Genüsse am Wegesrand: Unterwegs mit der Kräuter-Expertin

Von: Katharina Menne
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Wilden Kräutern auf der Spur: Die Wandertouren mit Dagmar Peters-Groth erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Foto: Katharina Menne

Aachen. „Ich lebe von Unkraut!“ Dagmar Peters-Groth lacht und hält drei kleine, grüne Blättchen mit leicht gezacktem Umriss in die Höhe. „Wer möchte mal probieren?“ Der Himmel über dem Aachener Indetal ist grau. Die Luft riecht nach frischem Grün und Regen. Doch das ungemütliche Wetter hat das gute Dutzend Teilnehmer der Wildkräuter-Wanderung nicht davon abgeschreckt.

Sie stapfen mit der 54-jährigen Kräuter-Expertin durch die Wiesen des Naturschutzgebiets, um etwas über wild wachsende, essbare Pflanzen zu erfahren. Denn was der Gärtner mit der Spitzhacke bearbeitet und verflucht, ist für sie eine Delikatesse. Löwenzahn, Gundermann, Giersch und Co landen bei ihr nicht auf dem Komposthaufen, sondern auf dem Teller.

Seit 2008 führt die gelernte Chemielaborantin auf immer neuen Wegen durch die Natur und möchte die Augen öffnen für die Delikatessen am Wegesrand. Und schon hat Dagmar Peters-Groth wieder etwas entdeckt und zeigt auf eine Ansammlung gefiederter Blätter mit leichter Behaarung am Stiel: „Wiesen-Bärenklau ist ein hervorragendes Wildgemüse“, sagt sie. „Jung macht er sich gut im Wildkräutersalat, ältere Blätter mag ich gerne gekocht als Beilage.“

Ein Stückchen weiter zeigt sie auf das nächste unscheinbare Pflänzchen: „Die Knoblauchsrauke schmeckt nach Knoblauch, hinterlässt aber keine Knoblauchfahne.“ Sie zerreibt die Blätter der Pflanze und lässt die Gruppe daran riechen.

Kräuterführungen darf in Deutschland grundsätzlich jeder anbieten. Die Gundermann-Akademie in Wachtberg bei Bonn bietet jedoch seit 2002 eine Ausbildung zum „zertifizierten Kräuterpädagogen“ an. Auch Dagmar Peters-Groth hat einen entsprechenden Kurs besucht und ist inzwischen selbst Referentin. Laut eigener Aussage hat die Gundermann-Akademie seit ihrer Gründung bereits rund 2500 Kräuterpädagogen ausgebildet, Tendenz steigend.

Waren es anfangs noch hauptsächlich Frauen ab etwa 40 aufwärts, die sich für diesen Öko-Trend interessierten, wurde die Zielgruppe in den letzten zwei Jahren stetig jünger – und sogar männlicher. „Es gibt ein großes Bedürfnis in der Bevölkerung nach natürlichen Produkten und naturnahem Anbau“, sagt auch Wolfgang Schuchert vom Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln. „Viele fragen sich, wie unsere modernen Kulturpflanzen überhaupt entstanden sind, oder möchten gar zurück zu den alten Formen.“ Manchmal werden Geschmackskomponenten sogar einfach weggezüchtet.

„Bei meinen Wanderungen sind die Teilnehmer jedes Mal überrascht, dass zum Beispiel Spitzwegerich eine leicht pilzige Note hat und Gundermann nach Pfefferminze schmeckt“, sagt Peters-Groth. „Die Leute sind diese Vielfalt gar nicht mehr gewohnt.“

Insbesondere Löwenzahn entpuppt sich als wahres Küchenwunder. Die Blätter machen sich gut im Salat, die Blüten können zu Sirup oder Bonbons eingekocht werden, die Wurzel eignet sich als Kaffeeersatz, und entgegen allen bösen Zungen ist der weiße Milchsaft kein bisschen giftig. Und damit nicht genug: Eine Heilpflanze ist er auch noch. Löwenzahn regt den Appetit an und bringt die Verdauung auf Trab.

Doch ganz ungefährlich ist das Sammeln wilder Kräutern nicht. Manche Pflanzen vom Wegesrand sind ungenießbar und verursachen Durchfall oder Übelkeit, andere sind sogar richtig giftig und führen im schlimmsten Fall gar zum Herzstillstand. So zum Beispiel das Maiglöckchen, dessen Blätter leicht mit dem knoblauchähnlichen – und völlig harmlosen – Bärlauch verwechselt werden.

Schuld an solchen Nebenwirkungen sind Toxine und andere Abwehrstoffe, die die Pflanze produziert, um sich vor dem Gefressenwerden zu schützen. Und das ist für manche Teilnehmer auch der Grund, warum sie die Kräuterführung gebucht haben. „Ich sammle schon eine ganze Weile Wildkräuter wie Bärlauch oder Löwenzahn und verarbeite sie zu Salaten oder Pesto. Doch an anderes habe ich mich bisher noch nicht herangetraut, weil ich Angst habe, sie zu verwechseln“, berichtet eine Teilnehmerin.

Und weil gegen manch unerwünschtes und unkontrolliert wucherndes Unkraut im Garten wie beispielweise Giersch einfach kein Kraut gewachsen scheint, hat die Kräuterpädagogin einen wirksamen Tipp: „Einfach ernten und aufessen.“

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