Aachen - Geheimakte Kurhaus: Grüne auf der Palme

Geheimakte Kurhaus: Grüne auf der Palme

Von: Robert Esser
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Reichlich Potenzial, keine konkreten Pläne: Wie es nach dem Auszug der Spielbank im Neuen Kurhaus an der Monheimsallee weitergeht, ist ungewiss. Das Eurogress hat einen „Plan B“ vorgelegt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Sogar die Länge der Tagesordnung ist im Betriebsausschuss für das Eurogress geheim. Wie die Zukunft des Neuen Kurhauses an der Monheimsallee nach dem Umzug des Spielcasinos in den Tivoli zum Sommerbeginn 2015 aussehen könnte? Darüber grübeln Politiker von CDU, SPD und FDP mit der Verwaltungsspitze lieber hinter verschlossenen Türen.

Was Hermann Josef Pilgram (Grüne) am Dienstag als einziges Mitglied des hier zuständigen Betriebsausschusses für das Eurogress scharf kritisierte: „Ich verstehe nicht, warum Sie hier ohne Not immer mehr Tagesordnungspunkte unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandeln“, sagte er.

Doch Ausschussvorsitzender Klaus-Dieter Jacoby (CDU) blieb bei der Linie, die seit Beginn der großen Koalition in immer mehr politischen Gremien der Stadt Aachen konsequent durchgezogen wird. Kritisches und Unangenehmes soll möglichst nicht in die Öffentlichkeit gelangen. So durfte der technische Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements trotz Pilgrams Einwurf nur hinter verschlossenen Türen (unter anderem) über die mangelhafte Elektrik in der Immobilie berichten – wie die Aachener Zeitung nach der geheimen Ausschusssitzung telefonisch erfuhr. Es geht insgesamt um viele Millionen Euro.

Tatsache ist, dass der Ausschuss immer noch völlig ahnungslos ist, wie es mit der Immobilie Neues Kurhaus ab Sommer weitergehen soll. Eigentlich soll das Spielcasino nach einer rund zweijährigen Sanierungs- und Umbauphase wieder einen Teil des altehrwürdigen Stammsitzes im Kurpark belegen, wenn gleichzeitig „ein frequenzbringender Entertainment-Partner mit ins Haus einzieht und damit mehr Publikum anzieht“, wie Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf am Dienstag erläuterte. Bloß: Der nahmhafte Varieté-Betreiber GOP hatte nach langen Verhandlungen abgewunken; und zuletzt gaben dem Ausschuss auch zwei Konzertveranstalter einen Korb, die den Aachener Kommunalpolitikern eigentlich Perspektiven für zukünftige Nutzungen aufzeigen sollten. Das war einigen Ausschussmitgliedern auch am Dienstag spürbar peinlich.

Was der Stadt erste Gespräche in der kommenden Woche mit einem anderen Veranstalter aus dem Entertainment-Sektor bringen, der jetzt von Casino-Betreiber Westspiel aus der Tasche gezogen wurde, steht in den Sternen. Wenn kein Mieter für das Kurhaus neben dem Spielcasino gefunden werden kann, gibt es aber einen „Plan B“, wie Wulf verkündete. Falls der Millionen-Umbau multifunktionale Nutzungsmöglichkeiten eröffne, könne das Eurogress übernehmen. Wie für die eigenen Säle und Konferenzräume könnten dann externe Veranstalter aquiriert werden, die im Kurhaus Kleinkunst, Konzerte, Comedy, Tagungen, Unternehmensfeiern etc. über die Bühne bringen. Fraglich ist, ob dieses Modell Westspiel für einen Wiedereinzug in die derzeit verwaisende Immobilie reicht.

So läuft derzeit alles darauf hinaus, dass ab dem Sommer – wenn das Spielcasino nach jahrelangen Verzögerungen endlich auszieht – erstmal gar nichts im Neuen Kurhaus passiert. Denn je nach künftiger Nutzungsart müssten Sanierung, Raumzuschnitt und Umbau bedarfsgerecht geplant sein. Ein Konzertsaal benötige zum Beispiel eine höhe Zuschauerkapazität als eine Kleinkunstbühne, wie Wulf dem Ausschuss erläuterte – und so weiter. Fazit: Bevor klar ist, wie das Neue Kurhaus künftig bespielt wird, macht ein Umbau keinen Sinn. Pilgram drückt deswegen aufs Tempo, er forderte schnellstmöglich konkrete Planungen. Die Mehrheitsfraktionen verwiesen darauf, dass man das Thema jetzt natürlich beraten werde – vorerst weiterhin in geheimer Runde. Doch dort sind konkrete Lösungen ebenfalls noch lange nicht Sicht.

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