Gesprengte Geldautomaten: Zeugin schildert Verfolgungsfahrt

Von: Wolfgang Schumacher
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Beim Prozess um die „Audi-Bande“ schilderte eine Zeugin dem Aachener Landgericht eine Verfolgungsfahrt durch das nächtliche Flörsheim. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

Aachen/Alsdorf. Die junge Zeugin (22) aus Flörsheim am Main berichtete am Montag dem Landgericht eine wahre Räuberpistole rund um die sogenannte „Audi-Bande“, deren Mitglieder auch am 12. Juni in Alsdorf-Busch einen Automaten in die Luft gejagt haben sollen.

Vor der 4. Großen Strafkammer muss sich in Aachen momentan ein 25-jähriger Niederländer aus Utrecht in dieser Sache verantworten, von ihm hatte man DNA-Spuren in einem der Fluchtfahrzeuge aus dem Flörsheimer Fall gefunden.

In dieser November-Nacht 2015 hatte die Bande eine Filiale der Taunus-Sparkasse in Flörsheim im Visier, wieder fuhren sie mit einer PS-starken Limousine, vermutlich einem getunten Audi A5, nachts gegen vier Uhr vor der Bank vor.

Drei maskierte Männer seien es gewesen, berichteten nächtliche Zeugen aus dem hessischen Flörsheim am Montag dem Vorsitzenden Richter Norbert Gatzke, sie hätten schwarze Overalls und Sturmhauben getragen. Die Nachbarn wurden wie in Alsdorf von dem Riesenknall geweckt, den die Sprengung des EC-Automaten mit sich brachte, der Angeklagte wurde später nahe einer Tankstelle bei einem möglichen Fluchtfahrzeug festgenommen.

Ganze Vorarbeit geleistet

Jener Wagen aber, der vor der Bank stand und in dessen Kofferraum die Bande die Geldkassette aus dem Geldautomaten warf, machte dem Gericht am Montag Kopfzerbrechen. Denn manche Zeugen beschrieben ihn als Viertürer, andere als ein Coupe mit nur zwei Türen, Widersprüche, die es aufzuklären gilt und die womöglich die Beweisführung gegen den Angeklagten, der die Vorwürfe nach wie vor leugnet, schwer machen.

Doch zurück zur ersten Zeugin, die am frühen Morgen nach Hause zum Schlafen fahren wollte. Ihr Weg führte an dieser Filiale vorbei. Die muntere Zeugin berichtete, wie sie den schräg gestellten und zum Teil auf der Straße geparkten schwarzen Wagen umfahren wollte. Dann aber habe sie einen maskierten Mann gesehen, der ihr unmissverständlich klar machte, sie solle wenden und verschwinden.

Sie habe das getan, sah sich dann aber wohl von einem Audi durch die engen Straßen Flörsheims verfolgt. Manchmal sei sie abgedrängt worden, inzwischen hatte sie per Handy die Polizei am Telefon. Die Beamten sagten, sie könnten ihr nicht helfen, berichtete sie. Was sie im Nachhinein auch nicht große wunderte, berichtete sie schmunzelnd, weil sie bei der rasenden Vorbeifahrt am Polizeistandort deutlich sah, dass bei den Streifenwagen die Reifen zerstochen waren, die Bande schien ganze Vorarbeit geleistet zu haben.

Der Fahrer, der sie verfolgte, habe sie dann noch aus dem Auto heraus fotografiert und habe dann abgedreht in Richtung der Mainbrücke nach Rüsselsheim. Inzwischen hatte die Beamten sie allerdings fernmündlich quasi um Amtshilfe gebeten, sie solle „vorsichtig“ die Flüchtenden verfolgten.

Das tat die couragierte junge Lady dann auch, ihr Wagen sei ebenfalls ganz gut motorisiert gewesen, sagte sie dem inzwischen ebenfalls schmunzelnden Richter, nein, Angst habe sie nicht wirklich gehabt, sagte sie locker. Doch irgendwann drückten die Täter richtig aufs Gas und verschwanden, sie gab auf.

Ein weiterer Zeuge, der gegenüber dem Tatort wohnt, hatte bereits „zwischen zwei und drei Uhr“ einen PS-starken Motor-Sound in der stillen, nächtlichen Straße gehört. Er kenne sich aus, der Sound des späteren Fluchtfahrzeuges „von der Sparkasse“ sei derselbe gewesen, versicherte der 60-jährige Zeuge. Während ein anderer Zeuge, ebenfalls ein Nachbar, beschwor, er habe einen Wagen mit vier Türen gesehen, meinte der Letzterwähnte, es sei ein schwarzes Coupe mit nur zwei Türen gewesen. Nummernschilder erkannte niemand. Das wäre auch nicht opportun gewesen, da man dem Fluchtauto die Kennzeichen abgenommen hatte.

Der Prozess wird am Mittwoch, 10. August, in Saal A.1003 im Aachener Landgericht fortgesetzt.

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