Aachen - Gesine Schwan warnt vor dem Hamsterrad

Gesine Schwan warnt vor dem Hamsterrad

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Austausch zum Thema Frauenwahlrecht: Gesine Schwan, OB-Kandidat Karl Schultheis und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt im Ludwig Forum. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Noch 1902 wollte der preußische Innenminister die Polizei auf den Plan rufen, um Frauen von politischen Versammlungen fern zu halten. Die angeblich leichte Erregsamkeit der Frau war der Grund für dieses Ansinnen. Im November 1918 - vor 90 Jahren - bekam die Frau dennoch das aktive und passive Wahlrecht.

Grundlage dafür, dass Frauen wie Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Professorin Gesine Schwan, Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, heutzutage in vorderster politischer Reihe mitmischen können. Die Aachener SPD nahm das Jubiläum zum Anlass für eine politische Matinee am Sonntag im Ludwig Forum mit den beiden prominenten SPD-Politikerinnen.

Ulla Schmidts Karriere

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wurde die politische Karriere einzig durch die Frauenquote der SPD ermöglicht. „Ohne die Quote wäre ich 1989 nicht in den Bundestag gekommen”, berichtete sie den 150 Interessierten in der Mulde.

Dass sie so lange im männerdominierten „Haifischbecken” Gesundheitssektor tätig ist - sie leitet das Gesundheitsministerium seit acht Jahren und ist damit dienstälteste Gesundheitsministerin der Welt - führt sie auf ihre Sturheit und ihren Wissenshunger auch auf die politischen Machtstrukturen zurück. „Wissen ist Macht”, sagte sie in der von der Journalistin Bettina Staubitz moderierten Matinee.

Gesine Schwan ermutigte die Frauen, sich auf ihre eigenen Stärken zu besinnen. „Frauen sind in der Mehrheit vielleicht nicht so wettbewerbs- und konkurrenzorientiert wie Männer. Die Gesellschaft braucht aber dringend diesen weiblichen Einfluss.”

Die neuen Herausforderungen auf dem Weg zu einem gleichberechtigten Miteinander sehen Schmidt und auch Schwan in zwei Aspekten: Erstens dürfe Frau nicht ausschließlich gleichgesetzt werden mit Familie und Kind, zweitens müsse sich ein Bewusstsein für neue Lebensverläufe entwickeln. Schmidt: „Noch fallen die Zeiten der Familiengründung und der beruflichen Karriere zusammen. Das führt oft dazu, dass die Frauen die Kinder versorgen, während der Mann wissenschaftliche Aufsätze verfasst.” Der Karrierehöhepunkt müsse um ein paar Jahre nach hinten verlegt werden, damit Frau und Mann nacheinander Zeit für Familie und Karriere haben. Schließlich werde sich in Zukunft die Lebensarbeitszeit noch verlängern.

„Die Familie ist eine gesellschaftlich wichtige Aufgabe für Frauen und Männer”, bekräftigte Schwan. „Die ganzen organisatorische Errungenschaften zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf dürfen nicht als generöses Entgegenkommen gegenüber der Frau verstanden werden.”

Beide warnten vor einem Hamsterrad, in das Eltern leicht gerieten, wenn sie heute Beruf und Familie vereinbaren. „Da müssen wir umdenken. Die Familie ist ein unglaublicher Lernort. Wer Kinder groß gezogen hat, geht berufliche Herausforderungen viel gelassener und reifer an”, so Schwan.

Schmidt machte indes Mut: „Diese Diskussionen sind die schwierigsten unserer Zeit. Doch die Demografie macht Druck: Wir können keine Frau und keinen Mann mehr zurücklassen.” Und Schwan versprach: „Als Bundespräsidentin werde ich dieses gesellschaftliche Umdenken zu meinem Thema machen.”
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