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Geld verbrannt: Silvestermüll ist drei Mal so teuer

Von: Robert Esser
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Ausgebranntes Feuerwerk: 75 Stadtreiniger sammelten gestern tonnenweise Müll ein. Foto: Michael Jaspers
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Rekordverdächtig: Mancherorts wurde so viel Feuerwerksmüll wie noch nie zuvor eingesammelt – wobei der Trend zu Böller-Batterien positiv ist. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für Markus Sonntag riecht der Feiertag übel nach Arbeit. Auch sein Wunsch fürs neue Jahr, weniger Getöse, hat sich nicht erfüllt. Wieder mal. Mit Besen und Schaufel wuchtet der Teamleiter eines städtischen Reinigungstrupps mit dutzenden Kollegen seit der Silvesternacht tausende Kilogramm Feuerwerksmüll auf die Pritschenwagen. Rekordverdächtig.

Dass die Böllerei zum Jahreswechsel regelmäßig die ganze Stadt in ein Schlachtfeld verwandelt, hat seinen Preis. Nicht nur für die Männer des Stadtbetriebs und die Menschen, die zuvor Hunderttausende Euro in Knaller und Raketen investiert haben. Denn was nun über Quadratkilometer an matschigen Überresten der funkelnden Pracht mühsam vom Boden gekratzt und abtransportiert wird, kostet bei der Entsorgung drei Mal so viel wie normaler Straßenabfall.

„Das Problem ist, dass recyclingfähiger Straßenabfall maximal 20 Prozent Restmüll enthalten darf“, erklärt Bereichsleiter Dieter Bohn. Dank ungezählter Raketenhülsen und ausgebrannter Knallerfetzen wird die Quote gesprengt. Bohn zieht im Stadtbetrieb Bilanz: Rund 13 Tonnen Silvestermüll landen diesmal in den Extra-Containern. Die Verfeuerung in der Müllverbrennungsanlage Weisweiler schlägt mit tausenden Euro zu Buche.

Wobei Aachen in Sachen Silvestermüll eine seltsame Spitzenposition erklimmt. Zum Vergleich: Frankfurt – mit knapp 700.000 Einwohnern drei Mal so groß wie Aachen – produziert nicht mal die doppelte Müllmenge der Kaiserstadt. Und in der Studentenstadt Münster – mit knapp 300.000 Bürgern über 50.000 Köpfe stärker als Aachen – kamen dieses Jahr gerade mal 4,5 Tonnen Raketen- und Böllerabfall zusammen. „Wie niedlich“, kommentiert Bohn. „Da haben wir hier wirklich mit anderen Dimensionen zu tun.“

Schon am Neujahrsmorgen um 7 Uhr quälten sich 20 Mann der Stadtreinigung und eine Großkehrmaschine über die Pontstraße. „Fast alles muss in Handarbeit zusammengekehrt und aufgelesen werden“, erklärt Bohn. „Die Holzstäbe ausgebrannter Raketen würden die Kehrmaschine schnell verstopfen.“ Später waren weitere 22 Mitarbeiter im Einsatz. Am gestrigen Donnerstag rückten 75 Kräfte des Stadtbetriebs mit zehn Kehrmaschinen und sechs Pritschenwagen aus. Ausnahmezustand. Besonders schlimm präsentierten sich den Reinigungstrupps die Monheimsallee, die Brücke der Turmstraße, der Lousberg und das Ostviertel.

„In manchen Vierteln war nichts mehr vom Straßenbelag zu sehen“, schildert Sonntag. Sein Kollege Hardy Sistemich ergänzt: „Zwischen Monheimsallee und Spielcasino war‘s so dreckig wie noch nie.“

Dabei gibt es durchaus positive Aspekte. Das Wichtigste: Es gab keinen Schnee, der starke Wind der vergangenen Tage ließ nach, und der Boden war feucht. „Dadurch fliegt uns der Müll nicht um die Ohren und kann kontrolliert gesammelt werden“, erklärt Bereichsleiter Bohn. „Vorteilhaft ist auch der Trend zu Feuerwerksbatterien, die ganze Raketenserien aus Boxen abfeuern“, sagt Sonntag. „Die ausgebrannten Pakete kann man leichter einsammeln als all die Einzelraketen“, stellt der Fachmann fest. Zudem: „Früher hat so mancher Privat-Sprengmeister neben Sperrmüll am Straßenrand auch unsere Abfallkörbe in die Luft gejagt“, sagt Bohn. „Aber die neuen Modelle sind stabiler, haben gehalten“, freut sich der Bereichsleiter, der sonst den Winterdienst organisiert. Apropos: 800 Tonnen Salz schlummern in den Depots. Übernächstes Wochenende sollen die Temperaturen fallen. Nicht nur für Sonntag verheißt das erneut Arbeit. Frei nach dem Motto: „Wer nicht kehrt, der räumt.“ Mal wieder.

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