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Glossiert: Wartehäuschen am Hauptbahnhof wird fertiggemacht

Achtung, Achtung! Bitte zurücktreten, der Zug kommt. Gemeint ist der Luftzug. Der fährt einem vor dem Hauptbahnhof in Mark und Bein. Weil es dank meisterhafter deutscher Ingenieurleistung nach mehr als einjähriger Umbauphase tatsächlich gelungen ist, einen „architektonisch wertvollen Fahrgastunterstand in exponierter Lage“ zu erstellen – der genauso aussieht wie vorher.

Toll. Chapeau! Da kann man schon mal 14 Monate ins Land gehen lassen, bis einem solch ein toller Wurf gelingt. Wir sind beeindruckt, begeistert, beglückt. Sogar die sensationellen Eigenschaften des alten Bushaltehäuschens mit Trapezvordach konnten mit Hilfe komplexer baulicher Lösungen sichergestellt werden:

1) Ja, man wird immer noch nass, wenn‘s regnet. Was daran liegt, dass nach wie vor keine Seitenwände an den Vorbau montiert wurden. Deswegen peitscht der Wind den Wartenden die Nässe ins Gesicht. Das hat Tradition. Danke dafür.

2) Tolle Rundumsicht: Durch das Weglassen der Seitenwände unter dem Vordach und den Einbau von Glasscheiben (Wahnsinn, durchsichtiges Glas!) im hinteren Wartebereich kann jeder klatschnass Wartende sehen, wie Leute außerhalb des neuen Wartehäuschens genauso nass werden. Das schafft ein tolles Zusammengehörigkeitsgefühl. Schön. Herrlich auch der 360-Grad-Blick auf die trostlos triste Betonwüste vor dem Hauptbahnhof. Kein Hindernis stört hier das gelangweilte Auge. Applaus für den Architekten!

3) Wiedererkennungswert: Damit diese begnadete Denkmalschutz-Bushaltestelle auch als solche erkannt wird, hat man im hinteren Bereich des Glas-Stahl-Baus einfach ein Wartehäuschen hingepflanzt, das man genauso schon 430 Mal (allerdings vor einem Jahr) gebaut hat. Bloß keine Experimente, lieber vertraute Plagiate schaffen. Und jetzt kommt‘s: Sogar ein Fahrplan hängt drin. Exakt wie 2006. Einfach klasse!

4) Baustellenflair: Damit auch der Aachener sich direkt im neuen Wartehäuschen heimisch fühlt, hat man‘s auch nach über einem Jahr noch nicht richtig fertig gebaut. Aus reiner Rücksicht natürlich. Rot-weiße Absperrgitter vermitteln kaiserstädtisches Ambiente. Kopfsteinpflaster und Beton fehlen rund um die Fundamentpfosten. Soll aber noch kommen. Denn, Achtung: Dr Zoch kütt. Am Rosenmontag...

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