Aachen - Glossiert: Skandal!

Glossiert: Skandal!

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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„Scheißidee“: Hirschgrün testet mitten im Beet in der Innenstadt Trockentrenntoiletten – aber wohl nicht mehr lange. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Achtung, Klolektüre: Dass der Verein Hirschgrün jetzt eine ganz und gar nicht waschechte, weil Trockentrenntoilette zwischen wilden Beeten und neben einem Kinderspielplatz an die Richardstraße im Suermondtviertel gepflanzt hat, riecht nach Ärger. Nicht nur, weil einigen Anwohnern das stille Örtchen unter freiem Himmel mit brühwarmen Fäkalien stinkt. Auch der Stadt stößt die Sache übel auf.

Die Fachbereiche Umwelt und das Immobilienmanagement wurden bereits eingeschaltet. Erst war man einigermaßen verblüfft, dass überhaupt jemand auf die Idee kommen konnte, einen öffentlichen Testlauf in Sachen Trennung von festen und flüssigen Ausscheidungen bis hin zur Verklappung des Kotdüngers in den Obst- und Gemüsebeeten direkt daneben durchzuführen. Und all das mitten in der Stadt.

Jetzt drängt man darauf, dass das buchstäbliche Scheißexperiment schnellstmöglich beendet wird. Denn hier testet der tatsächlich enorm engagierte Verein „Ingenieure ohne Grenzen“ Klos für Makali. Das liegt in Sierra Leone in Westafrika. Und weil‘s da etwas wärmer ist als an der Richardstraße, „läuft“ das da mit dem Trocknungsprozess auch geschmeidiger. Vor allem kürzer.

Ein halbes Jahr hatten Hirschgrün und Ingenieure mindestens für das – laut Anwohnern – kackdreiste Pilotprojekt in Aachen kalkuliert, damit die Exkremente durch Trocknung vollständig entkeimt sind. Daraus wird wohl nichts. Die Stadt will dem Trockentrennklo endgültig einen Riegel vorschieben. Ein herkömmliches Chemieklo nur für die fleißigen Gartenhelfer wäre indes auf dem Hirschgrün-Areal erlaubt. Aber das schmeckt den Umweltfreunden natürlich nicht.

Dabei war das Scheitern eigentlich abzusehen. Denn auch Aachens größtes öffentliches Klo – das Parkhaus Büchel – steht vor dem Aus. Längst. Es soll bekanntlich abgerissen werden. Tausende, nein noch viel mehr ungezählte Menschen haben ihren Magendarm- und Harntrakt an dem Gemäuer in unmittelbarer Nähe zur Antoniusstraße entleert. Die Folgen sind offensichtlich. Die Bausubstanz bröckelt. So marode, dass bereits reihenweise Parkplätze gesperrt werden mussten. Schuld an der bröckelnden Tragkraft des Stahl-Beton-Kolosses haben, genau, die Pinkler. Allerdings haben die jetzt wegen der freigesperrten Parkbuchten noch mehr Platz, um ihr Geschäft zu verrichten. Der Andrang in Sachen Harndrang wächst. Ein Teufelskreis.

Ein Gerücht ist indes, dass das städtische Grünflächenamt regelmäßig Aachens Hundeklos in den Parkanlagen nach Kütteln abgrast, um diese dann – nach entsprechender Trockentrennlagerung – im Handumdrehen als Dünger auf die umliegenden Parkwiesen aufzutragen. Die Stadt dementiert das nachdrücklich. Und auch die Vermutung, dass so manczther Dünnpfiff aus berufenem Politiker-Munde nach sechsmonatiger Lagerung komprimiert zu etwas Nützlichem zu gebrauchen ist, ist falsch. Leider.

Klar, dass sich die Grünen an der Richardstraße einschalten. Die sind auf der Palme. Wurden da bei Hirschgrün – analog zur Umweltkatastrophe durch einen bösen, bösen Glühweinstand auf dem Matsch beziehungsweise sogenannten „Rasen“ am Elisengarten – etwa zwei Grashalme durch die neu gepflane Trockentrenntoilette abgeknickt? Skandal!

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