Gleiche Chancen für Frauen und Männer sind ihr Metier

Von: Katrin Fuhrmann
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Paragrafen und Schriftsätze sind das eine, die Realität das andere: Roswitha Damen (links) und Loni Finken sind täglich im Einsatz, um die Gleichstellung der Geschlechter in die Praxis umzusetzen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Frauen haben beruflich wenig Aufstiegsmöglichkeiten, weil sie nur Teilzeitstellen besetzten können – die Erziehung und Betreuung ihrer Kinder nimmt ohnehin sehr viel Zeit in Anspruch. Mut, auch mal eine Führungsposition anzunehmen, haben sie nicht. Guter Verdienst? Ebenfalls Fehlanzeige.

Männer hingegen bringen das Geld nach Hause. Sie verdienen gut, weil sie einen Führungsposten besetzen. Zeit für ihre Sprösslinge bleibt da jedoch kaum.

Was sich nach Vorurteilen und Stereotypen aus längst vergangener Zeit anhört, ist manchmal bittere Realität, wie Roswitha Damen, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aachen weiß. Aber. „In den vergangen 25 Jahren hat sich viel getan. Wir haben mit dem Landesgleichstellungsgesetzt von 1999 das nötige Gesetz, und wir arbeiten stetig daran, die gleichen Chancen für Frauen und Männer zu schaffen.“ Doch das ist leichter gesagt als getan. In den Köpfen vieler Menschen sei das Bewusstsein dieser Stereotypen nach wie vor verankert.

Roswitha Damen weiß, wovon sie spricht. Sie arbeitet seit 23 Jahren bei der Stadt Aachen. Zunächst als Frauen- , seit 1999 als Gleichstellungsbeauftragte. Die gebürtige Duisburgerin ist mit ihrer Kollegin Loni Finken für die 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und deren Gleichstellung zuständig. Damit aber nicht genug. Auch die Gleichstellung der rund 240.000 Aachener fällt in das Aufgabenfeld der zwei Expertinnen. Vor allem die Karriereförderung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschäftigen Finken und Damen täglich. „Wenn Frauen in Mutterurlaub gehen, ist das selbstverständlich. Wenn Männer das tun, werden sie manchmal belächelt“, erzählt Damen. Dass Männer häufig aber auch die Chance nutzen möchten, ihre Kinder zu erziehen, werde dabei nicht bedacht.

Gleichzeitig werden Frauen in vielen Berufen noch immer benachteiligt. Es gebe viele Ärztinnen und Architektinnen. Doch auch in diesen Bereichen seien die Führungspositionen von Männern besetzt. „Viele Unternehmen haben seit Generationen männliches Führungspersonal. Manchmal haben sie einfach nicht den Mut, diese Stellen mit einer Frau zu besetzen“, sagt Damen. Viele Firmen seien außerdem auch immer noch der Auffassung, dass Frauen während der Schwangerschaft häufig ausfallen und nach dem Mutterurlaub nur Teilzeit arbeiten könnten. Doch die Realität ist längst eine andere. Ehepaare wollen sich die Erziehung ihrer Sprösslinge teilen. Und für viele Frauen ist es schon lange kein Problem mehr, Beruf und Familie zu vereinbaren.

„Wir sind auf einem guten Weg. Der demografische Wandel wird die Gleichberechtigung noch weiter vorantreiben. Wenn man bedenkt, dass es bis 1975 noch ein Gesetz gab, dass Frauen nicht erlaubte, ohne die Zustimmung ihrer Männer arbeiten zu gehen, dann haben wir mit unserer Arbeit schon viel erreichen können“, sagt Finken.

Das Gleichstellungsbüro der Stadt Aachen organisiert regelmäßig Infobörsen, Ausstellungen und andere Veranstaltungen, um die Aachener für die Gleichberechtigung zu sensibilisieren. Damit konnten sie in den vergangen Jahren viel bewegen. „Ein Mädchen kam kürzlich zu uns und teilte uns mit, dass sie sich für eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin entschieden habe. Ein gutes Beispiel dafür, dass Frauen auch klassische Männerberufe ausüben können. „In vielen Berufen werden Maschinen zur Erleichterung der Arbeit eingesetzt. Die Ausrede ‚Frauen können nicht schwer heben‘ greife deshalb nicht mehr “, sagt Damen. Ohnehin versteht die 62-Jährige dieses Argument nicht. Denn in Pflegeberufen seien immer mehr Frauen anzutreffen, und gerade dort müsse man richtig anpacken.

Andere Frauen kämen indes zu ihr und berichteten, dass sie sich für eine Führungsposition beworben hätten. Gleichzeitig teilen ihr Männer mit, dass sie seit kurzem mehr Zeit für ihre Kinder hätten, weil sie auf der Arbeit kürzer treten. Immer mehr Aachener Unternehmen entscheiden sich dafür, Führungsposten auch mal einer Frau zuzutrauen – Beispiele, die zeigen, dass Gleichberechtigung möglich ist.

Damen und Finken sind sich sicher, dass sich die Gleichstellung in der Stadt Aachen weiter zum Positiven entwickeln wird. „Wir haben vor ein paar Jahren für frisch gebackene Väter einen zweiwöchigen bezahlten Sonderurlaub eingeführt. Wir sind zwar auf einem langen, aber auf dem richtigen Weg.“

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