Aachen - Girls Day: Dina testet typische Männerberufe

Girls Day: Dina testet typische Männerberufe

Von: re
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Bis die Funken fliegen: Nachwuchsreporterin Dina riskierte mehr als einen Blick im Schweißlabor der FH Aachen. Auch hier durften die Mädchen da Hand anlegen, wo sonst (fast) nur Männer arbeiten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ob die Rechnung aufgeht? „Ich will Mathe-Lehrerin werden”, sagt Dina. Bitte? Ein eher ungewöhnlicher Berufswunsch für eine Zehnjährige. Was solls. Am Girls Day hat die Schülerin der Maria-Montessori-Gesamtschule - wie tausende andere Mädchen - die Chance, bei unzähligen Unternehmen, Hochschulinstituten und öffentlichen Einrichtungen in typische Männerberufe hineinzuschnuppern.

Obwohl einige Domänen schon wanken. Seit „Crossing Jordan”, „Bones” und „CSI” über die Mattscheibe flimmern, gibt es zum Beispiel einen regelrechten Boom bei den Pathologie-Kursen an der RWTH Aachen, erzählt Birgit Penkert. Sie schleust am Donnerstag 433 Schülerinnen durch Workshops wie „Urologie und Maschinenbau” und „Mit Antrieb zur Ingenieurin”. Aber an Toten herumzuschnipseln findet Dina dann doch etwas eklig.

Als AZ-Nachwuchsreporterin begleitet sie uns auf Reportage-Reise lieber erstmal zur Handwerkskammer. Die meisten jungen Frauen entscheiden sich derzeit noch für Ausbildungen zur Verkäuferin (7,2 Prozent), Kauffrau im Einzelhandel (7,2), Bürokauffrau (6,6) und medizinischen Fachangestellten (6,2). Aber Mädchen im Metallhandwerk? Jungen als Friseure? „Für uns ist es wichtig, Jugendliche schon frühzeitig für das Handwerk und die zahlreichen Berufe zu begeistern”, sagt Ralf W. Barkey, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für die Region Aachen. Gerade hämmern, schrauben und bohren zig Mädchen vor seinen Augen in den Werkstätten des Bildungszentrums BGE. „Unsere Unternehmen haben einen großen Bedarf an talentiertem Nachwuchs.” Mit hohem Bildungsgrad: Über 70 Prozent kommen vom Gymnasium. Dina sieht sich interessiert um. Was Birgit Jung, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit, ausdrücklich lobt: „Wer von Anfang an gut informiert ist, findet auch die für sich passenden Berufe. Damit erhöht sich auch die Chance auf eine anschließende erfolgreiche Ausbildung”, betont sie. Doch Dina winkt ab: „Sobald ich einen Hammer sehe, haue ich mir auf die Finger. Ich werde lieber Mathe-Lehrerin”, sagt sie. Sie mag Zahlen, Klavier spielen, Judo, Schauspielunterricht und Musicals. „Werkzeug ist nix für mich.”

Also weiter zur Bundespolizei: Die Beamten haben einen sieben Millionen Euro teuren Helikopter mit allem Schnickschnack wie Wärmebildkamera und Suchscheinwerfer eingeflogen. Dina nimmt im Cockpit Platz, plauscht mit Flugtechniker Hans-Joachim Rothe: „Willst du Pilotin werden?” - „Nö.” Schade. Nachwuchs wird dringend gesucht. Unter den rund 50 Piloten der Staffel, die in St. Augustin beheimatet ist, ist nur eine Frau - und eine Fluglehrerin.

Dann vielleicht lieber Tiere, die ziehen doch immer: Nebenan hetzt Diensthundeführerin Tanja Senf ihren Vierbeiner Rinka auf einen um sich schießenden Verbrecher - natürlich nur zu Demon-strationszecken. Tatort und Verbrecher sind nicht echt, die Zähne von Rinka schon. Aber die zehnjährige Schülerin kennt keine Berührungsängste, der Hund hört absolut aufs Wort und lässt sich gefahrlos streicheln. „Klasse”, findet Dina. Aber als Beruf? Der Frauenanteil bei der Bundespolizei ist in 25 Jahren von null auf etwa 20 Prozent gestiegen. Noch besser siehts bei der Landespolizei aus.

Apropos Aussichten: Von oben blickt Dina eine Stunde später auf die Feuerwache Nord. Brandmeisterin Christa Wirtz ist eine von drei Frauen unter den 350 Feuerwehrleuten der Stadt. Sie hat Dina ihre Feuerwehrjacke übergezogen, die der Zehnjährigen nun bis zu den Knöcheln reicht. Und jetzt stehen beide auf der 30 Meter hohen Drehleiter. Ganz schön mutig. Aber irgendwie auch mulmig ist Dina zumute. Also wieder runter. Unten erklärt ein WDR-Kameramann noch schnell, dass Frauen oft den besseren Blick für schöne Motive haben. Schließlich gehts über einen Zwischenstopp bei den Schweißern der FH zurück in die AZ-Redaktion. Und der Redakteur rechnet schon mit dem Satz: „Ich will Mathe-Lehrerin werden.” Bitte? „Aber vielleicht auch Reporterin.” Na, geht doch.

RWTH: In der Medizin hängen Frauen Männer ab

433 Schülerinnen haben am Donnerstag am Girls Day in verschiedene Bereiche der RWTH Aachen hineingeschnuppert (zudem 160 Jungen anlässlich des parallel laufenden Boys Days). Organisatorin Birigit Penkert (Bild) stellt fest, dass die Mädchen immer selbstbewusster werden. „Auch wenn nur gut 31 Prozent der Studierenden an der RWTH weiblich sind, merken wir doch, dass sich deutlich mehr junge Frauen ein Studium auch in den technischen Fächern vorstellen können”, sagt sie.

Christine Kösch vom Gleichstellungsbüro fügt hinzu, dass die RWTH auch im Zuge der „Exzellenz-Bewerbung” eine Erhöhung der Frauenquote verfolge - „wobei es unrealistisch ist, hier irgendwann Fifty-fifty zu erwarten”. Zwei Beispiele: Nur gut zehn Prozent der rund 2000 Informatiker sind weiblich. Aber Frauen stellen fast 65 Prozent der 2500 angehenden RWTH-Mediziner.
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