Glasscherben werden zu Friedensboten

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Ausstellungseröffnung in der Stadtbibliothek an der Couvenstraße: Dr. Hermann-Victor Johnen und Direktor Manfred Sawallisch (rechts) betrachten die Exponate. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Scherben bringen Glück. In diesem speziellen Fall sind die Scherben selber das Glück. Und als Glücksbote fungierte Frederick McDonald. Er war US-Kaplan der 12. US-Heeresgruppe und kam im Rahmen seines Auftrages in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges über England aufs europäische Festland, lernte europaweit zerstörte Städte kennen und damit auch ihre Kirchen.

Bauwerke mit oftmals großer Historie. Er notierte sich Gedanken, die ihn beim Anblick von Gebäuden und Menschen befielen und sammelte die Glasscherben der zerstörten Gotteshäuser. Mit der Feldpost schickte er sie in die Heimat, wo sie mehr als 50 Jahre im Keller in einem Schuhkarton lagerten. Für McDonald war das Sammeln der Bruchstücke eine Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten und zu bewahren. Erst 1998 erzählte er einer befreundeten Künstlerin von seiner Sammlung, und unter Anleitung dieser Amelle Le Roux schufen 13 weitere internationale Künstler Stücke, in die diese Scherben eingearbeitet wurden.

„Remembered Light“ – Erinnertes Licht oder auch Licht der Erinnerung, unter diesem Titel werden die entstandenen Objekte in den USA als Wanderausstellung der Öffentlichkeit nahegebracht. Die Dokumentation dieser Ausstellung wurde nun in der Stadtbibliothek Aachen an der Couvenstraße eröffnet. Bis zum 28. Mai sind dort hochwertige Kopien der Exponate zu bewundern, begleitet von Gedanken und Texten McDonalds.

Die Texte wurden von Camilla Hochgürtel und Christian Dresen zwei Studenten der Fontys-International Business School in Venlo kostenlos ins Deutsche übersetzt. Bibliotheksleiter Manfred Sawallich zeigte sich denn auch überglücklich, diese Werke ausstellen zu dürfen.

Treibende Kraft für diese Ausstellung war im Vorfeld Dr. Hermann-Victor Johnen, aus Aachen stammender Wirtschafts- und Kulturberater mit zeitweiligem Lebensmittelpunkt San Francisco. Er hatte durch die Scherben der Aachener Domfenster einen sofortigen und persönlichen Bezug zum Thema. „Die Dokumentation ist sehr stark nachgefragt. So wird sie im nächsten Jahr über den 7. März in Remagen sein. Das war der Tag der Rheinüberquerung der Amerikaner über die berühmte Brücke von Remagen“, findet Johnen diesen historischen Kontext reizvoll.

Kuratorin der Ausstellung ist Dorothée Bönsch-Hochgürtel, die auch von einem Glücksfall für Aachen sprach: „Wir sind der Startpunkt einer langen Reihe von Städten, die alle einen direkten Bezug zu diesen Ausstellungsstücken haben. Wenn man es genau nimmt, wird die europäische Idee hier vortrefflich transportiert. Mit einer ganz klaren Aussage: Nie wieder Krieg!“, unterstreicht sie Grundlegendes deutlich. Dabei hat jedes Exponat seine eigene Geschichte. Über die Hälfte der Arbeiten konnte McDonald noch persönlich begleiten, bevor er 98-jährig 2006 verstarb. Für ihn waren die Scherben keine Trophäen, sondern rettenswerte Miniaturen europäischer Hochkultur.

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