Gegen Rechts: 150 Menschen bei Demo auf dem Neumarkt

Von: Stefan Herrmann
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Frankenberger Viertel im Fokus: 150 Menschen, vornehmlich aus der linken Szene, haben an einer Kundgebung teilgenommen. Foto: Steindl

Aachen. Nachdem es in den vergangenen Tagen im Frankenberger Viertel mehrfach zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen mutmaßlichen Neonazis und Mitgliedern der linksautonomen Szene gekommen ist, haben am Sonntag in der Spitze bis zu 150 Menschen an einer Kundgebung auf dem Neumarkt teilgenommen.

Die mehrheitlich der linken und antifaschistischen Szene zuzuordnenden Personen kamen unter dem Motto „Für eine solidarische Nachbarschaft – Schöner leben ohne Nazis“ zusammen. Die kurfristig angemeldete Demo wurde von der Polizei begleitet und sollte sich am Nachmittag eigentlich auf den Neumarkt im Frankenberger Viertel begrenzen.

Doch nach Absprache mit den Beamten vor Ort startete ein Teil der Teilnehmer am späten Nachmittag noch einen spontanen Demozug, der über die Bismarckstraße, Oppenhoffallee, Lothringer Straße und schließlich Richtung Theater- und Franzstraße zum Bahnhofsplatz führte. Dort löste sich die Demonstration schließlich gegen 18.30 Uhr auf, wie die Leitstelle der Polizei am Sonntag auf AZ-Anfrage mitteilte.

Am vergangenen Sonntag kam es zu einer ersten größeren Eskalation, als offenbar Mitglieder der als rechtsextrem eingestuften „Identitären Bewegung“ ein Banner mit der Aufschrift „Grenzen schließen, Leben retten“ an der Burg Frankenberg anbringen wollten. Eine andere Personengruppe, zu deren Hintergrund keine näheren Erkenntnisse vorliegen, verhinderte die Banner-Aktion. Es kam dabei zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, in deren Folge zwei Mitglieder der „Identitären“ verletzt wurden. Die herbeigerufene Polizei konnte die Angreifer nicht mehr ermitteln.

Am vergangenen Donnerstag dann der nächste Vorfall: Gegen 18 Uhr verließen zwei Männer einen Friseurladen im Frankenberger Viertel und sollen von zehn bis zwölf zum Teil vermummten Personen attackiert worden sein. Antifaschistische Anhänger, die nicht mit ihrem Namen genannt werden wollen, widersprachen auf der Demo den bisherigen öffentlich gewordenen Darstellungen.

So seien die Aggressionen an besagtem Donnerstagabend nicht von linksautonomen Personen erfolgt, vielmehr „suchten die Neonazis die Konfrontation und einer von ihnen zückte einen Teleskopstab“, heißt es in einem Flyer, der dieser Tage im Frankenberger Viertel aushing, über soziale Medien verbreitet und auf der Kundgebung auch verlesen wurde. Die mutmaßlichen Neonazis hätten sich beim Eintreffen der Polizei schließlich als Opfer „inszeniert“, heißt es weiter. Zwei Personen, die der linken Szene zuzurechnen sind, sind daraufhin festgenommen worden und sitzen derzeit in U-Haft.

In Redebeiträgen wurde am Sonntag das Verhalten der Polizei und auch der Staatsanwalschaft zum Teil scharf kritisiert. Auch an Berichten in den Medien übten die Sprecher, die allesamt anonym bleiben wollten, Kritik.

Aufgrund der jüngsten Vorfälle im Frankenberger Viertel wollen Polizei und Ordnungsamt künftig verstärkt Präsenz vor Ort zeigen und auch gemeinsame Kontrollmaßnahmen ergreifen, um einer weiteren Eskalation der Lage entgegenzuwirken.

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