Aachen - Gelebte Inklusion: Fest der Begegnung auf dem Katschhof

Gelebte Inklusion: Fest der Begegnung auf dem Katschhof

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
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Ein herzliches Miteinander: Auf dem Katschhof wird das Fest der Begegnung gefeiert.
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Wünscht sich mehr Hilfe, wenn sie nötig ist: Berit Lindner (rechts) im Gespräch mit Monika Zimmermann beim Fest der Begegnung. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Manchmal sind es die vermeintlich einfachen Dinge des Lebens, die einen berühren. Ganz besondere Momente zum Beispiel. Berit Lindner sitzt in einem goldenen Gewand und mit einer kleinen Krone auf dem Kopf auf einem herrschaftlichen Stuhl und erzählt Monika Zimmermann von ihrem ganz persönlichen Wunsch. Wenn sie einen Tag lang Königin von Aachen wäre, was würde sie sich wünschen?

Es ist nichts Materielles. Auch nichts Spektakuläres. Was sich Berit Lindner wünscht, ist einerseits so einfach, dass man sich fragt, wieso ihr der Wunsch nicht schon längst erfüllt worden ist, andererseits beinhaltet er aber auch eine gewisse Traurigkeit, die alle Zuhörer für einen kurzen Moment zum Schweigen bringt. „Ich wünsche mir, dass die Menschen freundlicher sind und mir auch helfen, wenn ich Hilfe brauche. Manche Passanten schauen nur und gehen weiter, andere helfen.“

Die vielgepriesene Inklusion ist eben doch mehr, als ein niedergeschriebenes Gesetz. Sie ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Deswegen werben die Behindertenverbände auf dem alljährlichen Fest der Begegnung auf dem Katschhof für mehr Begegnungen von Behinderten und Nichtbehinderten. Barrieren sollen so abgebaut werden.

Monika Zimmermann vom Inklusionsprojekt „Wir alle“ von der Aktion Mensch möchte von den Betroffenen selber wissen, was sie sich wünschen: „Wir möchten natürlich in erster Linie, dass Menschen mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich miteinander umgehen. Aber zudem wollen wir auf die Probleme aufmerksam machen, die es in diesem Bereich gibt und die Belange publik machen.“

Berit Lindner hat mit ihrem Rollstuhl nämlich noch so einige Probleme im Alltag. Unebene Strecken sind für sie Hindernisse, bei denen sie Hilfe braucht. Die Verbände wie der VKM, das Vinzenz-Heim, die Behindertenhilfe, die Lebenshilfe oder das Alexianer-Krankenhaus informieren die Besucher rund um ihre Tätigkeiten, und bei Kaffee und Kuchen kommt man ganz nebenbei ins Gespräch.

Wobei man bei dem Auftritt der Band „Rolling Bones“ des Vinzenz-Heims schon etwas lauter werden muss. Denn die Band weiß ganz genau, wie man rockt. Mit viel Spaß und tollen Texten heizen sie die Stimmung auf dem gut besuchten Fest ein. So mancher Besucher entscheidet sich dann doch, aus dem kurzen „einfach mal spontanem Vorbeigehen“ einen längeren Aufenthalt zu machen. Und schnell merkt man: Anders zu sein ist ganz normal.

Inklusion ist eben ein Begriff, der mit Leben gefüllt werden muss, damit er in die Tat umgesetzt werden kann. Dazu gehört auch das Helfen bei ganz alltäglichen Situationen. Um Berits Wunsch zu erfüllen bedarf es keiner großen Worte und Anstrengungen. Aber das Ergebnis ist dafür umso wertvoller.

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