GHS Drimborn: Schüler knüpfen Kontakte in der Berufswelt

Von: Stefan Herrmann
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Gutes Handwerk will gelernt sein: Schüler der Hauptschule Drimborn schauen Schreiner Patrick Thoennissen in den Theater-Werkstätten über die Schulter. Foto: Michael Jaspers
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Kontakte knüpfen in Sachen Ausbildung: die Hauptschüler Daniel Rongen, Kiattisak Setbupha, Dominic Pagel, Samet Altintas und Fabian Hillebrand (vorne v.l.) mit der Drimborn-Schulleitung und Vertretern der Kooperationspartner. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es duftet nach Holz. Im Hintergrund wird gehobelt und gebohrt. Späne rieseln auf den Boden. Es herrscht geschäftiges Treiben in den Theater-Werkstätten am Mörgens. Mittendrin steht Fabian Hillebrand. Kreissägenlärm statt Klassenzimmer: Der Achtklässler der Gemeinschaftshauptschule Drimborn schaut dem Schreiner interessiert über die Schulter.

Ein erstes Schnupperpraktikum hat er bereits am Theater als Fachkraft für Veranstaltungstechnik absolviert; ein zweites, längeres soll in einigen Monaten folgen. Fabian ist früh dran. „Aber er macht es genau richtig, schon rechtzeitig in die Berufswelt reinzuschnuppern“, findet Udo Rüber, Verwaltungsdirektor des Theater Aachen. Denn wer einen guten Ausbildungsplatz ergattern möchte, der sollte frühzeitig Kontakte knüpfen. So wie Fabian.

Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss haben es nicht einfach auf dem Lehrlingsmarkt. Sie konkurrieren längst auch mit Gymnasiasten um begehrte Plätze. Eine frühzeitige und umfangreiche Berufsorientierung gehört daher zu den Eckpfeilern des Schulprogramms der GHS Drimborn. Zentraler Eckpfeiler stellt dabei der Berufsinformationstag dar, der zum vierten Mal an der GHS stattfindet (siehe Info-Box).

„Mit dieser Veranstaltung in der Konstanz und Größe besitzen wir ein Alleinstellungsmerkmal in Aachen“, findet Berufswahlkoordinator Matthias Fischer. Das Theater Aachen ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. „Wir nehmen unsere Verantwortung in diesem Bereich sehr gerne wahr“, sagt Rüber. 17 junge Menschen in sieben Berufsfeldern bildet das städtische Kulturhaus aus.

Einigen fehlt die Ausbildungsreife

Auf den direkten Kontakt kommt‘s an: Dominic Pagel hat diese Erfahrung gemacht. Dem Praktikum bei der Schumag AG Jahr ließ er flugs eine Bewerbung folgen. Seit Januar hält der Zehntklässler, der im Sommer die mittlere Reife macht, einen Ausbildungsvertrag des Unternehmens als Zerspanungsmechaniker in seinen Händen. „Ich freu‘ mich, wenn‘s losgeht!“, sagt er. Gerade wer bei größeren Firmen seine berufliche Zukunft sieht, muss spätestens ein dreiviertel Jahr zuvor auf der Matte stehen – und zwar persönlich. „Dahin wollen wir die Schüler bringen“, sagt Fischer.

Doch nicht alle besitzen die volle Ausbildungsreife, wenn sie das warme Schulnest verlassen. „Einigen fehlt vor allem die soziale Kompetenz“, sagt Martin Clermont, Ausbildungsleiter bei Philips in Aachen. Erst wenn die Erkenntnis wächst „Theorie büffeln ist wichtig, um in der Praxis arbeiten zu können“, geht‘s voran. An der GHS Drimborn hat rund jeder vierte Absolvent einen Ausbildungsvertrag in der Tasche, wenn er die Schule verlässt.

Das bedeutet aber auch: 75 Prozent der Jugendlichen wählen andere Wege als die klassische duale Ausbildung. Einige gewollt, indem sie höhere Abschlüsse anstreben, andere eher gezwungenermaßen, weil sie keinen passenden Lehrlingsplatz gefunden haben.

Hier setzen die Lehrer der GHS an: „Wir sind pädagogisch so nah dran an den Jugendlichen wie keine andere Schulform“, betont der stellvertretende Leiter von Aachens größter Hauptschule, Michael Geurtz. Das Plädoyer versteht Geurtz durchaus als deutliches Zeichen an all jene, die bereits das Aus des Systems Hauptschule beschwören. „Dieser Baustein darf in unserem Bildungssystem nicht verloren gehen.“

Mit dem nun stattfindenden 4. Berufsinformationstag sieht sich die Hauptschule Drimborn gut aufgestellt. „Die Veranstaltung wächst von Jahr zu Jahr“, freut sich Schulleiterin Annett Koch-Thoma über sichtbare Erfolge. Denn einige Ex-Schüler kommen mittlerweile als Azubis oder Angestellte der Firmen wieder an die alte Lernstätte zurück. Und wer weiß: Vielleicht wird auch Fabian in einigen Jahren einmal dazu gehören – als Azubi des Theaters.

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