Aachen - Geschichte hören, fühlen und anfassen

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Geschichte hören, fühlen und anfassen

Von: Thorsten Karbach
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Den Aachener Frieden mit Holzklötzen nachverfolgen: Der Friedenssaal mit dem interaktiven Tisch ist Teil des „aufgemöbelten” Rathauses, das die erste Station der Route Charlemagne bildet. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. So ein Krönungsmahl kann ein richtiger Ohrenschmaus sein. Jedenfalls wenn die Technik mitspielt. Die „Technik” wurde in diesem Fall auf den Namen „Aixplorer” getauft und ist laut Professor Jan Oliver Borchers einmalig.

Der RWTH-Medieninformatiker hat mit seinem Team den Aixplorer, einen Audio-Video-Guide, erfunden und damit einen persönlichen Begleiter für jeden Besucher des Rathauses und damit der Route Charlemagne erfunden. Das Rathaus wird am Samstag mit einem Tag der Offenen Tür (14 bis 22 Uhr) als erste Station der Route Charlemagne eröffnet.

25 viersprachige Aixplorer warten dann auf die Besucher. Rund 100 sollen es in den nächsten Wochen werden. Unter dem speziell entworfenen Plastikmantel steckt ein I-Phone, also ein Mobiltelefon, das die Medieninformatiker für die Rathausbesucher weiter entwickelt haben.

Eigentlich funktioniert es wie jeder Museumsführer, nur ist die Technik viel intelligenter, weiß immer, wo sich der Besucher befindet, und bietet ihm für die verschiedenen Räume und den Marktplatz entsprechende Informationen in Bild und Ton an. Der „Ohrenschmaus” wartet dann aber im Krönungssaal. Dort entführt der Aixplorer zu einem mittelalterlichen Krönungsmahl.

Je nachdem, wo sich der Rathausbesucher befindet, hört er Gespräche, Musik oder die Schilderung eines Gesandten - nur ist das Krönungsmahl unsichtbar und wurde nur für die Ohren geschaffen. „Corona” hat das Borchers genannt, und es ist in der Tat so etwas wie die Krönung der ersten Station der Route Charlemagne.

Rund 250.000 Euro hat der Aixplorer gekostet, insgesamt wurde eine Million Euro investiert, wobei 80 Prozent vom Land kommen. „Eine kulturelle Verpflichtung wie dieses Rathaus kann man nicht im Ikea-Verfahren ausstatten”, sagt Oberbürgermeister Jürgen Linden. Will heißen: Im Rathaus wurde in allen Räumen geklotzt und nicht gekleckert.

Etwa im Friedenssaal. Hier wird sofort deutlich, warum der OB schwärmt, das Rathaus strahle in neuem Glanz. In kräftigem Rot sind die Wände gehalten, im Mittelpunkt steht ein weiteres Borchers-Werk. Ein großer Tisch mit einem Touchscreen - also einer Fläche, die mittels Berührung aktiviert wird - lädt ein, um mit Holzklötzen zu spielen.

Diese Klötze stehen für historische Figuren wie Maria Theresia oder den Earl of Sandwich, die eine Rolle beim Aachener Frieden spielten. Für die historische Aufbereitung saß Professor Alexander Markschies am Tisch. Der RWTH-Kunsthistoriker hat mit Borchers Hand in Hand gearbeitet.

Nun schieben sie beide die Holzklötzchen über den Tisch - und es erscheinen auf dem Bildschirm die unterschiedlichsten Verbindungen, die diese Personen zueinander hatten. Wenn sie die Klötzchen drehen, kommen immer wieder neue Informationen ans Licht -oder auf den Tisch. Etwa, dass der Earl of Sandwich „ein Mann zum Anbeißen war”.

„Hier werden Vergangenheit und Zukunft, Geist und Technik, Tradition und Innovation zusammengeführt”, ist OB Linden begeistert. Und den Ohrenschmaus hat er auch schon genossen.

Neue Infostelle im Haus Löwenstein

Eine neue Informationsstelle zur Route Charlemagne wird am Samstag im Haus Löwenstein eröffnet. Das Erdgeschoss wurde umgebaut, ist nun als Anlaufpunkt für die Route und damit als Nachfolger der Infobox auf dem Theaterplatz fertig. „Dieser Platz ist viel besser”, erklärt Marc Maurer, der die Route Charlemagne für die Stadt inszeniert.

Der Raum ist im Corporate Design der Route Charlemagne gehalten: Hochglanzschwarz, Kreideschwarz, Weiß und Gold. Es gibt eine Ausstellung zu den Stationen der Route, ein Modell der alten Pfalz und Infomaterial. Darunter auch zwei neue Flyer: einer über die Route, einer über das Rathaus (mit Texten von Georg Helg).

Vier Jahre bleibt das Infobüro nun in Haus Löwenstein, dann zieht es in das Centre Charlemagne am Katschhof (Verwaltungsgebäude), und Haus Löwenstein wird bis 2013 Station der Route Charlemagne zum Thema Wirtschaft.

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