Aachen - Geld kommt aus der Römerstraße

Geld kommt aus der Römerstraße

Von: Philipp Schröders
Letzte Aktualisierung:
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Peter Schmitz und seine Kollegen von der Bundesbank-Filiale sorgen dafür, dass die Aachener immer Geld im Portemonnaie haben. „Blüten” zieht der Falschgeldexperte sofort aus dem Verkehr. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Vor dem Eingang des riesigen Betongebäudes an der Römerstraße steht ein schreiender Mann aus Bronze. Abgüsse der Skulptur des „Rufers” von Gerhard Marcks sind an verschiedenen Orten der Welt aufgestellt. In Berlin trägt der Sockel der Statue die Gravur: „Ich gehe durch die Welt und rufe Friede Friede Friede”. In Aachen scheint der Rufer eher zu schreien: „Bringt mir eure alten D-Mark-Noten.”

Er steht nämlich direkt neben dem Eingang der „Filiale Aachen der Deutschen Bundesbank”. Hier besteht die Möglichkeit, alte D-Mark-Bestände loszuwerden und gegen neue Euros zu tauschen. Aber die ehemalige Landeszentralbank hat noch viele weitere Aufgaben.

Der Weg ins Gebäude führt durch eine große Eingangspforte. Hier wartet der Pförtner hinter einer dicken Glasscheibe. Bei ihm müssen alte D-Mark-Bestände angemeldet werden. Der Geschäftsraum befindet sich im ersten Stock. Schon auf dem Weg dorthin liegen mehrere verschlossene Türen. Schilder signalisieren: videoüberwacht!

Noch immer kommen jeden Tag etwa 20 Kunden in die Filiale, um zu tauschen. Jeder bringt dabei durchschnittlich 500 D-Mark mit. „Die meisten haben kleinere Beträge, doch bei Wohnungsauflösungen kommen immer wieder größere Summen zum Vorschein”, sagt Peter Schmitz, Leiter der Abteilung Bargeldverkehr.

Der korrekte Finanzmann ist Experte für Falschgeld. Geschickt dreht er unechte Scheine hin und her und erklärt dabei Sicherheitsmerkmale wie Wasserzeichen, Papiermaterial und Hologrammelemente. Er und andere Mitarbeiter gehen zu lokalen Kreditinstituten und Einzelhändlern. Dort unterrichten sie Kassenkräfte bei Falschgeldschulungen.

„Mit etwas Übung kann jeder Kassierer anhand unseres Schemas âFühlen, Sehen, Kippen´ mit ein paar Handgriffen feststellen, ob die Banknote unecht ist.” Diese Schulungen sind aber nur ein kleiner Teil seiner Aufgaben. „Operatives Geschäft” bedeutet bei der Bundesbank in Aachen, die Bevölkerung und Wirtschaft mit Bargeld zu versorgen oder es wieder aus dem Verkehr zu ziehen.

Werttransportunternehmen holen bei großen Unternehmern die Tageseinnahmen ab und bringen diese direkt zur Bundesbank. „Die Unternehmen haben zwar ihr Konto bei einem lokalen Kreditinstitut. Diese Geldhäuser verfügen aber nicht über die Kapazitäten, um so große Bargeldbestände zu lagern”, erklärt Schmitz.

Im Haus werden alle Scheine dann von Mitarbeitern in so genannte „Multistückelungsmaschinen” geworfen. Diese Wunderwerke der Technik bekommt kaum jemand zu Gesicht - sie stehen in einem Sicherheitstrakt.

Mit einer Geschwindigkeit von 18 Stundenkilometern werden die Scheine durch die Maschine gejagt, sortiert und gebündelt wieder ausgespuckt. Aber der Apparat kann mehr: Pro Sekunde werden 20 Scheine auf ihre Echtheit und Umlauffähigkeit überprüft. Sind die Noten zu sehr verdreckt, werden sie sofort in ca. 800 kleine Teile geschreddert und zu handlichen Briketts gepresst.

Unechte Scheine wirft die Maschine in ein Fach aus. Sie werden nach Mainz ins nationale Falschgeldzentrum geschickt.Von der Filiale aus sichern die Mitarbeiter den Geldumlauf in Aachen, Heinsberg, Düren und Euskirchen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die meisten Scheine und Münzen, die die Aachener Bürger im Portemonnaie haben, direkt oder indirekt aus unserer Filiale stammen ist sehr hoch”, sagt Schmitz.

Im Bereich des bargeldlosen Zahlungsverkehrs bietet die Filiale Konten für Kreditinstitute in ihrem Geschäftsbereich an. „Wir sorgen hier für eine reibungslose, schnelle und sichere Abwicklung sowohl im Inland wie im Ausland”, sagt Schmitz. Aber auch öffentliche Kassen, zum Beispiel das Finanzamt, die Gerichtskasse und die Stadtkasse, haben ihr Geld bei der Bundesbank geparkt. „Nur Normalbürger können bei uns leider kein Konto eröffnen.”
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