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Gerissen: Gelber Sack macht sich dünne

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Hauchdünne Hülle für 6,2 Millionen Tüten Verpackungsmüll: Obwohl die neuen gelben Säcke auch nur 15 Mikrometer dick sind, sollen sie stabiler sein.
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Warnt vor zu hohen Erwartungen an die neue Sack-Generation: Dieter Lennartz vom Aachener Stadtbetrieb.

Aachen. Die gelben Säcke würden viele am liebsten in die Tonne treten. Vor allem an stürmischen Tagen fliegen die hauchdünnen Plastikbeutel zu Tausenden durch Aachen. Sie reißen, platzen auf – und der Wind bläst massenhaft Müll durch die Straßen.

Seit Jahren bemängeln Bürger nicht nur hässliche Abfallteppiche, sondern vor allem die mangelhafte Qualität der gelben Säcke. Ärger macht die – fehlende – Reißfestigkeit. Der private Versorger EGN hat nun den Sack-Hersteller gewechselt, was zu mehr Stabilität der federleichten Tüten führen soll.

„Wir lösen bei der Verteilung derzeit noch einige Altbestände auf, aber die neuen gelbe Säcke sind in einigen Stadtteilen schon in Gebrauch“, erklärt Dieter Lennartz vom Stadtbetrieb am Donnerstag auf AZ-Anfrage. Bloß: Augenscheinlich lassen sich die neuen Modelle von ihren Vorgängern kaum unterscheiden – jedenfalls was deren Aussehen angeht. „Ob die neuen Beutel wirklich weniger fragil sind, muss jetzt die Praxis zeigen“, sagt Lennartz. Dem Stadtbetrieb – sonst für die Abfallentsorgung in der Kaiserstadt verantwortlich – sind nämlich bei den gelben Säcken die Hände gebunden. EGN muss sich lediglich an die deutschlandweit geltenden Qualitätskriterien der Abfallentsorger im Dualen System halten. Vor allem aus Kostengründen sind die Plastikbeutel gerade mal 15 Mikrometer dünn. Das entspricht kaum der Hälfte eines normalen Müllsacks. Drei Cent kostet so ein gelber Sack – ergibt allein für die Beschaffung in Aachen 186.000 Euro pro Jahr, wie Lennartz vorrechnet. 2013 lieferte EGN 6,2 Millionen Stück. 15.000 bis 20.000 gelbe Säcke sammelt der Entsorger in der Kaiserstadt an jedem Werktag ein. Demnach kommen im 14-Tage-Rhythmus bis zu 200.000 Säcke zusammen. Etwa eine Million Säcke verschwinden somit auf Nimmerwiedersehen – oder tauchen womöglich auf wilden Müllkippen wieder auf.

Lennartz betont, die Stadt Aachen dränge bereits seit Jahren auf eine bessere Qualität der gelben Säcke. „Bei allem spielen die Kosten zwangsläufig eine Rolle“, räumt er ein. „Man muss aber auch sehen, dass die gelben Säcke ganz bewusst nicht so stabil wie herkömmliche Müllsäcke sein sollen, damit sie reißen, wenn unerlaubt schwere Abfälle hineingesteckt werden“, gibt der Geschäftsbereichsleiter Abfallwirtschaft und Stadtreinigung zu bedenken. Er warnt in Sachen Festigkeit vor zu hohen Erwartungen an die neue Sack-Generation. Und erinnert daran, welcher Verpackungsmüll in den gelben Beuteln landen darf: Kunststoffe wie Styropor, Plastiktaschen, Folien, Kunststoffverschlüsse von Flaschen und Gläsern, Joghurtbecher; dann Verbundverpackungen wie Milch- und Getränkeverpackungen, Vakuumverpackungen von Kaffee; weiterhin Konserven- und Getränkedosen, Alu-Verschlüsse, Folien sowie Deckel aus Aluminium (Joghurtbecher, Teelichter etc.).

Lennartz rät den Aachenern, die prallen gelben Säcke am jeweiligen Abholtag einigermaßen geschützt zu deponieren – etwa im Windschatten von Hauseingängen, Mäuerchen oder Hecken. Dass künftig wegen der stabileren Plastikbeutel bei deren Entsorgung rein gar nichts mehr bemängelt wird, glauben die Abfallexperten des Stadtbetriebs aber nicht.

Auch die mögliche Einführung von gelben Tonnen nach dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz sei in der Innenstadt problematisch. „In vielen Häusern und Kellern fehlt schlichtweg der Platz für eine weitere Tonne“, stellt Lennartz fest. Ohnehin läuft der EGN-Vertrag noch zwei Jahre. Ob die Stadt ihn danach mit den Säcken in die Tonne tritt, ist völlig offen.

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