Geständnis: Auf Kosten von „Haus&Grund“ bereichert

Von: Robert Esser
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In Schieflage: Haus & Grund an der Ecke Boxgraben/Franzstraße rückt Missmanagement gerade und räumt die Verwaltung auf. Foto: Jaspers

Aachen. Der ehemalige Geschäftsführer der Haus&Grund Immobilienverwaltungs GmbH, Ralf Lemmens, hat gegenüber unserer Zeitung eingeräumt, jahrelang auf eigene Rechnung für Hauseigentümer gearbeitet zu haben.

„Ich weiß, dass das nicht sauber war. Deswegen habe ich Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Aber die Gesellschafter von Haus&Grund hätten mir viel früher auf die Schliche kommen müssen, mich hat nie jemand kontrolliert“, sagte Lemmens der AZ. Die Gesellschafter hatten Lemmens erst vor einigen Wochen vor die Tür gesetzt. Es bestehe der Verdacht, dass Gelder von Treuhandkonten einiger Kunden unterschlagen wurden, deren Immobilien von Lemmens betreut wurden, hieß es damals. Es geht also um Veruntreuung.

Der Geschäftsführer des Haus- und Grundbesitzer-Vereins, Tobias Hundeshagen, stellte deswegen Strafanzeige bei der Polizei. Lemmens wurde das Vertrauen entzogen, Hundeshagen trat seine Nachfolge als Geschäftsführer der Immobilienverwaltungs GmbH an. Danach habe Lemmens sein Büro geräumt und die komplette EDV-Anlage rechtswidrig mitgenommen – mit sämtlichen Kundendaten, so der Vorwurf von Haus &Grund. Lemmens wehrt sich dagegen: Das Computersystem sei sein Eigentum.

Und weil er dort auch – zuweilen unsauber – auf eigene Rechnung gearbeitet habe, seien das auch seine Kundendaten, behauptet Lemmens. „Die Konkurrenz im eigenen Haus hat nie einer bemerkt.“ Er betont, dass keinem Kunden Schaden entstanden sei – nur der Haus- und Grund Immobilienverwaltungs GmbH. Schließlich hatte Lemmens offenbar ein eigenes Konkurrenzunternehmen an seinem Arbeitsplatz betrieben – und dabei die Konten seines Arbeitgebers genutzt.

Lemmens räumt all dies ein, greift nun seinerseits aber seinen langjährigen Arbeitgeber Haus&Grund scharf an: Es gebe familiäre Verflechtungen, die durchaus fragwürdig seien, sagt er. So habe der Verein den Sohn des Vorsitzenden jahrelang als Kassenprüfer bezahlt. Zudem habe es in den vergangenen Jahren nie reguläre Gesellschafterversammlungen und echte Kassenkontrolle gegeben. „Sonst wäre ich viel früher aufgefallen“, sagte Lemmens. Der Ex-Geschäftsführer wirft seinem alten Arbeitgeber vor, unnötige Dienstreisen abgerechnet zu haben, und moniert, dass nun an seiner Stelle die GbR von Hundeshagens Vater und seines Geschäftspartners in die Aachener Haus- und Grund Immobilien- und Verwaltungs GmbH integriert worden sei. „Das alles ist wohl auch nicht gerade sauber“, schlägt Lemmens zurück.

Haus&Grund-Geschäftsführer Hundeshagen widerspricht vehement: „Die erhobenen Vorwürfe sind samt und sonders falsch. Wir konzentrieren uns darauf, das durch Herrn Lemmens Verfehlungen zerdepperte Porzellan zu kitten und verloren gegangenes Vertrauen durch ehrliche und gute Arbeit zurückzugewinnen.“ Man habe sich nichts vorzuwerfen. Wenn Lemmens Anschuldigungen vorbringen möchte, solle er dies bei der Polizei tun, teilte der Verein Haus&Grund mit.

Inzwischen liegen der Staatsanwaltschaft dem Vernehmen nach Unterlagen vor, nach denen allein im Jahr 2015 rund 70.000 Euro durch den ehemaligen Geschäftsführer von Kundenkonten veruntreut worden sein sollen. Völlig unverständlich sei hierbei Lemmens‘ Vorwurf, der Verein hätte dessen absichtlichem rechtswidrigen Verhalten früher auf die Spur kommen müssen.

„Mir geht die Hutschnur hoch, wenn ich bedenke, von wem diese Unterstellungen und versuchten Verleumdungen kommen!“, sagt Hundeshagen. Haus&Grund arbeite vertrauensvoll und in aller Offenheit mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um den von Lemmens verursachten Skandal und alle Straftaten lückenlos aufzuklären.

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