Aachen - Glänzende Zeiten im Aachener Rathaus

Glänzende Zeiten im Aachener Rathaus

Von: Carolin Kruff
Letzte Aktualisierung:
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Goldschmiedemeister in Aktion (v.l.): Gerrit Schürmann, Philipp Hausmann und Prosper Brüderlin. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Oberbürgermeister Marcel Philipp gibt das Zepter freiwillig aus der Hand – und scheint dabei sogar noch glücklich zu sein. Was sich wie ein verfrühter Aprilscherz anhört, entspricht jedoch der Realität. Aber: Marcel Philipp bleibt Oberbürgermeister, und genau genommen gibt er nur das Reichszepter kurzzeitig aus der Hand.

Denn dieses und die zehn anderen Reichskleinodien werden anlässlich des Karlsjahres auf Hochglanz poliert. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, der sich aktuell neben Gold- und Silberschmiedemeister Prosper Brüderlin, der diese Aktion initiiert hat, zehn weitere Meister der Gold- und Silberschmiede-Innung Aachen stellen.

Generalüberholung nötig

Dazu wurde im Krönungssaal des Rathauses eine kleine Werkstatt aufgebaut, in der die Handwerker im Wechsel die geschichtsträchtigen Prunkstücke wienern. Auffrischen, entstauben, Silber aufhellen und Edelsteine wieder zum Strahlen bringen – eine Generalüberholung war dringend nötig. Und auch eine Aufstellung kleinerer Schäden wurde direkt in Angriff genommen. Jedes Stück bedeutet eine wahre Herausforderung, und jedes Stück hat seine Einzigartigkeit.

„Es dauert zum Beispiel wesentlich länger, die edelsteinbesetzte Stephansburse zu polieren, da hier unzählige Zwischenräume zu reinigen sind“, erklärt Gold- und Silberschmiedemeister Philipp Hausmann. Alles wird von Hand gereinigt, mit Pinseln, Poliertüchern, Wattestäbchen und sanfter Silberpolitur. Neben Geduld, äußerster Vorsicht und Fingerspitzengefühl ist zudem ein historisches Verständnis für die Kostbarkeiten gefragt – auch wenn es sich bei den Aachener Reichskleinodien nicht um die Originale handelt.

Neben Hausmann poliert Gold- und Silberschmiedemeister Gerrit Schürmann gerade die heilige Lanze Karls des Großen. Vorher hat er auf Fotos genauestens das Original studiert. „Die Schätze sollen zwar in neuem Glanz erstrahlen, aber nicht übertrieben poliert aussehen. Hier ist ein Mittelweg zwischen Ästhetik und dem, was möglich ist, gefragt“, erklärt Schürmann. Die ursprünglichen Insignien befinden sich in Wien.

Die Aachener „Kopien“ wurden in den Jahren 1914 bis 1920 in den Düsseldorfer Goldschmieden Bernhard Witte sowie Conrad Anton Beumers hergestellt und erstmals im Jahre 1925 der Öffentlichkeit präsentiert. Seit 1967 werden die elf Exponate – Stephansburse, Reichsevangeliar, Säbel Karls des Großen, Reichskreuz, Reichskrone, Reichsapfel, Mauritiusschwert, Zeremonienschwert, Reichszepter, Aspergil und Heilige Lanze – im Kapellenerker des Krönungssaales ausgestellt.

Dabei gleicht es einem Wunder, dass diese Kostbarkeiten noch erhalten sind, denn im Zweiten Weltkrieg wurden sie in einem Bergwerkstollen in Siegen in Sicherheit gebracht – und haben ihren Weg wieder zurück nach Aachen gefunden. Bei so viel Glanz gerät selbst ein erfahrener Goldschmiedemeister wie Brüderlin, der seit 55 Jahren diesem Metier nachgeht, ins Schwärmen: „Solch eine Aktion ist einzigartig, so etwas erlebt man wahrscheinlich nur einmal im Leben. Es ist allein ein haptisches Vergnügen, solche Kostbarkeiten einmal in der Hand zu halten.“

Zehn Tage hat die außergewöhnliche Reinigungsaktion gedauert – die Gold- und Silberschmiedemeister haben die aufwändigen Arbeiten ehrenamtlich verrichtet. Nach den Reichskleinodien ist jedoch noch nicht Schluss. Brüderlin und seinen Kollegen hat die Aktion so viel Spaß gemacht, dass sie gleich weitere Exponate aus dem Rathaus in Angriff nehmen.

Die Amtskette des Oberbürgermeisters, der Zunftspokal, das Teufels-Tintenfass und eventuell noch das Goldene Buch stehen auf dem ehrgeizigen „Putzplan“. „Wir sind froh, dass wir auf diesem Wege der Stadt Aachen etwas zurückgeben können“, erklärt Brüderlin. Das sind wahrhaft glänzende Aussichten für das diesjährige Karlsjahr.

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