Glitzerpalast oder weiter „Drehort für Nachkriegsfilme”?

Von: Oliver Schmetz
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Schneise in die Stadt geschlagen: Seit dem Abriss des Gloria-Kinos vor zweieinhalb Jahren klafft am Kaiserplatz eine hässliche Lücke. Von der glitzernden Galerie künden nach wie vor nur bunte Plakate. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wie geht es weiter mit der Kaiserplatzgalerie? Starten die Bauarbeiten für den glitzernden Konsumpalast tatsächlich bald, oder bleibt die riesige Brache im Schatten von St. Adalbert auf absehbare Zeit idealer „Drehort für schöne Filme über die deutsche Nachkriegszeit”, wie Andreas Müller, Ratsherr der Linken, jetzt im städtischen Planungsausschuss befürchtete?

Tatsache ist: Am 12. März läuft für den Vater des 228 Millionen Euro schweren Projekts, den Aachener Architekten und Investor Professor Hans Kahlen, eine wichtige Frist ab. Bis dann muss der Bauantrag bei der Stadt eingegangen sein. So war es vor Jahresfrist vertraglich fixiert worden, nachdem der Stadtrat endgültig grünes Licht für das ebenso spektakuläre wie umstrittene Bauvorhaben gegeben hatte.

Doch wäre es nicht die erste Frist, die in Sachen Kaiserplatzgalerie verstreichen würde - weswegen sich mancher Politiker schon einmal gedanklich damit beschäftigt, was denn passiert, wenn nichts passiert. Und nicht nur Müller treibt die Sorge um, „dass uns dort für die nächste Zeit ein großes Problem drohen könnte”.

Auch Michael Rau (Grüne) sieht die seit Jahren maroden Zustände zwischen Adalbertstraße, Beeckstraße und Adalbertsberg „nicht als Ruhmesblatt” für Politik und Stadt. Schließlich ist es mehr als zweieinhalb Jahre her, dass das Gloria-Kino abgerissen und damit „eine Schneise in die Stadt geschlagen wurde”, so Rau. Nun müsse endlich etwas passieren: „Das muss in die Gänge kommen oder endgültig begraben werden.”

Im Planungsausschuss wurde aber noch nichts begraben - auch wenn die UWG dies beantragt hatte. Deren Ratsherr Horst Schnitzler wollte den Bebauungsplan aufheben lassen, weil der diesbezügliche Ratsbeschluss auf falschen Annahmen gefasst worden sei.

Der Hintergrund: Der Politik sei damals eine Tochter der Bayerischen Landesbank als Investorin genannt worden, obwohl diese gar nicht als Geldgeberin zur Verfügung gestanden hätte. Doch welche Motivationen oder Informationen dem Ratsbeschluss zugrunde lagen, ist laut städtischem Rechtsamt unbedeutend. Nur wenn er „elementare Fehler” enthalte, könne der Bebauungsplan gekippt werden.

Das von der Politik schon an die Wand gemalte Szenario, dass man angesichts der ablaufenden Frist für den Bauantrag wohl schon bald über eine Verlängerung beraten werde, ließ Baudezernentin Gisela Nacken im Ausschuss unkommentiert. Gegenüber der AZ erklärte sie, dass man Kahlen die Frist noch einmal schriftlich mitgeteilt habe: „Wir machen Druck, wir erzählen nichts von Fristverlängerungen.”

Kahlens Projektmanager Herbert Dierke spricht sogar von „Hochdruck” und meint die Arbeiten für den Bauantrag. „Das werden wir auf jeden Fall bis zum 12. März schaffen”, versichert er. Jedenfalls stehe dem „zum jetzigen Zeitpunkt” nichts entgegen.
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