Geschichte der Aachener Pfalz vor einer Neubewertung

Von: Thomas Kreft
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Aachen. «Was wissen wir eigentlich von der Aachener Pfalz?» Diese Frage stellte Dr. Lutz-Henning Meyer bei einem Vortrag im Aachener Geschichtsverein. Und zählte auf: Königshalle mit Granusturm, Verbindungsgang zur Pfalzkapelle mit dem großen rätselhaften Bau dazwischen, die Pfalzkapelle selbst und das Atrium davor.

„Das ist der Forschungsstand von vor 30 Jahren.” Meyer, der bis zu seiner Pensionierung vor anderthalb Jahren 27 Jahre lang
beim Rheinischen Amt für Denkmalpflege für Aachen zuständig war, führte eine Reihe Ansätze auf, mit denen man die Forschung über das Phänomen Pfalz wieder in Gang setzen könnte.

Auf einem Kupferstich von 1694, der die Stadt aus der Vogelperspektive zeigt, erkannte er als mögliche weitere Hinweise
zur Einfriedung eine verdächtige Rundung der Bebauung zwischen Münsterplatz und Schmiedstraße und eine Mauer direkt auf dem Platz. Mehr deute auf die Pfalz nicht hin.

Leo Hugot nahm seinerzeit an, dass der Pfalzbereich nach Osten mit einem Dreieck abschloss, das ungefähr bei den äußeren Häuserzeilen von Hof und Hühnermarkt endet. Dabei hätten jedoch die Kaiserthermen, die im Bereich Haus der Kohle/Mayersche Buchhandlung standen, außerhalb der Pfalz gelegen.

Das aber möchte Meyer nicht stehen lassen. Karl der Große sei ja
ausdrücklich wegen der heißen Quellen nach Aachen gekommen. Nun heißt es zwar, dass Karl mit hundert Leuten gebadet habe. Doch abgesehen davon, dass kein so großes Bad nachgewiesen ist, müssen die hundert Leute ja nicht alle gleichzeitig gebadet haben. Also, schließt Meyer, könnte die römische Therme noch intakt gewesen sein und für den Bedarf ausgereicht haben.

Entsprechend sei der Pfalzbezirk hier zu erweitern.
An die Kaiserthermen schließt sich nach Hugot ein viereckiger Platz an. Er könnte sich mit dem römischen Forum decken, das Stadtarchäologe Andreas Schaub dort neuerdings propagiert.

Was die Königshalle betrifft, wisse man bisher noch nichts über das Mauerinnere. Die Wände im Krönungssaal seien vielgestaltig mit zugemauerten Öffnungen und Vorsprüngen, die man nicht erklären könne.

Da müsse dringend geforscht werden. Spannend ist die Frage nach dem Wohnhaus des Herrschers. Ein bisher nicht beachteter Plan der Münsterimmunität von 1756 enthält im Bereich Hof/Foillanskirche Ziffern, die in der Legende so erläutert werden: „Das ist
der Platz, wo Karl seine Wohngebäude hatte.”

Meyer hält diesen Ort wegen der Tallage allerdings für unwahrscheinlich und favorisiert eine höher gelegene
Lage nördlich des Platzes im Bereich Hühnermarkt für wahrscheinlicher. Die Topographie habe sich allerdings verändert, das Bodenniveau sei heute teils mehrere Meter höher als zu Karls Zeiten.

Nun mahnt der Denkmalkundler die Zusammenarbeit über Aachen hinaus an. Ingelheim kann einen abgeschlossenen Pfalzbezirk vorweisen. Bei einer Begehung des Granusturms hat der dortige Grabungsleiter Holger Grewe Erkenntnisse für ein freigelegtes Turmfundament in Ingelheim gewonnen.

Ein gemeinsamer Arbeitskreis befasst sich deshalb mit den baulichen
Überbleibseln. Die Proben karolingischen Mörtels im Rheinischen Bodendenkmalamt enthalten im Gegensatz zu Aachener Proben kein Ziegelmehl, Estrichrelikte ausgenommen.

Auch in Ingelheim war der Mörtel anders beschaffen als in Aachen. Ein
Vergleich zeigt, dass alle karolingischen Pfalzen aus Grauwacke gebaut sind.

Aber Einhard hat zwei Kirchen in Seligenstadt und Steinbach aus Ziegeln bauen lassen. Fazit: Die Karolinger konnten mit Ziegeln bauen, haben aber die Pfalzen bewusst aus Grauwacke gebaut. Warum, das wisse man nicht - noch nicht.
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