Gerd Ramakers gestorben: Großer Einsatz für Sehbehinderte

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Aachen. „Wir wollen für alle Sehbehinderten da sein!“ Mit diesem Weckruf an die Mitglieder des von ihm 1965 gegründeten Vereins zur Förderung Sehbehinderter für den ehemaligen Regierungsbezirk Aachen leitete Gerd Ramakers 1992 eine neue Ära in der Vereinsgeschichte ein und öffnete die Selbsthilfeorganisation auch für betroffene Erwachsene.

Nach einer schweren Erkrankung ist Gerd Ramakers am 30. Januar kurz vor Vollendung seines 85. Lebensjahres gestorben.

Der Vater einer sehbehinderten Tochter machte die traurige Erfahrung, dass angemessener Schulbesuch und Förderung sehbehinderter Kinder in den 50er und 60er Jahren keinen Stellenwert hatten, ja dass von Sehbehinderung betroffene Kinder in Teilen sogar als nicht schulfähig galten. Mit seinem Moped bereiste Gerd Ramakers den alten Regierungsbezirk, suchte betroffene Eltern, um vor dem Hintergrund einer Bevölkerungszahl von einer Million Einwohnern die sehbehinderten Kinder zu finden, die von den Behörden als Mindestzahl für eine Schulgründung gefordert wurden.

Sein Beruf als Schriftsetzer bei der Aachener Volkszeitung und seine ausgeprägte Liebe zur Typographie setzte ihn in den Stand, öffentlichkeitswirksam für „seine“ Sehbehinderten zu werben und zu streiten. Als Ortsvereinsvorsitzender, aber auch auf Bundes- und Landesebene war er unermüdlich für diese von so vielen verschiedenen Krankheitsbildern und Behinderungsformen Betroffenen tätig. Sehbehindertengerechte Typographie und richtungweisende Gestaltung der von 1992 bis 2002 von ihm gesetzten und redaktionell von Robert Heuser verantworteten Sehbehinderten-Zeitschrift „Visus“ waren ein weiterer Meilenstein für Sehbehinderte.

Ein Höhepunkt dieser Arbeit war seine Rede am 6. Juni 1998 im Plenarsaal des Bundestags im alten Wasserwerk in Bonn anlässlich des ersten bundesweiten Sehbehindertenaktionstages. Zahlreiche Mitglieder seines Vereins in Begleitung des damaligen Bundestagsabgeordneten Armin Laschet waren nach Bonn gereist, um die Belange der Sehbehinderten machtvoll zu Gehör zu bringen.

Auch nach seinem Berufsleben setzte er seine Arbeit mit Musiknotensatz und dem Satz zahlreicher Bücher fort. Sein Engagement im geliebten Beruf des „Jüngers der schwarzen Kunst“ in der Ausbildung des Nachwuchses und dem Prüfungswesen für Schriftsetzer wie auch seine ehrenamtliche Arbeit für das Zeitungsmuseum, machten ihn zum leuchtenden Vorbild für alle, die mit ihm arbeiten und leben durften.

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