Aachen - „Gewalt gegen Frauen“: Thema muss aus der Tabuzone geholt werden

„Gewalt gegen Frauen“: Thema muss aus der Tabuzone geholt werden

Von: Eva Onkels
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Sie berichteten von positiven Erfahrungen: unten von links Loni Fintzen, Ingrid Getz, Natalie Djurkovic, oben Olga Sigmund, Helga Götzgoz-Carsten, Renate Wallraff und Monika Bulin. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Zahlen haben im November für einiges Aufsehen gesorgt. In einer EU-weit durchgeführten Studie zum Thema Gewalt gegen Frauen stellte sich heraus, dass 60 Prozent der in der Umfrage befragten Frauen aus Deutschland angaben, seit ihrem 15. Lebensjahr sexuell belästigt worden zu sein.

44 Prozent der Frauen haben vor dem 15. Lebensjahr sexuelle, körperliche oder psychische Gewalt erfahren. Zahlen, die erschüttern sollten. Vor allem, da lange nicht jede Gewalttat, egal welcher Form, auch gemeldet wird. Immer noch ist die Dunkelziffer extrem hoch.

Nicht mehr wegschauen, das Thema aus der immer noch vorhandenen Tabuzone in das Bewusstsein holen und den betroffenen Frauen Hilfe und Beratung bieten, all das möchten die Mitglieder des Fachausschuss „Gewalt gegen Frauen“. Zum Ausschuss gehören unter anderem der Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen oder der Verein Frauen helfen Frauen, die Polizei ist jederzeit Ansprechpartner und Frauen- und Schutzhäuser bieten schnell Unterkunft und Hilfe.

Aber das ist nicht genug: Einen neuen Weg ist der Ausschuss im Herbst diesen Jahres gegangen. Gefördert durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW organisierte der Ausschuss in Zusammenarbeit mit dem Stadtsportbund Selbstbehauptungskurse für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind.

Die Ausschussmitglieder, zu denen auch die Fachstelle gegen häusliche Gewalt der Diakonie und das Gleichstellungsbüro der Stadt Aachen gehören, sind zufrieden mit dem Pilotprojekt. Man hat Erfolge erzielen können und weiß nun, wie man ein solches Projekt gestaltet.

Zwei Kursformen wurden angeboten: ein Kompaktkurs an zwei Tagen und ein dreimonatiger Kurs. Es zeigte sich: Ein langfristiger Kurs ist die bessere Alternative, beispielsweise weil die Gruppe bis Dezember zusammenwachsen konnte und die Möglichkeit gegeben war, Gelerntes zu reflektieren. So war es den Trainerinnen möglich, langfristiger die Frauen zu beobachten und Fortschritte zu erarbeiten und zu festigen. Zwar wurde im Kurs auch Selbstverteidigung unterrichtet, Trainerin Ingrid Getz hält allerdings fest: „Selbstbehauptung ist das stärkere und wichtigere Wort.“

Rollenspiele, in denen die Teilnehmerinnen auf Alltagssituationen vorbereitet werden, vor allem aber zu lernen „nein“ zu sagen sind wichtige Teile des Programms gewesen. „Nein-Sagen fällt vielen Frauen schwer“, so die übereinstimmende Aussage der Mitglieder des Ausschusses. „Wenn der Wille fehlt, dann hilft Selbstverteidigung allein nicht“, so Getz. „Viele Frauen haben unglaubliche Minderwertigkeitsgefühle“, erläutert Getz.

Monika Bulin vom Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen, erklärt, dass es derzeit nur wenige vergleichbare Angebote gibt und diese für manche Betroffene nur schwer finanzierbar seien. Für den Ausschuss ist es daher eine Herzensangelegenheit, dass es weiterhin solche Kurse speziell für Frauen geben wird und es wäre durchaus möglich, dass das Land wieder Gelder dafür bereitstellen würde. Die ersten Anmeldungen gibt es bereits.

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