Geplatzte Künstlerträume: Patrick Süskinds „Der Kontrabass“ im Theater 99

Von: Svenja Pesch
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Foto: Andreas Schmitter / *Vorbericht, Theatergruppe KlartAIXt / Theater 99 Akut e.V., Aufführung "Der Kontrabass"* (Premiere 8.5.), im Theater 99, Gasborn 9-11, Hajo Mans Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Wenn sie schon mal hier sind, dann können sie sich das auch anhören.“ Eben. Denn was der vereinsamte Kontrabassist des Orchesters, das „Tuttischwein“, am dritten Pult zu berichten hat, ist eine durch den Alkoholkonsum geprägte Lebensbeichte.

In der neuen Inszenierung des Theaters Klartaixt, „Der Kontrabass“ nach Patrick Süskinds bekanntem Solostück unter der Regie von Rena Zieger, bekommt der Zuschauer im Theater 99 einen Einblick in das Leben des Kontrabassisten, der in seinem schallisolierten Akustikzimmer mit dem Orchester, dem Instrument, diversen Dirigenten und schließlich mit sich selbst hadert und abrechnet.

Dabei hat doch alles so schön begonnen. Denn was wäre ein Orchester ohne Kontrabass? Undenkbar! Der Kontrabass, der ist archaisch. Mit seiner fundamentalen Tiefe ist er etwas Besonderes. Beethoven zum Beispiel hat einige Klaviere zerschlagen, nie aber einen Kontrabass. Gut, den hat er ja auch nicht gespielt, aber selbst wenn, dann hätte er ihm nie etwas zu Leide tun können . . .

Der Kontrabassist, gespielt von Hajo Mans, hat nur leider gar nichts Glamouröses. Fernab der Orchesterarbeit hängen Anzug, Fliege und Lackschuhe in der Wohnung, während er in seiner freien Zeit, von der er reichlich besitzt, in Jogginghose, Sandalen und Feinrippshirt fast im Minutentakt zum Bierkasten greift. Und je mehr Alkohol fließt, desto ehrlicher, sarkastischer und schonungsloser rechnet er mit der Welt ab.

Im Kern ist der Kontrabass nämlich nur eins: Ein unfassbar scheußliches Instrument. Nein, noch besser. Es ist „ein Waldschrat-Instrument“. Eines, bei dem jeder Ton grauenvoll klingt. Was gibt es da im Orchester noch Schlimmeres? Überhaupt behindert dieses sperrige Ding ihn in seinem ganzen Leben. Ins Auto passt er nur so grade rein, in der Wohnung steht er mitten im Weg. Auch in der Liebe ist er hinderlich.

Wobei der Kontrabassist von Liebe lange nichts mehr mitbekommen hat. Und da ist er wieder: Der Moment, in dem man zwischen Mitgefühl und Lachen schwankt. Sarah, die Mezzosopranistin. Die ist eine Frau ganz nach seinem Geschmack. Doch statt die Zeit mit ihm zu verbringen, speist die junge Dame lieber Seezunge im Fischlokal mit schleimigen Kollegen. Dabei wäre mit ihm und bei ihm alles besser. Nur leider kennt Sarah ihn noch nicht mal. Er geht unter inmitten des Orchesters.

Kein Typ, der auffällt. Aber vielleicht passiert es genau heute Abend bei der Aufführung. „Sarah!“ – diesen so bedeutungsvollen Namen will der Kontrabassist herausschreien. Ob er es wirklich macht? Oder bleibt er doch gefangen in seiner einsamen Sicherheit?

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