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Glossiert: Hurra! Endlich Schmuddelwetter.

Ein Kommentar von Robert Esser

Danke, endlich wieder Schmuddelwetter! Kalt, nass – klasse. Viele freut‘s wirklich. Warum? Weil mit dem Ende des Sommers so viele unangenehme Problemchen quasi automatisch gelöst sind. Glauben Sie nicht? Bitteschön:

Mit Fug und Recht darf die Stadt nun beispielsweise widerspruchslos behaupten, dass sich die Fertigstellung der ein oder anderen Straßenbaustelle „wetterbedingt“ verzögert. Wofür dann ja keiner was kann. Denn: Wenn‘s kühl und feucht ist, darf nicht asphaltiert werden. Sagt die Stadt. Rätselhaft, wie die sowas in Island hinkriegen...

Eine prima Ausrede haben im Nieselregen auch Eltern, die ihrem vor maßloser Enttäuschung heulenden Kind erklären müssen, warum der Sprössling die Edelstahlrutsche an der Burg Frankenberg keinesfalls benutzen darf. Ist halt einfach zu risikoreich, so lange es gießt. Erkältungsgefahr. Da muss man gar nicht lange lamentieren. Und die Frage, warum die zehntausende Euro teure Metallrinne seit fast einem Jahr denn tatsächlich von Amts wegen mit Absperrgittern verrammelt ist, nachdem ein TÜV-Prüfer die Behebung von zig Mängeln verlangt hatte, stellt sich erst gar nicht mehr. Genauso die Frage, warum sich da in Sachen Mängelbeseitigung seit neun Monaten nichts gerührt hat. Überflüssig! Versteht sowieso kein Kind. Der Sommer ist doch vorbei. Nochmal Glück gehabt. Da darf der Amtsschimmel entspannt durchschnauben – zumal die Reparatur ja bis Oktober erledigt sein soll. Ehrlich.

Apropos Entspannung: Die haben zehntausende Aachener an heißen Tagen im Freibad Hangeweiher gesucht – mussten vorher jedoch stundenlang Schlange vor dem Eintrittskartenautomaten stehen. Als gäb‘s in Aachen nicht schon genug Staus. Prima, dass die Stadt da neuerdings auf Solidarität setzt – und nicht nur Autofahrer, sondern auch Fußgänger in Reih‘ und Glied zwingt. So hat man dankenswerterweise Kassensysteme so lange optimiert, automatisiert und verkompliziert, bis ein simpler Bezahlvorgang zehn Mal so lange dauert wie früher. Hauptsache, Personal wird gespart. Auf wessen Kosten auch immer. Erinnern Sie sich? Saß da nicht mal in grauer Vorzeit ein freundliches Fräulein an der Freibadkasse und kassierte die Pfennige für den Eintritt bar? Ruckzuck und problemlos? Aber das wäre ja viel zu einfach.

Macht nichts. Die Erlösung ist ja in Sicht: Dank sei dem Mistwetter! Nie mehr schwitzend an hirnlosen Automaten Schlange stehen. Zumindest nicht bis Mai. Vielleicht nutzt ja ein Heißsporn in der Stadtverwaltung den Temperatursturz und erwärmt sich in den kommenden Monaten weiter für den Hangeweiher-Computerkassenkomplex. Zwecks Beschleunigung desselben. Zu befürchten ist allerdings, dass da demnächst noch jemand jeden vor dem Planschbecken mit der Frage nervt, ob er Paybackpunkte sammelt.

Abgerechnet wird auch anderswo mit dem Sommer. Etwa im Westpark. Der Stress ist in Rauch aufgegangen. Vorbei die Zeiten, in denen sich Grillfreunde neben überfüllten Grillwiesen nur niederlassen sollten, wenn sie einen Fünfzig-Euro-Schein für die fällige Ordnungsstrafe in der Tasche haben. Da kann der Grill noch so mickrig, das Fleisch noch so billig und der Student noch so pleite sein – in der Hitze des Grillgefechts ist das egal. Es wird teuer. Wurde teuer. Ab sofort führt der meteorologische Abwärtstrend zur Aufhellung der Stimmung bei lärmgeplagten Parkanwohnern und notorisch klammen Freiluftpartygängern. Weil‘s draußen klamm ist. Auf klatschnasser Wiese will keiner grillen. Was Ordnungspersonal spart. Das wiederum beglückt die Kämmerin. Die musste übrigens vergangenen Sommer aus ihrem Büro am Katschhof direkt auf ein wahnwitziges Pilotprojekt schauen. Die Arme.

Nach monatelangen Beratungen und enorm schwierigen Abwägungen hatte die Stadt dort – Achtung, Sinneswandel direkt vor dem Centre Charlemagne – eine acht Quadratmeter große Außengastronomiefläche genehmigt. Wie bitte? Auf dem Katschhof? Zwei mal vier Meter. Zwischen Dom und Rathaus. Drei Tische unter freiem Himmel! Klar, dass so eine ausufernde Open-Air-Sause ein waschechter Skandal unter sengender Sonne ist. Und den ganzen Platz versaut. Dem Herrgott sei Dank, ist‘s mit dieser außengastronomischen Orgie erstmal vorbei. Weil – Sie ahnen es – Sommer, Sonne, Sonnenschein pausieren. Obwohl: Ein paar heiße Herbsttage würden wir schon noch akzeptieren. Also, falls das für Petrus kein Problem sein sollte. Man will ja nicht undankbar sein. 

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