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Glossiert: Bis der nächste Esel auf Draht sein will, werden erstmal Radfahrer abgebügelt

Ein Kommentar von Robert Esser

Ganz schön auf Draht, äh, Esel! Radfahrer dürfen ab sofort wieder ihre Räder an der Pontstraße vor der Malteser-Apotheke abstellen. Ist das nicht toll?

Erst vor zwei Monaten hatte man Apothekerin Ulrike König-Dahlhoff gedroht, sie müsse mit einer Anzeige rechnen, wenn sie nicht sofort eine Sondernutzungsgebühr auf dem Bürgersteig für ihren privat finanzierten Radständer an die Stadtkasse bleche. 70 Euro. Böse.

Woraufhin die zu Recht erzürnte Aachenerin ihren Radständer kurzerhand demontierte und im Keller verstaute. Ganz legal. Jetzt hat die Stadt reagiert. Wahnsinn! Die öffentliche Hand ließ neue Bügel ins Pflaster schrauben. Mindestens mehrere hundert Euro waren fällig. Womit nun dreierlei erreicht ist.

Erstens: Der Stadt ist es erneut gelungen, engagierte Bürger zu drangsalieren und zu verschrecken.

Zweitens: Die städtisch verlangten Sondernutzungsgebühren werden nicht bezahlt – also keine Zusatzeinnahmen.

Drittens: Der Steuerzahler musste zusätzlich für neue Radbügel aufkommen – obwohl da vorher schon ein famoser Fahrradständer stand.

Man mag es kaum fassen. Irgendwer dreht immer am Rad. So richtig Fahrt aufnehmen würde das fantastische „Ich-verbiete-Dir-was-und-bau-es-dann-selber-wieder-teuer-hin“-System der Stadt, wenn die nächsten gleich gelagerten Projekte anstehen.

Zum Beispiel beim Weihnachtsschmuck. Der wird in der Regel von Einzelhändlern in der Innenstadt finanziert. Im öffentlichen Raum! Skandal! Wir finden: Sofort verbieten und mit Anzeige drohen! Irgendeine wahnwitzige Begründung in uralten Satzungen städtischerseits wird sich schon finden.

Auf jeden Fall müssen Gebühren eingefordert werden. Inkasso! Vom Handel, vom Nikolaus – und nötigenfalls auch vom Weihnachtsmann. Der Kerl im roten Plüschmantel und mit Rauschebart müsste ohnehin mal dringend unter die Lupe genommen werden. Der ist verdächtig. Von wegen Vermummungsverbot. Und wegen der fehlenden grünen Plakette am Rentierschlitten.

Die Umweltspezialisten der Verwaltung haben nämlich herausgefunden, dass seine Vierbeiner ähnlich viele Tonnen Methan in die Öcher Luft pupsen wie ein tierisch manipulierter VW-Diesel CO2. Zumindest wenn die Rentiere auf Touren kommen. Und buchstäblich Gas geben. Zum Glück besteht da aber kaum Gefahr. Weil man auf Aachens Straßen mangels intelligenter Verkehrslenkung ja mehr steht als fährt. Clever.

Womit wir wieder beim Fahrrad wären. Stehen kann man damit ja jetzt auch wieder. Sogar vor der Apotheke in der Pontstraße. Schrei‘ vor Glück! Bis der Arzt kommt. Oder der nächste Esel auf Draht sein will...

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