„Gemeinsam einsam“: Aachener Film bekommt große Bühne

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Präsentieren im Theater den Film „Gemeinsam einsam“: Kulturdezernentin Susanne Schwier (v.r.), Christian W. Rother, Präsident des Rotary Clubs Aachen, sowie die Volontärinnen des Zeitungsverlags Aachen Ines Kubat und Annika Kasties, die den Abend moderieren. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Gemeinsam einsam“, der jüngste Film der Aachener Filmemacher Michael Chauvistré und Miriam Pucitta sowie von rund zehn jungen Geflüchteten, ist bereits drei Mal mit einer überwältigenden Resonanz gezeigt worden. Jetzt sollen die „Geschichten vom Zusammenkommen“ – so der Untertitel – die ganz große Bühne bekommen.

„Wir geben diesem besonderen Projekt einen besonderen Rahmen“, freute sich Kulturdezernentin Susanne Schwier bei der Vorstellung des Film- und Talkabends am Montag, 15. Mai, im Theater Aachen, der Teil des Karlspreis-Rahmenprogramms ist. Dort können die Besucher nicht nur den Film anschauen, auch drei der Protagonisten stellen sich anschließend den Fragen von Ines Kubat und Annika Kasties, Volontärinnen des Aachener Zeitungsverlags.

„Es gibt viele Aachener, die sich für Flüchtlinge engagieren. Aber es gibt auch viele, die gern Kontakt zu diesen Neu-Aachenern hätten, aber nicht wissen, wie sie es anstellen sollen“, meinte Schwier. Am 15. Mai können sie zumindest drei dieser Menschen treffen: Zahra aus Eritrea, Tanzid aus Bangladesch und Hekmattulah aus Afghanistan. Die drei jungen Erwachsenen sind seit anderthalb bis vier Jahren in Deutschland.

Der Dokumentarfilm „Gemeinsam einsam“ schaut auf das Ankommen von ihnen und sieben weiteren jungen Geflüchteten, die sich in Aachen eine neue Heimat aufbauen wollen – mit einer Wohnung, Arbeit, Familie und Freunden. Es geht um das Zusammenkommen von Menschen aus verschiedenen Kulturen, um Liebe und Freundschaft, aber eben auch um Einsamkeit, denn das Zuhause der Kindheit ist weit weg, vielleicht sogar dauerhaft unerreichbar.

„Dieser Film gibt den Menschen ein Gesicht. Es bleiben Einzelschicksale“, sagte Kasties. Genau darauf wollen sie und ihre Kollegin Kubat eingehen: „Wie ist ihre heutige Situation? Treffen sie sich nur untereinander oder haben sie auch Kontakt zu Deutschen? Sind sie schon richtig angekommen?“, skizzierte Kubat mögliche Fragen. „Es geht uns um ihren Alltag.“

Diesen Alltag von jungen Geflüchteten, die zwar volljährig, aber eben noch nicht erwachsen sind, begleiten in Aachen in etwa 120 Fällen Paten, die über das Projekt „Aachener Hände“ des SKM vermittelt werden. Acht Rotary Clubs der Region unterstützen das Projekt mit über 100 000 Euro, die vor allem für die Ausbildung der Paten genutzt werden. „Dort geht es um eigene Grenzen, Kultursensibilität, aber auch ganz praktisches Wissen wie Ausländerrecht, Ansprechpartner in Behörden und so weiter“, erläuterte Schwier.

Die Finanzierung der Patenausbildung ist nur bis Mitte 2018 gesichert. „Deshalb versuchen wir jetzt schon, neues Geld dafür zusammenzubekommen“, erklärte Christian W. Rother, Präsident des Rotary Clubs Aachen. Denn von der Notwendigkeit einer Begleitung über die Volljährigkeit hinaus ist Rother überzeugt: „Die soziale Situation und damit die Integration ist deutlich besser, wenn die jungen Leute begleitet werden. Zum Beispiel haben 94 Prozent der Begleiteten eine Wohnung gefunden, bei Nicht-Begleiteten sind es nur 34 Prozent.“

Und auch Schwier weiß: „Wir verlieren die jungen Leute oft, wenn die Betreuung durch die Jugendhilfe mit 18 aufhören muss. Wohnungssuche, Ausbildung, Sprache – das alles geht besser, wenn sie nicht auf sich allein gestellt sind.“

Die Besucher des Filmabends im Theater können ihren Beitrag zu dieser Integrationshilfe leisten: Zum einen fließen die Eintrittsgelder in das Projekt, zum anderen ist vielleicht der ein oder andere zu einer Patenschaft bereit. „Es stehen 30 Geflüchtete auf der Warteliste, und irgendwann werden die 400 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die jetzt noch von der Jugendhilfe betreut werden, ebenfalls volljährig“, so Schwier.

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