Aachen - Gewichtige Aufgaben für Chor und Orgel

Gewichtige Aufgaben für Chor und Orgel

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Im Mai dieses Jahres hatte der Junge Chor Aachen eine Konzertreise durch Schweden unternommen, die ihn nach Stockholm und Uppsala geführt hatte. Nunmehr präsentierte das renommierte Ensemble unter seinem Gründer und Leiter Fritz Ter Wey das Programm dieser Reise in einem Konzert in der gut besuchten Annakirche in Aachen.

„Laudes Organi“ war die Veranstaltung überschrieben, in Anlehnung an einen gleichlautenden lateinischen Hymnus aus dem 12. Jahrhundert, den der ungarische Komponist Zoltán Kodály als sein letztes vollendetes Werk für Chor und Orgel 1966 vertonte. Dieses „Lob der Orgel“ weist der Orgel und dem Chor gleich gewichtige Aufgaben zu, farbige Musik, die in den Chorpartien Anklänge an gregorianische Melodien erahnen lässt. Die Aufführung durch den Jungen Chor und den holländischen Organisten Marcel van Westen ließ in ihrer klanglichen Opulenz und in ihrer klar durchgezeichneten Linienführung keinerlei Wünsche offen.

Ansonsten beherrschte Chormusik des 20. und 21. Jahrhunderts das Programm. Ter Wey hatte aus Messvertonungen des Belgiers Joseph Ryelandt und des Schweden Knut Nysted einzelne Sätze zu einem Messezyklus zusammengestellt. Die sechsstimmigen Sätze von Ryelandt ließen in ihrer Klangpracht und imitatorischen Faktur manchmal an Palestrina denken, während die Sätze von Nystedt in ihrer deklamatorischen Knappheit wesentlich avancierter wirkten.

Motetten der slowenischen Komponisten Damijan Mocnik und Andrej Makor sowie des Tschechen Antonín Tucapsky bildeten einen weiteren Programmschwerpunkt, allesamt gut klingende, harmonisch interessante, auf experimentelle Gesangstechniken verzichtende Werke, die in dem 25-köpfigen Ensemble kompetente und stilistisch erfahrene Interpreten und Interpretinnen fanden.

Deutsche Romantik durfte in einem Programm einer Schwedenreise natürlich nicht fehlen. Sie war vertreten mit Max Regers „Morgengesang“ aus op. 138 und Felix Mendelssohn-Bartholdys „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“.

Der Junge Chor und sein Dirigent Fritz ter Wey präsentierten sich in diesem Konzert einmal mehr als überlegene Anwälte moderner Chormusik, mit ausgewogenem Klangbild, großer Homogenität, lupenreiner Intonation, flexibler Gestaltung und dynamischer Tongebung, die allerdings nicht zuletzt aufgrund der sehr offenen Vokalisation vor allem bei den Männerstimmen manche tonliche Rauheit zutage treten ließ. Der Organist Marcel van Westen rundete das Programm durch kurze überleitende Improvisationen ab.

Für den begeisterten Beifall bedankten sich Chor und Dirigent mit der Zugabe eines schwedischen Volksliedes.

 

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