Aachen - Gibt Stirnberg seinen Rössern die Sporen?

Gibt Stirnberg seinen Rössern die Sporen?

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Bonifatius Stirnberg
Der Prozess um die richtige Positionierung der Pferdegruppe des Aachener Bildhauers Bonifatius Stirnberg ist am Montag in die Revision gegangen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ja, wo laufen sie denn? Wo laufen sie hin? Ein gewisser Loriot hat die Frage bekanntlich einst in seiner berühmten Zeichentrick-Randnotiz von der Pferderennbahn aufgeworfen. Die Aachener Variante der scheinbar müßigen Richtungsdebatte ist am Montag auf dem Bahnhofsplatz live in die nächste Etappe gegangen.

Vorweg: Beim Showdown im seit zwei Jahren andauernden Duell um die bronzenen Rösser des Bonifatius Stirnberg ist man noch nicht wirklich aus den Hufen gekommen.

Allerdings nahmen Stirnberg und sein Anwalt Klaus Kaewert den jüngsten, höchst richterlichen Schlichtungsversuch am Ende mit ungezügeltem Zorn zur Kenntnis: „Wenn die Pferde nicht an ihren alten Platz zurückkommen, dann nehme ich sie lieber wieder mit statt diesen Murks zu ertragen”, wetterte der Künstler.

So weit kam´s am Montagmorgen nach dem Aufgalopp einer, pardon, ganzen Horde von Juristen „vor Ort”. Zielmarke: Nach langwierigem Ritt durch den Paragrafendschungel sollte der Vorsitzende des 6. Zivilsenats im Oberlandesgericht Köln, Dr. Emil Schwippert, entscheiden, ob Stirnbergs Urheberrechte durch die Versetzung und Veränderung seiner Pferdeskulptur verletzt wurden - und die Stadt ergo vergattert werden könne, das Ensemble an seinen ursprünglichen Platz zurückzuscheuchen. Am Ende stellte der Richter immerhin fest: Zu Letzterem sei die Verwaltung durchaus nicht verpflichtet.

Aufs gleiche Pferd hatte bereits im Sommer das Landgericht Köln gesetzt: Infolge der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes sei es zumindest aus juristischer Sicht keineswegs verrückt, das Ensemble zu verrücken - nämlich um runde 20 Meter Richtung Hochhaus.

Allerdings hatte Stirnberg ebenso gefordert, Veränderungen bei der Gestaltung des gepflasterten Untergrunds, auf dem die bronzenen Vierbeiner die Hufen schwingen, umgehend rückgängig zu machen: Denn auch durch das nun steiler angelegte und von der topografisch höchsten an die niedrigste Stelle des Platzes verpflanzte Fundament sei die „innere Dynamik” des galoppierenden Quintetts praktisch zerstört.

Zudem sei die Gruppe in sich modifiziert und damit die ungestüme Energie des Kunstwerks zunichte gemacht worden. Dieser Beschwerde des 75-Jährigen war das Landgericht - zum Verdruss der städtischen Rechtsvertreter - gefolgt. Auch Schwippert bestätigte die Forderung - jedoch mit dem Hinweis, dass der Anspruch kaum schwarz auf weiß durchzupeitschen sei. Es mangele schlicht an Fotos oder Dokumenten, die exakten Aufschluss übers Original geben könnten. Kurzum: Auch in dieser Hinsicht führe an einer gütlichen Einigung kein Weg vorbei...

Am 12. Juni soll das Urteil fallen - sattelfest.
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