Giftfässer im Wald: „Keine kleine Sauerei“

Von: Stephan Mohne
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Die ABC-Experten der Feuerwehr rückten am Freitagmorgen in den Wald bei Verlautenheide aus. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Das ist keine kleine Sauerei“, sagt Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff und blickt skeptisch Richtung Wald. Durch die Baumreihen hindurch sieht man etwas Blaues schimmern, das da nicht hingehört. Es sind 19 Fässer, die jemand in der Nacht – am Abend zuvor lagen sie laut Augenzeugen noch nicht dort – ins Gehölz geworfen haben muss.

Jetzt stehen dort am Reichswald nahe Verlautenheide im Städtedreieck Aachen/Stolberg/Würselen dutzende Feuerwehrfahrzeuge. Die Lage ist brisant. Denn niemand weiß, was in den Fässern ist. Man weiß zunächst nur so viel: Auf den Fässern befinden sich Totenkopf-Aufkleber.

Einige Zeit zuvor hatte sich ein Mitarbeiter der Stawag auf den Weg in diesen entlegenen Teil Aachens gemacht. Eine Routinekontrolle steht auf dem Plan. Denn dort im Reichswald nahe Forsthaus Weiden befindet sich ein Trinkwasserbrunnen der Stadtwerke. Nicht weit davon entfernt findet der Stawag-Mitarbeiter die Fässer und schlägt Alarm. Kurz nachdem die ersten Feuerwehreinsatzkräfte gegen 9 Uhr eintreffen, wird auch schon Großalarm ausgelöst.

Immer mehr Einsatzfahrzeuge machen sich auf den Weg nach Verlautenheide. Einsatzleiter Ernst Schlusche beordert auch umgehend die Entgiftungseinheit zum Einsatzort. Ebenso wird das Umweltamt angefordert. Mit und mit treffen Spezialisten ein. Darunter der ABC-Zug der Freiwilligen Feuerwehr, der mit Analysegeräten ausgerüstet ist. Insgesamt sind es rund 70 Feuerwehrleute, die sich am Reichswald versammelt haben.

Rund um den Wald fährt auch die Polizei massiv auf. Denn die Feuerwehr hat dringend dazu geraten, die Einsatzstelle weiträumig abzuriegeln. Das geschieht im Umkreis von mehreren hundert Metern. Auch die Kriminalpolizei trifft früh im Reichswald ein. Ein Polizeihubschrauber macht aus der Luft Aufnahmen von der Fundstelle.

Derweil steigen Feuerwehrleute in schwere Vollschutzanzüge, um sich den Fässern nähern zu können. Vor Ort stellen sie fest, dass es sich um sechs große und 13 kleine Gefäße handelt. „Das kann nicht aus einem Haushalt oder Kleinbetrieb stammen, das muss schon einen größeren Hintergrund haben“, sagt Feuerwehrchef Wolff. Aus einigen Fässern tritt Flüssigkeit aus. Während die Feuerwehr zunächst vorsichtig ist mit Aussagen zur Brisanz des Inhalts, scheint die Chemikalie allerdings nicht ungefährlich zu sein. Nach AZ-Informationen beginnt sie bei Bodenkontakt zu schäumen. Bei ihrer Rückkehr werden die Wehrleute in mehreren Zelten gründlich gereinigt.

Die Experten des ABC-Zuges nehmen Proben, ein Chemiker startet erste Analysen. Doch zunächst bleibt weiter unklar, was da abgelagert wurde. In Bereitschaft ist zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits ein Spezialunternehmen aus Köln versetzt worden, das am Mittag eintrifft. Die Flüssigkeit soll aus den Fässern heraus in einen Tankwagen gepumpt werden. Das geschieht schließlich auch. Deutlich wahrnehmbar ist dabei laut Schlusche ein chemischer Geruch. Klarheit aber wird es an diesem Freitag nicht geben. Es bleibt im Dunkeln, was in den Fässern ist. Vorerst.

Denn Proben gehen natürlich in ein analytisches Labor. Schließlich könnte die Art des Stoffes auch Rückschlüsse auf die Herkunft geben. Das wird die Kripo interessieren. Denn hier geht es nicht nur um Umweltverschmutzung. Je nach Giftigkeit haben die Täter auch leichtfertig die Gesundheit der vielen Spaziergänger und Jogger in diesem Bereich aufs Spiel gesetzt. Apropos dunkel: Während die Feuerwehr genau um 16.37 Uhr ihren Einsatz beendet, geht es für das Umweltamt und die Fachfirma noch stundenlang weiter. Ein Teil des Waldbodens muss weggebaggert werden, weil er mit dem Stoff in Berührung gekommen ist. Keine kleine, sondern eine große Sauerei also.

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