Aachen - Gesprächsreihe: „Die da oben“ treffen auf „die da unten“

Gesprächsreihe: „Die da oben“ treffen auf „die da unten“

Von: Lukas Bornemann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Perspektivlosigkeit und Unsicherheit – diese Themen standen im Juli zum Auftakt einer Gesprächsreihe zwischen Politikern und Arbeitslosen im Mittelpunkt, die im Vorfeld der Land- und Bundestagswahl stattfand.

Gesprochen wurde unter anderem über die Arbeitsmarktsituation für Arbeitnehmer und -geber, die Integration von Flüchtlingen und die Wohnungsnot. Wie ein roter Faden zog sich die „Sorge vor dem Morgen“ durch die Veranstaltungen, so Martin Pier von „Pro Arbeit“. Dass sich Menschen dieser Sorge schon sehr früh stellen müssen, kann Bernhard Pysik berichten, der in einem Projekt in Herzogenrath aktiv ist. Pysik schilderte seinen Eindruck von einer Begegnung mit einem jungen Mann so: „Dass da ein 17-Jähriger ist, der schon jetzt perspektivlos ist, das hat sich echt eingeprägt“.

Zum Abschluss der Reihe zog der Verein „Pro Arbeit“ jetzt Bilanz. In den Gesprächen hatten 380 Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Möglichkeit, eine breite Themenauswahl mit den Politikern zu diskutieren.  Auch Peter Brendel von „Pro Arbeit“ kritisiert, dass die Befristung gerade von Projekten für Langzeitarbeitslose zu einer großen Unsicherheit führt, die mindestens bis Mitte 2018 anhält.

Neben einer besseren Perspektive wünschen sich Menschen wie Sabine Höhn, dass sie durch ihre Arbeit wieder mehr Anerkennung erfahren. Das kann auch Brendel bestätigen: „Die Menschen wollen dort etwas tun, wo auch für die Gesellschaft ein Mehrwert und für die Arbeitenden Wertschätzung entsteht“. Maßnahmen, die einfach nur Beschäftigung der Beschäftigung wegen schaffen würden, seien dafür überhaupt nicht geeignet, findet auch Martin Pier.

Eine Möglichkeit, diesen Problemen entgegenzutreten, sehen die Verantwortlichen bei „Pro Arbeit“ in der Schaffung eines nachhaltigen sozialen Arbeitsmarktes, der sich unter anderem stärker an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert. Anstelle von starrer Befristung sollte es möglich sein, Menschen dauerhaft zu fördern.

Dass es zur Umsetzung dieser Forderung noch ein langer Weg ist, darüber sind sich sowohl „Pro Arbeit“ als auch die Arbeitslosen selbst im Klaren. Während den Gesprächen wurde auch deutlich, wie groß die Distanz zwischen der Politik und den übrigen Diskussionsteilnehmern oft noch ist.

„Regelmäßig laut werden“

Ziel müsse es deshalb sein, mehr Öffentlichkeit zu schaffen und dass die Menschen stärker für ihre Bedürfnisse einträten. „Was soll denn auch bewegt werden, wenn wir nicht auf die Straße gehen? Nichts!“, ist Christina Herrmann von „Pro Arbeit“ überzeugt. „Wir müssen regelmäßiger laut werden“, stimmt Sabine Höhn zu.

Die Gespräche mit den Politikern wurden von den Teilnehmern trotz allem als sehr sinnvoll empfunden. Peter Brendel sieht den Nutzen solcher Veranstaltungen auch darin, die Menschen zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe zu ermutigen. Immer mehr Menschen würden sich vom demokratischen Prozess abwenden, weil sie sich nicht vertreten fühlten.

Ob die Botschaft bei den eingeladenen Politikern angekommen ist, kann auch „Pro Arbeit“ nicht sagen. „Das kann man erst nach der Wahl sagen“, meint Renate Weidner. Trotz der ungewissen Lage geben sich Teilnehmer und Veranstalter kämpferisch. Eines ist jetzt schon klar: Aufgegeben haben sie noch lange nicht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert