Geldnot lässt den „Leuchtturm” bröckeln

Von: Stephan Mohne
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Pläne gekippt: Im Haus Löwenstein ist noch die Infosstelle der Route untergebracht. Aber was kommt danach? Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es war einmal ein „Bauhaus Europa”, das zum „Leuchtturm” der Euregionale 2008 werden sollte. Das Projekt scheiterte am Votum der Bürger. Ein Hauptargument gegen das Megaprojekt am Katschhof: die Finanzen, genauer: die bis dahin ungeklärten Folgekosten.

Der städtische Etat war seinerzeit ziemlich am Boden. Es folgte: das nächste „Leuchtturm”-Konzept namens „Route Charlemagne” mit vielen Einzelstationen zu vielen Einzelthemen. Doch auch dieses Projekt wird jetzt - da die Euregionale schon zwei Jahre zurückliegt - deutlich abgespeckt. Der Grund: natürlich die Finanzen.

Sie sind bei der Stadt einmal mehr am Boden. Und nicht minder beim wichtigen Zuschussgeber Land NRW. Von den ursprünglich geplanten knapp 34 Millionen Euro sollen nun nur noch rund 25 Millionen ausgegeben werden. Mit entsprechenden Verlusten an Projekten.

Kürzung beim Marketing

So ist es einer Verwaltungsvorlage zu entnehmen, die morgen im Kulturausschuss und später im Haupt- und im Planungsausschuss zur Beratung ansteht. Die Verwaltung schlägt vor, die Station „Religion” in St. Paul fallen zu lassen, ebenso die Station „Wirtschaft” im Haus Löwenstein und den „Euregio-Park” an der Jesuitenstraße. Außerdem soll es deutliche Einschnitte bei der „Achse der Wissenschaft”, beim Marketing und bei den Infopunkten sowie der Beschilderung geben. Ein Überblick über den Sachstand:

Centre Charlemagne: Die zentrale Anlaufstelle im Verwaltungsgebäude Katschhof ist das Hauptprojekt der Route. Auch hinsichtlich der Kosten, die bei über 15 Millionen Euro liegen. Mit dem Umbau des Hauses ist gerade begonnen worden. Er soll etwa zwei Jahre dauern. Insbesondere soll sich diese Station der Geschichte widmen. Einerseits ist eine Dauerausstellung quer durch die Aachener Geschichte seit Karl vorgesehen.

Andererseits soll es Wechselausstellungen geben. Angedacht ist zum Beispiel eine hochwertige Schau zum 1200. Todestag Karls im Jahr 2014. Im Foyer soll die zentrale Anlaufstelle der Route Charlemagne eingerichtet werden, soll es einen Überblick über die Struktur der Altstadt geben und man soll auf die übrigen Stationen verwiesen werden. Museumscafé und -shop, ein Auditorium oder auch ein museumsdidaktischer Bereich sollen das Angebot abrunden.

Rathaus: Das Rathaus wurde als erste Station der Route fitgemacht. Sie wurde im Juni 2009 eröffnet. Unter anderem gibt es ganz neue Präsentationstechniken. Zum Einsatz kommt auch das mit der TH entwickelte „Aixplorer-System”, eine Art weiterentwickelter Hightech-Audioguide. Ferner wurden im Rathaus einige Räume leergeräumt und zugänglich gemacht. Bilanz der Verwaltung bisher: Das Angebot sei von den Besuchern angenommen und überwiegend positiv bewertet worden. Die Besucherzahlen und die Einnahmen lägen höher als im Vorjahreszeitraum. Kostenpunkt der Station: 1,2 Millionen Euro.

Dom: Der Dom ist kein integraler Bestandteil der Route, wird aber ebenso wie die Domschatzkammer und die neue Dominformation „mit Zustimmung des Domkapitels” doch „als Station der Route Charlemagne definiert”. Dies sei, so die Verwaltung, für das Gesamtprojekt von hoher Bedeutung.

