Aachen - Gekündigt: Im Malteserkeller gehen bald die Lichter aus

Gekündigt: Im Malteserkeller gehen bald die Lichter aus

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Malteserkeller
Nach 54 Jahren muss der Malteserkeller am 31. Dezember dieses Jahres seine Türen schließen.

Aachen. „50 Jahre und kein bisschen leise”, lautete die Schlagzeile in der AZ, als der Malteserkeller im Oktober 2007 sein goldenes Jubiläum feierte. In der Tat, klagen die Bewohner des Hauses Malteserstraße 14-16 nicht erst seit damals.

Die kultige Klangkatakombe direkt unterm benachbarten Partypflaster Pontstraße hat, von wegen Lärmpegel, seit Jahr und Tag nicht nur Fans.

Jetzt - nach über fünf Jahrzehnten Live- und Partykultur im Untergrund - stellt die Besitzerin des Objekts dem Malteserkeller e.V. die Barhocker vor die Tür. „Bereits zum 30. Juni müssen wir dichtmachen”, erklärt Vereinsvorsitzende Anne Heyer. „Und wir haben momentan noch keine Ahnung, wie es weitergehen könnte.”

Keinesfalls jedoch im kultigen Kneipengewölbe, das als eine der Keimzellen des modernen Live-Jazz in Deutschland schlechthin gelten darf. „Es tut mir von Herzen Leid”, erklärt Elisabeth Steinmetz, die das Objekt vor über 30 Jahren von ihrem Vater übernommen hat.

„Aber die Beschwerden über Lärm und Dreck im Umfeld sind nicht abgerissen. Die Wohnung im Parterre steht seit langer Zeit leer - ein Mieter ist bei dieser Situation praktisch nicht zu finden. So konnte es einfach nicht weitergehen.”

Das sehen auch und vor allem die Bewohner der dritten Etage des Mehrfamilienhauses so. „Wenn unten Partys veranstaltet werden, wackelt regelmäßig das gesamte Treppenhaus. Vor allem am Wochenende ist der Lärm bis in den frühen Morgen hinein nicht auszuhalten”, berichtet eine langjährige Mieterin auf Anfrage.

Dabei habe man vor allem die meist jungen Partygäste immer wieder angehalten, sich zumindest beim Verlassen des Kellers möglichst ruhig zu verhalten, betont Anne Heyer. „Wir haben sogar regelmäßig selbst vor der Haustür saubergemacht.”

Und auch von Seiten der Stadt seien seit langem keine einschlägigen Klagen mehr an den Verein herangetragen worden - was der Leiter des Ordnungsamts, Detlev Fröhlke, auf Anfrage bestätigt.

Gleichwohl habe die Hausbesitzerin vor wenigen Tagen die Konsequenzen aus einer Veränderung der Kündigungsfristen gezogen, die bereits 2004 mit der Initiative vereinbart worden sei - und den Vertrag zur Jahresmitte gekündigt.

Damit dürften die Tage einer der ältesten und prominentesten Live-Institutionen im Grenzland, die Generationen von Musikfreunden und Fans der dereinst durchaus subversiven Tresenkultur geprägt hat, endgültig gezählt sein.

Und die Zeiten des beständigen Kampfes ums Überleben; spätestens, seit der „Keller” Mitte der 90er Jahre im Zuge der Schaffung der benachbarten „Milchstraße” bereits einmal ein rundes Jahr lang buchstäblich in der Versenkung verschwunden war und vor rund zehn Jahren durch einen neuen Förderverein ans Licht der Öffentlichkeit zurückgeholt wurde.
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