Aachen - Glitzernde „Altlasten” im Kugelbrunnen

Glitzernde „Altlasten” im Kugelbrunnen

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
ausgekugeltbild
Wasser- statt Brennelemente: Rund 8000 Kugeln, die Anfang der Siebziger für einen Versuch in der Kernforschungsanalge Jülich verwendet wurden, hat Albert Sous im Kugelbrunnen verewigt - ohne kritische Halbwertszeiten, versteht sich. Auch die Graphitkugeln, die er in der Hand hält, waren nie radioaktiver Strahlung ausgesetzt, betont der Künstler. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Soviel vorweg: Wenn der Kugelbrunnen am Willy-Brandt-Platz dieser Tage denn doch einmal in der Frühlingssonne strahlt, besteht durchaus kein Grund zur Sorge, im Gegenteil.

Trotzdem stand beim Schöpfer des 1977 vollendeten Werks dieser Tage das Telefon kaum still - verständlich, nachdem bekannt wurde, dass in den vergangenen Tagen händeringend nach 2285 radioktiven Brennelementekugeln aus Jülich gefahndet werden musste...

Ja, bestätigt nämlich der Würselener Künstler Albert Sous: Auch die rund 8000 Porzellankugeln, welche er seinerzeit im Fundament der riesigen Edelstahlkonstruktion in der Adalbertstraße verbaut hat, stammen aus der Kernforschungsanlage (KFA) Jülich.

Und nein: „Mit Sicherheit sind diese Objekte nie als ,reale Brennelemente vorgesehen gewesen. Es handelt sich tatsächlich um Attrappen.” Und das gelte, wohl gemerkt, genauso für eine Vielzahl von Graphitkugeln, die Sous ebenfalls dereinst auf einem Feld in Jülich ausgebuddelt hat...

Doch lassen wir den Meister die quasi kugelrunde Geschichte aus gegebenem Anlass der Reihe nach schildern. Anfang der Siebziger Jahre, erzählt Sous, wurden in der KFA nicht weniger als 200.000 der besagten Objekte im Durchmesser von etwa sechs Zentimetern kurzerhand dem „Endlager” überantwortet - allerdings ohne jegliche kritische Masse und, wie sich flott herausstellen sollte, nur kurzzeitig.

„Da mich schon damals industrielle Produkte als Bestandteile meiner Skulpturen besonders interessiert haben, hatte ich gute Kontakte zur Kernforschungsanalage. Dort hatte man ein Modell im 1:1-Maßstab für den geplanten Reaktor in Hamm-Uentrop entwickelt. Als das Projekt abgeschlossen war, erhielt ich das Angebot, die nicht mehr benötigten Kugeln zu übernehmen.”

Denn die Objekte seiner Begierde - egal ob aus Porzellan oder Graphit - enthielten zu keinem Zeitpunkt radioktives Material, waren nie gefährlicher Strahlung ausgesetzt.

Sous rückte also prompt mit einer kleinen Schar von Transportfahrzeugen und Helfern an, um die eher unproblematischen Altlasten, die in der Nähe der Anlage in einer Grube deponiert waren, ins heimische Würselen beziehungsweise in ein Lager in Brand zu karren.

Der „echte” Reaktor in Westfalen blieb übrigens gerade einmal vier Jahre, bis 1989, in Betrieb. Im Gegensatz zu Sous´ überdimensionaler beweglicher Aachener „Tulpenzwiebel”, die wohl nur in der Anfangsphase ihres Daseins - und vor allem aus ästhetischen Gründen - zum politischen Zankapfel geriet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert