Aachen - „Geschwister Scholl”: Nachmittage ab Sommer Pflicht

„Geschwister Scholl”: Nachmittage ab Sommer Pflicht

Von: Thorsten Karbach
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Ganztagsschule ist keine Spielerei, aber Spiele gehören zur Mittagspause: Die Lehrer Robert Quaschner (von links), Michael Vennemann, Ingrid Hüttner und Schulleiter Klaus Becker an der Spieleausgabe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Die Schule wird im Sommer Aachens erstes Ganztagsgymnasium. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Jedenfalls erzählt Lehrer Robert Quaschner begeistert von den langen Mittagspausen am Geschwister-Scholl-Gymnasium, wenn die Schüler vor der Spieleausgabe anstehen und nach dem Basketball oder einem Gesellschaftsspiel fragen.

In der großen Pause werden aus den Schülern richtige Spielertypen.

Spiele sind ein wichtiger Bestandteil der einstündigen Mittagspause, die die langen Schultage des Gymnasiums an der Stolberger Straße teilt. Und sie werden immer wichtiger, denn ab dem Schuljahr 2009/2010 wird das GSG (aktuell 530 Schüler) Aachens erstes gebundenes Ganztagsgymnasium. Ein Jahr später folgt das St. Leonhard.

Gebunden heißt, dass an der Schule für die neuen „Fünfer” an drei Nachmittagen verpflichtend bis etwa 15.55 Uhr Unterricht, Übungsstunden und Arbeitsgemeinschaften auf dem Stundenplan stehen: montags, mittwochs und donnerstags. Dann werden wohl noch mehr Schüler den Weg aus der Aula, links die Treppe runter, durch die Tür zur Spieleausgabe wählen.

Schulleiter Klaus Becker geht gerade in die umgekehrte Richtung - zu seinem Büro. Im übertragenen Sinne ist er sich so oder so ganz sicher, dass die Schule mit dem gebundenen Ganztag den richtigen Weg einschlägt. „Wir können viel intensiver arbeiten”, sagt er.

Schon jetzt wird am GSG ein modifiziertes Ganztagsmodell (weniger Nachmittage) umgesetzt und auch die für den Ganztag vorgesehenen 20 Prozent mehr Lehrer gibt es bereits. Genutzt werden die Angebote von mehr als der Hälfte der Schüler der Sekundarstufe I.

Als einen Tag vor den Weihnachtsferien das GSG die Zusage der Landesregierung unter den Weihnachtsbaum gelegt bekam, lagen Monate der Vorbereitung hinter einer Arbeitsgruppe. „Unser Konzept muss überzeugt haben”, sagt Becker stolz. Lehrer, Eltern und Schüler haben daran gearbeitet, nun liegt ein Stundenplan auf dem Tisch. So könnte er für die neuen Fünftklässler aussehen.

Neben den 28 obligatorischen Unterrichtsstunden (verstärkt Doppelstunden) gibt es zwei Stunden Projekt- und Förderunterricht, zwei Stunden Arbeitsgemeinschaften, drei Stunden Wochenplanarbeit und eine Klassenlehrerstunde. Macht 36 Stunden. „Wir können freier agieren”, sagt Lehrer Michael Vennemann.

Die Wochenplanarbeit ist neu. Dahinter steckt der Gedanke, den Schülern Raum für selbstständiges Arbeiten zu geben. Hier können sie beispielsweise Hausaufgaben bearbeiten, denn nach einem „langen Tag” dürfen keine Aufgaben für den nächsten Tag aufgetragen werden. Wenn um 15.55 Uhr der letzte Gong durch die Schule schallt, dann muss auch wirklich Schluss mit Schule sein.

Der Schritt zum Ganztagsgymnasium ist für Klaus Becker auch ein Schritt in die Zukunft der Schule. Zuletzt waren die Anmeldezahlen nicht gerade üppig. Nur 31 Schüler besuchen das fünfte Schuljahr, 13 mehr hätten es sein können, schafften aber die Qualifikation nicht. So wurde nur eine Klasse eröffnet - mit geteilten Lerngruppen in Deutsch, Mathematik, Englisch und Sport. Das ist definitiv zu wenig. Alle Schulen stehen angesichts rückläufiger Schülerzahlen auf dem Prüfstand.

Sichert der Ganztag dem GSG das Überleben? „Ich hoffe es”, sagt Becker. „Ich wünsche mir die Dreizügigkeit.” Im Februar läuft die nächste Anmeldewelle. „Wir werden über die Funktion einer Stadtteilschule hinausgehen”, glaubt Becker. „Wir halten das Konzept für zeitgemäß”, sagt Lehrerin Ingrid Hüttner.

Bis zum Sommer wird nun am Konzept gefeilt. Der Pavillon wird zur Baustelle, denn die Mensa wird von 60 auf 90 Plätze erweitert. Dort gibt es Mittagessen für die Schüler (2,20 bis 2,50 Euro). Und auch die Spielausgabe wird wohl erweitert. „Ich habe da schon eine kleine Wunschliste”, sagt Quaschner.
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