Kittel und mit allerlei Analysetechnik im Laborkoffer trinken und testen sich der RWTH-Experte für Thermische Verfahrenstechnik und sein Mitarbeiter Philipp Frenzel von Stand zu Stand.

Nicht nur bei der Geschmacksprobe, sondern auch bei der anschließenden Laboruntersuchung offenbaren sich dabei deutliche Unterschiede. „Der sensorische Eindruck reicht von alt und muffig bis köstlich, würzig und aromatisch”, fasst Pfennig die Bandbreite zusammen. Besonders angetan ist der Professor vom Glühwein am Ratskeller.

Der weise eine „sehr persönliche Note aus und ist hervorragend abgestimmt. Kein Gewürz sticht hervor, und man schmeckt noch etwas vom Alkohol”, sagt der Wissenschaftler. Der Alkoholgehalt, der bei Glühwein gesetzlich geregelt mindestens 7 Prozent betragen muss, variiert nämlich beim Öcher Budenzauber deutlich.

Den niedrigsten Wert (9 Prozent) misst das RWTH-Team am Glühweintreff von Marcel Schmitz an der Domseite des Katschhofs. Die Temperatur im Thermobecher aus Plastik - der den Glühwein übrigens länger warm hält als die Keramikbecher und -stiefel - liegt beim Ausschank bei gut 69 Grad Celsius. „Damit schmeckt unser Tropfen vom deutschen Weingut Keth so, als würden Engel die Zunge küssen”, schwärmt Schmitz.

Spitzenreiter in Sachen Alkohol und Zucker ist Alwin Fiebus´ Pompös. 12 Prozent Alkoholgehalt und rund 273 Kalorien gehen mit jeder Tasse über die Theke. Die kostet übrigens - ohne Pfand - überall 2,50 Euro. „Eine typische Pizza hat etwa 800 kcal, das entspricht also - je nach Glühweinstand - drei bis vier Tassen”, rechnet Frenzel vor. Den niedrigsten Brennwert - also quasi einen „Diätglühwein” - gibt´s im Hexenhof (173,02 kcal). Dort ist auch der Zuckergehalt mit 78 Gramm pro Liter am niedrigsten - das Pompös rührt mehr als doppelt so viel Zucker ein.

Der süße Zusatzstoff ändert übrigens genauso wie die Gewürze den Geschmack, wenn der Glühwein zu heiß oder zu lange im Kessel brodelt. Heiß genug waren alle Glühweine beim Ausschank, aber mit 81 Grad Celsius schießt Lambertz übers Ziel hinaus. Schon ab 78 Grad verdampft Alkohol - und das Gebräu wird langsam dumpf und muffig. Im Idealfall wird der Glühwein nicht im Kessel erhitzt, sondern über eine Pipeline mit Durchlauferhitzer zur Ausschanktheke gepumpt. So handhabt es Spitzenkoch Maurice de Boer mit seiner veredelten Perpignon-Traube am Ratskeller seit Jahren.

Ärgerlich ist natürlich auch, wenn zu wenig Glühwein im 0,2-Liter-Becher landet. Stichproben im Hexenhof und bei Lambertz ergaben leider, dass man es dort mit der korrekten Füllmenge nicht immer so genau nimmt. An den fünf anderen Ständen wurde sogar mehr eingegossen, als der Eichstrich vorsieht.

Übrigens: Der Selbstversuch auf dem Aachener Weihnachtsmarkt offenbart, dass man auch als Laie erhebliche Unterschiede zwischen individuell kreierten Glühweinen und industrieller Massenware herausschmeckt. Dazu bleibt am heutigen Freitagabend zudem noch etwas mehr Zeit. Geschäftsführer Manfred Piana vom Märkte und Aktionskreis City (MAC) weist auf die Aktion „Sternennacht” hin.

Die Geschäftswelt in der Innenstadt ist bis 22 Uhr und der Budenzauber bis 22.30 Uhr geöffnet. „Dazu präsentieren wir mehrere Chöre, die Weihnachtslieder singen”, erklärt er. Gemeinsam wird ab 21.50 Uhr „O Du Fröhliche” intoniert. Apropos: Professor Pfennig empfiehlt noch einen weiteren Besuch. Nämlich auf seiner Internetseite http://www.avt.rwth-aachen.de. Dort lüftet er in der sogenannten Branntwein-AG weitere Geheimnisse rund um seligmachende Alkoholika.
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