Aachen - Geldautomaten gesprengt: Fliegende Tresortüre zerfetzt Bürowand

Geldautomaten gesprengt: Fliegende Tresortüre zerfetzt Bürowand

Von: Robert Esser und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
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Gewaltige Explosion: Zwei Geldautomaten der Deutschen Bank an der Ecke Pontwall / Wüllnerstraße wurden gesprengt und ausgeräumt. Foto: Michael Jaspers, Ralf Roeger, Andreas Herrmann
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Bei der Explosion entstand hoher Sachschaden – auch bei Nachbar Markus Jussen, in dessen Büro die Tresortüre landete. Foto: Michael Jaspers, Ralf Roeger, Andreas Herrmann
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Lebensgefahr: Fassadenteile und große Fensterscheiben wurden direkt neben der Agentur Grafikgarten auf die Straße geschleudert. Foto: Michael Jaspers, Ralf Roeger, Andreas Herrmann

Aachen. Die zentnerschwere Tresortür durchschlug die Wand, sprengte einen mannshohen Heizkörper aus dem Weg und landete mehrere Meter weiter direkt vor dem Schreibtisch von Markus Jussen. Der Inhaber der Werbeagentur Grafikgarten am Pontwall 2 hat seine Büroräume direkt neben der Automatenfiliale der Deutschen Bank an der Ecke Wüllnerstraße, die am frühen Dienstagmorgen das Ziel von Bankräubern wurde.

Sein Büro ist arbeitsfähig, aber das Umfeld nebenan ist komplett verwüstet. Bankterminals wurden zerstört, meterhohe Scheiben sowie Fassadenplatten aus der Wand gerissen, die Eingangtür zerborsten, Wände und Decken demoliert. Ursache der Zerstörung war eine schwere Explosion, die die Anwohner im Pontviertel gegen 4.15 Uhr aus dem Schlaf riss.

Explosives Gas gezündet

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen sprengten bislang unbekannte Täter die beiden Geldautomaten mit Hilfe von Gas. Das komplette Inventar in dem Serviceraum wurde durch die Sprengung schwer beschädigt – neben den beiden Geldautomaten auch zwei Kontoauszugsdrucker. Hinter den Bankautomaten ist die DB-Filiale von den Webeagentur-Büros nur durch eine Rigipswand getrennt.

Dort klafft nun ein metergroßes Loch, das die Tresortüre bei ihrem Flug gerissen hat. „Die Zerstörungen sind gewaltig. Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn jemand in unserem Büro gewesen wäre“, sagt Jussen. „Normalerweise überraschen wir mit unserer Werbung, diesmal wurden wir überrascht“, sagt er. Und ist froß, dass niemand verletzt wurde und er seine Kunden ohne Einschränungen weiter betreuen kann.

Nachbarn und Polizei beschreiben den lebengefährlichen Vorgang aus der Nacht so: Kurz nach der Explosion verließen nach Zeugenangaben vermutlich vier maskierte und dunkel gekleidete Täter – augenscheinlich mit Beute – das Bankgebäude, stiegen in einen dunklen Audi RS 6 und ergriffen die Flucht.

Zu dem Fluchtwagen gibt es erstaunlich genaue Angaben, sogar das Bonner Kennzeichen BN-Z 910 des zuvor gestohlenen Fahrzeugs hatten Zeugen erkennen können. Gleichwohl blieb die sofort eingeleitete Fahndung nach den Tätern, die in enger Zusammenarbeit mit der belgischen und niederländischen Polizei und unterstützt von einem Hubschrauber anlief, bislang ohne Erfolg.

Über die Höhe der Beute und des Sachschadens machte die Polizei am Dienstag keine Angaben. Es werde ohnehin noch geprüft, ob nicht auch die Bausubstanz des Gebäudes in Mitleidenschaft gezogen wurde. Glück im Unglück für Agenturchef Jussen: Die Deutsche Bank kündigte an, den angerichteten Schaden möglichst unbürokratisch regulieren zu wollen.

DB-Direktor Michael Kaps, Sprecher der Geschäftsleitung Aachen, machte sich schon am frühen Dienstagmorgen selbst ein Bild vor Ort und sicherte den in Mitleidenschaft gezogenen Nachbarn des Angriffsziels seine Unterstützung zu. „Wir wollen hier schnellstmöglich alles wieder in Ordnung bringen“, sagte er. Bis dahin können DB-Kunden zur Postbank am Pontdriesch oder zur Aachener DB-Zentrale am Elisenbrunnen ausweichen.

70 Sprengattacken gezählt

In Düsseldorf aktualisierte das Landeskriminalamt (LKA) derweil seine Liste der Tatorte, an denen in Nordrhein-Westfalen Geldautomaten gesprengt worden sind oder dies versucht wurde. Es ist eine lange Liste, auf der die gestrige Aachener Tat nun die Nummer 70 ist.

So viele Sprengattacken zählt man in Düsseldorf zu einer aktuellen Serie, die am 14. März vorigen Jahres in Selfkant ihren Anfang nahm und deren Ende trotz jüngster Ermittlungserfolge – kurz vor Weihnachten wurden im Ruhrgebiet drei Männer festgenommen – nicht absehbar ist. Beim LKA ist eigens eine Ermittlungskommission eingerichtet worden, um die Taten zu stoppen. Man geht davon aus, dass mehrere Banden am Werke sind.

Die Stadt Aachen taucht mit dem gestrigen Fall im Übrigen zum ersten Mal auf der Liste auf. Auch drei Fälle in Alsdorf, Herzogenrath und Würselen sind dort verzeichnet. In der Regel werden dabei die Schlitze der Automaten zugeklebt, dann explosives Gas eingeleitet und gezündet. Dem Vernehmen nach handelte es sich bei den DB-Geldautomaten bereits um „Geräte der 2. Generation“, wie ein Sicherheitstechniker mitteilte. Stand hielten sie der gewaltigen Explosion nicht.

Anders bei dem gescheiterten Sprengversuch in der Sparkassenfiliale in der Reimser Straße in Preuswald: Dieser taucht nicht auf der LKA-Liste auf. Was wohl daran liegt, dass diese Tat von der Art der Begehung, vom „modus operandi“ her, nicht in die Serie passe, erklärte LKA-Sprecherin Nadja Kwasny auf Anfrage.

Gleiches gilt auch für die spektakuläre Attacke auf den Hit-Markt an der Krefelder Straße, als unbekannte Täter vergebens versuchten, in der Eingangshalle des Supermarktes mit einem Abschleppseil einen Geldautomaten aus der Verankerung zu reißen.

Unterdessen geht die Suche nach den Tätern vom Dienstagmorgen weiter. Die Kripo bittet weitere Zeugen, sich unter 0241/9577-31501 sowie außerhalb der Bürozeiten unter 0241/9577-34210 zu melden.

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