Zeitungsmuseum: Im Zeitungsmuseum an der Pontstraße wird die zweite Station der Route Charlemagne dieses Jahr öffnen. Kosten: knapp 3,6 Millionen Euro. Im ersten Obergeschoss wird es fünf Ausstellungsräume geben. Als moderne Elemente gibt es zum Beispiel Vitrinen, deren Exponate erst bei Berührung der Oberfläche sichtbar werden.

Grashaus: In Aachens erstem Rathaus am Fischmarkt, in dem noch das Stadtarchiv untergebracht ist, findet das Thema „Europa” - verknüpft mit dem Thema Kinder- und Jugendbeteiligung als „Haus des europäischen Lernens” - statt. Wann das Projekt umgesetzt wird, ist auch abhängig vom Zeitpunkt des Umzugs des Stadtarchivs zum Reichsweg. Mit der Fertigstellung wird erst 2013 gerechnet, kosten soll das Ganze 2,2 Millionen Euro.

Haus Löwenstein: Dort war die Station „Wirtschaft” vorgesehen, die nun aber gestrichen werden soll. Derzeit befindet sich dort die Infostelle der Route Charlemagne, die später ins „Centre” umziehen wird. Auch die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Seite der Stadtentwicklung soll ersatzweise im Centre Charlemagne stärker berücksichtigt werden. Es gibt Überlegungen, demnächst im Haus Löwenstein das neue große Stadtmodell auszustellen. Der Verzicht auf die Station würde 1,3 Millionen Euro sparen.

St. Paul: Dort war eine der größten Stationen - jene zum Thema „Religion” - geplant. Auch diese Station steht auf der Streichliste, womit man rund 3,9 Millionen Euro sparen würde. Das wichtige Thema Religion bleibe, so die Stadt, durch den Dom, die Domschatzkammer und die künftige Dominformation erhalten. Allerdings falle die „Thematik des interreligiösen und interkulturellen Dialogs” dann innerhalb der Route unter den Tisch. Die stadtgeschichtliche Seite des Themas sei hingegen ist in den Planungen zum Centre Charlemagne enthalten.

Achse der Wissenschaft und SuperC: Ganz verzichten könne man darauf nicht, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Schließlich sei die beabsichtigte Verknüpfung von Hochschule und Innenstadt von großer Bedeutung. Statt rund eine Million sollen aber nur noch etwa 200000 Euro ausgegeben werden. Auf teure Freiluftexponate soll verzichtet werden.

Elisengarten: Der Umbau ist fast abgeschlossen, es folgt noch die - hinsichtlich ihrer Kosten von knapp 800.000 Euro umstrittene - archäologische Vitrine.

Euregiopark: Diese Konstruktion mit Amphitheatern und Großleinwand wird es nicht geben. Schon deswegen, weil der Erweiterungsbau des Leonhard-Gymnasiums diese Planungen nicht mehr zulässt. Der Kerngedanke des Parks, „die symbolische Darstellung der Sprachenvielfalt in der Euregio”, soll im Schulbau und den umliegenden Freiflächen mit mehreren „Thronen” dargestellt werden. 600.000 Euro werden eingespart.

Aixplorer: Der audiovisuelle Führer soll über den Einsatz im Rathaus hinaus auf andere Stationen ausgeweitet werden.

Marketing und Information: An diesem Punkt soll der Rotstift kräftig angesetzt werden. Eine Projektleiterstelle (53.000 Euro), ein Infokubus am Theater (126.000 Euro) und aufwändige „Infopoints” (440.000 Euro) sollen gestrichen werden. Die Beschilderung der Route (366.000 Euro) fällt aus dem Etat und müsste extra im städtischen Haushalt verankert werden. Für Marketingmaßnahmen sind statt knapp 1,5 Millionen nur rund 470.000 Euro vorgesehen.

Unter dem Strich: Insgesamt sollen die Maßnahmen rund 8,4 Millionen Euro sparen. Da 80 Prozent davon aus Töpfen der EU und des Landes kommen sollten, liegt der gesparte Betrag der Stadt bei rund 1,7 Millionen Euro.
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