Aachen - Gewinnspiel-Abzocke am laufenden Band?

Gewinnspiel-Abzocke am laufenden Band?

Von: Oliver Schmetz
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Gewinnspiel-Opfer: Margret Palm wollte ein Auto gewinnen und bekam eine Rechnung über ein Zwei-Jahres-Abo. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Als Margret Palm die Rechnung erhielt, war sie geschockt: 96 Euro sollte sie der „Promotionfactory” überweisen - als „Teilnahmegebühr für die ersten 12 Monate” bei der Gewinnspielaktion „Gewinne am laufenden Band”.

An solch eine Aktion konnte sich die Aachenerin zwar nicht erinnern, doch für diesen Fall hatte die Firma die Kopie ihrer Teilnahmekarte beigelegt. Die hatte Palm am 27. September vorigen Jahres ausgefüllt, bloß: Damals stand sie auf dem Flohmarkt neben einem VW Golf und ging davon aus, an einer Verlosung des Fahrzeugs teilzunehmen. Doch hatte sie das extrem Kleingedruckte übersehen, das die kostenpflichtige Teilnahme an „Sonderverlosungen” betraf - und das sie laut Aufdruck hätte durchstreichen müssen, um nicht teilzunehmen.

„Das ist doch unverschämt”, ärgert sich die Aachenerin. Ihr Lebensgefährte Hans J. Laumanns hat bereits einen Widerspruch formuliert und spricht von „perfider Abzocke: Wenn nur zehn Prozent der Teilnehmer tatsächlich zahlen, ist das ein richtiger Reibach”.

So sieht das auch die Verbraucherzentrale die landesweit vor dem „klaren Fall von Täuschung” warnt. Sie sieht darin „Abo-Abzocke am laufenden Band” und vertritt die Rechtsauffassung, dass mit dem Ausfüllen der Teilnahmekarte kein Vertrag zustandegekommen sei. „Betroffene müssen nicht zahlen”, betont auch der Aachener Verbraucherberater Ulrich Isfort und rät: „Schriftlich widersprechen und bei Problemen zu uns kommen.”

Allein in Aachen meldeten sich bereits rund 25 Betroffene, auch in Solingen und Bonn wurden die Verbraucherschützer mit der Masche konfrontiert und halten jetzt kostenlose Musterschreiben für den Widerspruch bereit (vz-nrw.de). Auch der Aachener Flohmarkt-Betreiber „Melan” distanzierte sich am Freitag von der Aktion und versprach, „das Angebot unserer Aussteller künftig noch genauer zu prüfen”.

Die zuvor in Solingen ansässige „Promotionfactory” hat es derweil auf die hohe See verschlagen - Helgoland firmiert nun als Firmensitz. Zu erreichen war dort am Freitag niemand. Gleiches gilt für eine andere Firma in Solingen, die der „Promotionfactory”-Gesellschafter betreibt. Im Internet hat man aber schon Gewinnlisten veröffentlicht. Darauf stehen auch Aachener, deren bescheidene Gewinne vom Staubsauger über Akku-Schrauber bis zum Acht-Kilo-Haribo-Paket reichen. Viele dieser Namen findet man nicht im Telefonbuch, ob Gewinne geflossen sind, ist unklar.

„Nein”, sagt dazu eine Aachenerin, die im März ein Reisekoffer-Set gewonnen haben soll. Davon weiß sie nichts, wohl aber hat sie seit Freitag eine Abo-Rechnung. Und von dieser Zahlungsaufforderung will die Firma auch nicht so schnell abrücken: Man teile die Rechtsauffassung der Verbraucherzentrale nicht, teilte man Laumanns per E-Mail mit.

Schließlich habe sich jeder Teilnehmer „in aller Ruhe über die Angebote informieren können”.

„Nicht einschüchtern lassen”, rät die Verbraucherzentrale. Laumanns denkt da nicht dran. Er hat sich zwar an die Bank von „Promotionfactory” gewandt, aber nur um diese über die Machenschaften eines ihrer Kunden zu informieren. Schließlich ist es die Ethik-Bank, laut Eigenwerbung eine „Direktbank für ethische und ökologische Geldanlagen”.
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