Glassplitter ins Gesicht gestoßen

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Alles endete am frühen Morgen des 6. Juli vergangenen Jahres mit einer kapitalen Massenschlägerei vor einer Diskothek in der Aachener Innenstadt. Ein schwer im Gesicht verletztes Opfer musste sogar aus dem Rettungswagen fliehen. Der junge Mann fürchtete um sein Leben, weil er mit einem Messer bedroht und gejagt wurde.

Nach gut einem halben Jahr entschied eine Jugendstrafkammer am Aachener Landgericht über den Auslöser der heftigen nächtlichen Auseinandersetzungen am Theaterplatz. Denn die eigentliche Tat hatte kurz vorher im Inneren des dortigen Tanzlokals begonnen, wie der Vorsitzende Richter Hans Wimmer in der Urteilsbegründung feststellte. Hier begann kurz gegen Ende der Tanznacht unter stark alkoholisierten Gästen eine Auseinandersetzung.

Der Angeklagte Haci I. (28) habe sich bei einem Streit zwischen dem Opfer und einer Person aus seiner Gruppe eingemischt, hatte er dem Gericht berichtet. Richtig schuldig sei er nicht, sagte er anfangs. Das sah das Gericht nun anders, und zwar völlig. Er habe nach Zeugenaussagen mit einer Flasche Maisbier zugeschlagen und dann das kaputte, gezackte Glas in das Gesicht eines Opfers gestoßen, sagte der Richter in der Urteilsbegründung.

Das Opfer lag zunächst auf dem Boden, lief dann blutüberströmt ins Freie, um in den bereits gerufenen Rettungswagen zu steigen. Haci I. wurde für die Tat im Inneren der Diskothek am Dienstag mit drei Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung bestraft. Wegen seines hohen Alkoholisierungsgrades sei er nur vermindert Herr über seine Sinne gewesen, stellte das Gericht fest. Deswegen wurde das Strafmaß herabgesetzt und eine Entzugstherapie angeordnet.

Opfer verfolgt

Aus der Tätergruppe heraus war das Opfer allerdings verfolgt worden. Der zweite Angeklagte, Özgür Y. (26), war nach den Erkenntnissen der Kammer mit einem Messer hinterhergelaufen und hat das Opfer vor dem Rettungswagen massiv bedroht. „Die Feststellungen, dass es sich bei einer Wunde am Hals des Opfers um die Folge einer Messerattacke des Angeklagten gehandelt habe, dem konnte das Gericht nicht folgen“, so Richter Wimmer. Damit hat Y. viel Glück gehabt, denn ursprünglich lautete die Anklage auf versuchten Totschlag.

Doch Zeugen und weitere rechtsmedizinische Untersuchungen hätten ergeben, dass diese Wunde nicht von einem Messerschnitt, sondern wahrscheinlich eher von einem Glaskörper herrührte, begründete das Gericht die Revision der von der Staatsanwaltschaft ursprünglich vorgebrachten Anklage. So wurde Özgür Y. wegen Nötigung zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Das Verfahren gegen einen weiteren, dritten Angeklagten im Alter von erst 19 Jahren war bereits vorher abgetrennt worden. Er wurde freigesprochen.

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