Geusenweg: Anwohner und Nabu stoppen eine „Radikalkur”

Von: az
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„Verkehrssicherung” oder Kahlschlag? Eine „Aufräumaktion” der besonderen Art wurde jetzt am Geusenweg gestoppt, weil Anwohner und der Naturschutzbund Alarm geschlagen hatten. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Der Begriff kann nur aus dem Fachwörterbuch „Verwaltung” stammen: Verkehrsicherungsmaßnahme! Was sich dahinter verbirgt, darüber kann man trefflich streiten. Eines jedenfalls ist es nicht: eine Radikalkur. Die allerdings bahnte sich am Geusenweg oberhalb des Steppenbergs an. Wenn nicht aufmerksame Anwohner und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eingegriffen hätten.

Der Landschaftsbeirat der Stadt Aachen hatte vor geraumer Zeit zugestimmt, sogenanntes Totholz aus dem historischen Geusenweg zu entfernen - der Verkehrssicherheit wegen. Denn der Geusenweg soll im Rahmen des Euregionale-Projektes Grenzrouten als Wanderweg ausgewiesen werden und wird von vielen Spaziergängern geschätzt.

Über die Definition, wie diese „Verkehrssicherheit” denn herzustellen ist, gibt es aber durchaus unterschiedliche Sichtweisen. Die des bei der Stadt für die Maßnahme verantwortlichen Mitarbeiters jedenfalls scheint eine grundsätzlich andere gewesen zu sein als die des Landschaftsbeirates. Mit schwerem Gerät wollte man dem morschen Gehölz zu Leibe rücken lassen.

Und nach Aussagen von Anwohnern dabei viel altes, aber gesundes Holz gleich mit entfernen. Der Protest jedenfalls zeigt Wirkung. „Es wird jetzt nur das Allernötigste gemacht”, bestätigte der zuständige Dr. Peter Gleißner vom Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen. Er sei auf die Einwände der Anwohner und des Nabu „eingegangen”. Von „Entgegenkommen” ist die Rede. Nach AZ-Informationen haben Anwohner angeboten, eine Patenschaft für den Weg zu übernehmen und bei der Pflege zu helfen.

Nach den massiven Protesten gegen den drohenden Radikalschnitt ließ die Stadt flugs verlauten, dass der „jetzige Charakter des Weges als Pfad weitgehend erhalten bleiben” solle.

In diesem Bereich würden zusätzlich nur abgestorbenen Gehölze entfernt. Der Geschäftsführer des Landschaftsbeirates, Hans-Dieter Ratajczyk, jedenfalls bestätigte nochmals auf Anfrage der AZ, dass die ursprüngliche Vorgehensweise der Stadt „sich nicht mit dem deckt”, was der Beirat beschlossen hat.

Kirchweg von Eupen bis nach Vaals

Der Aachener Pfad ist ein Teil des historischen Geusenwegs, den die belgischen Protestanten seit der Reformation bis zur napoleonischen Zeit als sonntäglichen Kirchweg von Eupen bis Vaals benutzten. In den „befreiten Niederlanden” konnten sie unbehelligt ihren Gottesdienst halten.

Noch heute wird der Weg von vielen Ortskundigen und Wanderern begangen. Im Südteil ist der Weg jenseits der Bahnlinie ist er großenteils als Hohlweg erhalten - mit ausladenden Eichen und Kirschen auf einer Länge von rund 700 Metern bis zur belgischen Grenze.
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